, 18.01.2021

Der österreichische Glücksspielkonzern Casinos Austria AG sieht sich erneut mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Doch dieses Mal sind es nicht die Fraktionsmitglieder des Ibiza-U-Ausschusses, die dem Konzern Fehlverhalten vorwerfen, sondern der Verein Spielerhilfe.at.

 

Die jüngsten Anschuldigungen sind dabei besonders brisant: Casinos Austria wird vorgeworfen, die Auszahlungsquoten ihrer Spielautomaten zu manipulieren.  Die österreichische Nachrichtenseite ZackZack bat den Verein diesbezüglich zum Interview. In einem Dokumentar-Kurzfilm von Larissa Breitenegger und Markus Schwarz erklärt Vereinssprecher Christoph Holubar, wie Spielerhilfe.at zu diesem Schluss gekommen ist.

 

Muster der Auszahlungs-Statistiken unstimmig?

Bereits im Oktober hatte der Verein die Auszahlungs-Statistiken der verschiedenen Spielbanken der Casinos Austria veröffentlicht und interpretiert. Auffällig sei laut Spielerhilfe.at, dass die Casinos zu Beginn eines Monats keine höhere Gewinnausschüttung verzeichneten, obwohl deutlich mehr Kunden in den Spielbanken spielten.

 

Im Gegensatz dazu zeigten die Statistiken oft höhere Einzel-Gewinnausschüttungen gegen Ende des Monats oder an Tagen, in denen kaum Kundenverkehr herrsche. Bei festen, an Zufallsgeneratoren gebundenen Auszahlungsquoten, sollte sich jedoch ein umgekehrtes Bild abzeichnen, so der Verein.

Gemäß der geltenden Fassung des Bundesgesetzes vom 28. November 1989 zur Regelung des Glücksspielwesens (Glücksspielgesetz – GSpG) sieht der Gesetzgeber für Spielautomaten eine Auszahlungsquote zwischen 85 und 95 % vor. Spielentwickler und Spielautomatenaufsteller können die genaue Quote innerhalb dieses Bereiches festsetzen. Änderungen dürfen nur „nach vorheriger Bekanntgabe an die zuständige Landesbehörde“ erfolgen. Automatensalons sind verpflichtet, die Auszahlungsquoten an jedem Spielgerät gut sichtbar anzugeben. Die Spielbanken sind dazu nicht gesetzlich verpflichtet.

Stets innerhalb der Grenzen des Legalen

Die Gesetzeslage ermöglicht es der Casinos Austria AG somit, ihre Auszahlungsquoten innerhalb des erlaubten Rahmens anzupassen. Während auch Spielerhilfe.at betont, dass sich der Konzern stringent an die geltenden Glücksspielgesetze halte, wirft der Verein dem Unternehmen ein gewisses Kalkül vor. Das Glücksspiel büße somit zumindest teilweise die Faktoren Glück und Zufall ein.

 

In dem jüngsten Video beruft sich Holubar dazu auf ein Gespräch, dass er mit einem „hochrangigen Manager eines bekannten Glücksspielunternehmens“ geführt habe. Dieser soll gesagt haben:

Zu Beginn versuchen wir, die Kunden ins Casino zu kriegen […] und zu Beginn lassen wir die Leute gewinnen, das Geld sollen sie haben […] und dann, wenn sie öfter kommen und die Sucht einsetzt […] gewinnen sie auch noch, aber nicht mehr so intensiv und dann am Ende lassen wir sie gar nicht mehr gewinnen.

Inwieweit diese Aussage wörtlich zu nehmen ist, lässt sich nicht verifizieren. Für Holubar jedoch zeichne sich daraus das Gesamtbild ab, dass die Casinos innerhalb eines Monats die Auszahlungsquoten an ihre Besucher anpassen würden. Auf diesem Wege erhöhe der Glücksspielkonzern gezielt die Verweildauer der Gäste und somit seine Umsätze.

 

Inwieweit man einem Konzern, der innerhalb der gesetzlichen Regelungen arbeitet, die Maximierung seiner Gewinne zum Vorwurf machen kann, scheint in diesem Zusammenhang eher eine moralische Frage zu sein.

 

Für den Verein Spielerhilfe.at bestehe jedoch eine Gefährdung der Gesundheit der Einwohner Österreichs. Aus diesem Grunde liege es auch am Gesetzgeber, im Sinne des Spielerschutzes sichere Rahmenbedingungen zu schaffen.