, November 20, 2013

Pokerspieler, World Series of Poker Juli 2013

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Pokerspieler der World Series of Poker in Las Vegas Juli 2013

Das Thema der ersten MacroSports-Konferenz, die am 7. Juli 2013 im Hotel Bellagio in Las Vegas stattfand, war die Schnittmenge von makroökonomischen Belangen und Pokeranalysen. Hedgefonds-Manager und Pokerspieler diskutierten die Synergien zwischen den Bereichen. Einer der Konferenzteilnehmer sah den wesentlichen Zusammenhang in der emotionalen Distanz, die erfolgreiche Pokerspieler und Manager benötigen, wenn es um den Umgang mit großen Summen von Geld geht. Auch die Bedeutung von Körpersprache und Statistiken kam zur Sprache.

Die Konferenz fand direkt um die Ecke vom Casino Rio statt, wo derzeit die Turniere der World Series of Poker (WSOP) veranstaltet werden. Die Konferenz wurde parallel zu den Hauptevents veranstaltet, bei denen die Teilnehmerzahl bis zum 15. Juli auf neun reduziert wird. Um den Gesamtgewinn wird dann erst im November gepokert.

Reid Walker, Mitgründer von MacroSports und ehemaliger Miteigentümer von Walker Smith Capital LP in Texas erklärte, dass es seit jeher einen Zusammenhang zwischen dem, was gute Pokerspieler und erfolgreiche Investoren antreibt, gibt. Er beschrieb die Teilnahme an Turnieren mit hohen Einsätzen als ähnlich intensiven Vorgang wie das Verwalten eines Portfolios. Beide Bereiche seien von einer wettbewerbsorientierten Umgebung mit vielen Variablen geprägt, in der es nötig sei, das Verhalten der Gegner zu interpretieren.

Unter den Besuchern der Konferenz befand sich unter anderem der professionelle kanadische Pokerspieler Mike McDonald (Spitzname Timex), der oft Stakes für andere Spieler zur Verfügung stellt. Er sagte während der Konferenz, das ungefähr ein Viertel der Buy-ins des letztjährigen World Series of Poker Hauptevents, also immerhin ca. 15 Millionen Dollar, von Investoren wie ihm bereitgestellt wurden.

Viele der anwesenden Kapitalgeber zeigten Interesse an dieser bisher noch relativ unbekannten Anlagestrategie. McDonald hatte Anfang Juni kurzfristig für Aufregung gesorgt, als er ein Konto auf Twitter mit dem Namen @BankofTimex einrichtete und bekannt gab, er wolle Quoten auf Spieler in Turnieren anbieten. Er merkte jedoch schnell, dass dies die Gesetzgebung in den USA nicht erlaubt und zog das Angebot zurück.

Brandon Adams ist der zweite Gründer der MacroSports-Konferenz. Er ist nicht nur Pokerexperte und -spieler, sondern hat auch an der amerikanischen Universität Harvard unterrichtet und Bücher mit Finanzthemen veröffentlicht. Sein Einfluss war bei Konferenzthemen wie der globalen Verschuldung und Entwicklung der Devisenmärkte zu verspüren. Besonderes Interesse weckten aber praktische Pokerthemen, wie die Kunst, das Verhalten von Pokerspielern und Managern zu interpretieren, und Strategien für die Teilnahme am Hauptevent der WSOP.

Unter den professionellen Pokerspielern, die Tipps gaben, waren z. B. Tom Dwan (Spitzname „durrrr“), der sich auf Eins-zu-eins-Duelle spezialisiert und bisher bereits mehr als zwei Millionen US-Dollar bei Turnieren erspielt hat. Ebenfalls anwesend waren Phil Galfond und Kenny Tran; beide sehr erfolgreiche Pokerspieler und Gewinner bei der World Series of Poker.

Der letzte Vortrag des Tages wurde von Nate Silver gehalten, der über den Ausblick auf die Wahlen von 2014 bis 2016 referierte. Silver ist ein in den USA sehr bekannter Statistiker (und ehemaliger Pokerprofi), der durch seine akkuraten politischen Vorhersagen bekannt wurde. Bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl von 2008 gelang es ihm, den jeweiligen Gewinner in 49 Bundesstaaten mithilfe seines statistischen Modells vorherzusagen. Inzwischen werden seine Kolumnen in der Online-Ausgabe der New York Times veröffentlicht. Er unterstrich den bahnbrechenden Charakter dieser Konferenz, indem er darauf hinwies, dass dies wohl die erste Konferenz in der Geschichte von Las Vegas wäre, die schon um 9 Uhr am Sonntagmorgen begonnen hätte.

Diese Konferenz kann als Zeichen für das wieder zunehmende Interesse an Poker interpretiert werden. Der Pokerboom der 2000er Jahre wurde unter anderem durch den Gewinn von Chris Moneymaker beim Hauptevent der World Series of Poker 2003 beflügelt, der allerdings am sogenannten schwarzen Freitag, dem 15. April 2011, abrupt endete. An diesem Tag weitete der Gesetzgeber den Bann gegen Online-Glücksspiel, der seit 2007 bestand, offiziell auch auf Pokeranbieter aus.

Organisator Adams sagte, es sei dementsprechend „fast unmöglich, ein professioneller Pokerspieler zu werden, besonders in den Vereinigten Staaten”. Dies sieht er vor allem im fehlenden legalen Online-Angebot begründet und den Gebühren, die Casinos verlangen, um Turniere mit Geldeinsätzen zu veranstalten. Allerdings dürfte das nun legale Online-Pokerangebot in Nevada ein erster Lichtblick sein. Das nächste Jahr wird zeigen, wie viele Bundesstaaten tatsächlich das Online-Pokern legalisieren werden.