Mittwoch, 05. Oktober 2022

Österreich: Weniger Glücksspiel während des ersten Lockdowns?

Roulettekessel Roulette

In Österreich soll der erste Corona-Lockdown 2020 nicht für einen allgemeinen Suchtanstieg gesorgt haben. Während der Konsum substanzieller Suchtmittel konstant geblieben sei, seien substanzunabhängige Süchte wie Glücksspielsucht eher zurückgegangen. Dies geht aus dem neuen Bericht zur Drogensituation 2020 des österreichischen Kompetenzzentrums Sucht (GÖG) hervor.

Um die unmittelbaren Auswirkungen des Lockdowns auf den Suchtmittelkonsum zu untersuchen, sei zwischen April und Juni eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt worden, an der sich 6.000 Österreicher/innen beteiligt hätten.

Entgegen zuvor geäußerter Befürchtungen sei es in keinem Bereich zu einem besorgniserregenden Anstieg gekommen. Martin Busch, der Abteilungsleiter des GÖG, erklärt gegenüber der österreichischen Presseagentur (APA):

Das Interessante ist, dass sich beim Konsumverhalten in der Allgemeinbevölkerung durch die Krise im Zuge des ersten Lockdown im Frühjahr 2020 keine massive Veränderung ergeben hat. Das gilt für die Allgemeinbevölkerung. Bei einzelnen Gruppen gab es aber Schwankungen. Zum Beispiel tendierten die Raucherinnen zu mehr Zigarettenkonsum […] Wegen Wegfalls der Gelegenheiten kam es jedenfalls zu einem starken Rückgang beim Glücksspiel und bei Sportwetten.

Der Lockdown habe sich möglicherweise gar positiv auf das Problem der Spielsucht ausgewirkt, heißt es weiter. So hätten 54 % der Befragten angegeben, während des ersten Lockdowns insgesamt weniger gespielt zu haben. Für 42 % habe es keine Veränderung gegeben und lediglich 4 % hätten einen Anstieg des persönlichen Spielverhaltens erklärt.

In Bezug auf weitere Suchtmittel erläutert der Bericht, dass

  • Die Nutzung von Computerspielen bei 32 % der Befragten stark zugenommen habe.
  • 13 % der Befragten ihren Alkoholkonsum erhöht und 16 % diesen gemindert hätten.
  • 15 % der Raucher hätten weniger geraucht, 17 % mehr.
  • Von den Cannabis-Konsumenten hätten 14 % ihren Konsum erhöht, 20 % diesen gemindert.

Nicht lizenzierte Angebote außer Acht gelassen?

In Bezug auf das Glücksspiel, beruft sich der Bericht jedoch ausschließlich auf den Wegfall von Spielgelegenheiten, also die Schließung von Casinos und Spielhallen sowie das Unterangebot von Sportwetten aufgrund ausgefallener Sportevents. Inwieweit sich in Österreich somit der Konsum illegaler Online-Glücksspiele erhöht haben könnte, bleibt offen.

Dass auch die Österreicher seit Jahren auf nicht lizenzierten Online-Glücksspiel-Webseiten zocken, ist nämlich allgemeinhin bekannt. So berichtete die Zeitung Profil Ende Mai letzten Jahres, dass nicht lizenzierte Glücksspielfirmen aus dem Ausland im Vorjahr 308 Mio. Euro Bruttospieleinnahmen verzeichnet hätten.

Auch der Verein Spielerhilfe.at warnte im Juni 2020 davor, dass illegale Spielstätten anders als die konzessionierten Spielbanken des Landes unbeirrt weiter operierten. Die tatsächliche Spielerbeteiligung während des Lockdowns, insbesondere unter Problemspielern, sei insgesamt schwer einschätzbar.