, 29.05.2019

Die Kommunal Landspensjonskasse (KLP) in Norwegen stößt ihre Anteile an Konzernen, die mehr als 5 Prozent ihrer Gewinne aus dem Geschäft mit Alkohol oder Glücksspiel generieren, ab. Dies gab der in Oslo ansässige größte norwegische Pensionsfond gestern bekannt. Betroffen vom Abverkauf ist auch Online Glücksspiel Betreiber Paddy Power.

 

90 Namen auf der Ausschlussliste

 

Paddy Power Front

Auch der irische Buchmacher Paddy Power steht auf der schwarzen Liste der Norweger (Quelle:geograph.ie, Albert Bridge, licensed under CC BY-SA 2.0)

Wie KLP-CEO Sverre Thornes (58) am Dienstag in einem Statement bekanntgab, verzichtet der größte Pensionsfond Norwegens künftig auf Investitionen in Unternehmen, die dem Glücksspiel oder dem Alkohol nahestehen.

 

Die KLP veröffentlichte eine Liste mit 90 betroffenen Unternehmen, in den meisten Fällen soll der Verkauf der Anteile bereits vollzogen sein.

 

Übrig seien lediglich noch eine Handvoll norwegischer Firmen, bei denen sich der Fond aufgrund mangelnder Liquidität oder zu großer Risiken für die Betreiber noch Zeit mit dem Rückzug lasse.

 

Insgesamt geht es bei dem Rückzug der KLP um ein Investitionsvolumen von umgerechnet rund 23,6 Millionen Euro. Dies entspricht weniger als einem Prozent des gesamten KLP-Pensionsvermögens.

KLP Norwegen Logo

Die KLP ist der größte Pensionsfond Norwegens (Quelle:klp.no, licensed under CC BY-SA 4.0)

Der norwegische Pensionsfond Kommunal Landspensjonskasse Gjensidig Forsikringsselskap (KLP) besteht seit 1949. Er ist für die Finanzierung der Altersversorgung der Beschäftigten des norwegischen öffentlichen Dienstes verantwortlich. Insgesamt liegt das Pensionsvermögen des Fonds bei umgerechnet rund 72 Milliarden Euro.

Auf der Liste der nun von der KLP ausgeschlossenen Firmen stehen unter anderem der irische Buchmacher Paddy Power und die Brauereien Heineken und Greene King. Auch Spirituosenhersteller Diageo, unter dessen Dach Marken wie Bacardi, Johnnie Walker und Pernod Ricard versammelt sind, wird künftig nicht mehr im Portfolio des Fonds zu finden sein.

 

„Für eine bessere Welt“

 

An einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol und Glücksspiel sei nichts auszusetzen, so CEO Thornes, er könne gar positive Elemente beinhalten. Dennoch denke die KLP, dass eine Abhängigkeit von Alkohol und Glücksspiel schwere negative Folgen für den Einzelnen und seine Angehörigen habe und auch hohe Kosten für die Gesellschaft bedeute.

 

Deshalb sehe sich die KLP in der Verantwortung, für nachhaltige Investments einzutreten, so Thornes in seiner Erklärung zur Entscheidung des Pensionsfonds:

Es geht hier nicht nur darum, was den größten Gewinn abwirft, sondern auch darum, mit unseren Investitionen zu einer positiven und nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung beizutragen. Dabei handelt es sich um eine große Verantwortung, weswegen wir regelmäßig prüfen, ob wir dieser gut genug gerecht werden. Wir wollen den Pensionsfond, den wir verwalten, in Unternehmen investieren, die in größerem Maße zu einer sichereren und besseren Welt für alle beitragen.

Wie Jeanett Bergan, Leiterin der KLP-Sektion für verantwortliche Investitionen, ausführt, möchten die Verantwortlichen mit der Auflistung der nun aus dem Portfolio gestrichenen Unternehmen ein deutliches Zeichen setzen:

 

Der Ausschluss bestimmter Investitionen sei ein sehr wirkungsvolles Instrument, insofern er auf die richtige Art eingesetzt werde. Der wichtigste Punkt hierbei sei die Transparenz. Die Auflistung der geschassten Firmen und der Gründe für den Ausschluss bewirke im öffentlichen Bewusstsein deutlich mehr als mit der puren Aufzählung der Unternehmen, an denen man Anteile halte.

 

Das freiwerdende Kapital, so KLP, werde in bereits existierende Geschäftszweige umgeleitet. Von längerfristigen, signifikanten Auswirkungen auf die Gesamterträge des Fonds gehen die Verantwortlichen nicht aus.

 

ESG-Standards auf dem Vormarsch

 

Mit der Entscheidung, bei Investitionen verstärkt auf soziale Verträglichkeit und Nachhaltigkeit zu setzen, folgt die KLP einem international auch bei anderen Großinvestoren auszumachenden Trend. Immer mehr Unternehmen richten ihre Anlagestrategien an den sogenannten ESG-Kriterien aus.

ESG steht für „Environment Social Governance“ und beschreibt, inwieweit sich Unternehmen bei Entscheidungen von Überlegungen in Bezug auf Umwelt, Soziales und Unternehmensführung leiten lassen.

 

Auch in Deutschland setzt der Finanzbereich vermehrt auf nachhaltige Investmentportfolios nach ESG-Kriterien. Durch sogenannte negative Screenings werden hierbei bestimmte Unternehmen oder ganze Branchen von Investitionen ausgeschlossen.

 

Zu den hierzulande meist genannten Ausschlusskriterien gehören unter anderem Waffenhandel und -produktion, Menschenrechtsverletzungen, Glücksspiel, Alkohol und Umweltzerstörung.

Die ebenfalls auf der Ausschlussliste stehende Brauereigruppe Anheuser-Busch InBev NV, zu der auch die Biermarken Becks und Diebels gehören, reagierte in einem ersten Statement schmallippig:

 

Man stünde im ständigen Dialog mit aktuellen und künftigen Anteilseignern, welche die Nachhaltigkeitsbemühungen des Unternehmens erkannten und wertschätzten.

Wettanbieter Paddy Power hat sich bislang nicht zum Rückzug des norwegischen Pensionsfond geäußert.

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