, 24.08.2020

Der spanische Geheimdienst, das Centro Nacional de Inteligencia (CNI), untersucht in Ceuta und Melilla derzeit einige Online-Glücksspielunternehmen. Wie die spanische Zeitung El Español am Samstag berichtet hat, soll der Grund hierfür der Verdacht auf Spionage sein.

 

Glücksspiel oder Spionage?

 

Nach Angaben von El Español [Seite auf Spanisch] habe ein Mann aus Marokko den Verdacht des Geheimdienstes erweckt. Er sei nach Melilla eingereist, um einen Glücksspielgewinn von 50.000 Euro entgegenzunehmen. Der marokkanische Geschäftsmann sei zunächst dem marokkanischen Geheimdienst aufgefallen, weil er nicht als „glücksspielaffin“ registriert gewesen sei.

 

Der spanische und der marokkanische Geheimdienst gingen davon aus, dass es sich bei den 50.000 Euro keineswegs um einen Gewinn handele. Vielmehr soll der Mann das Geld im Austausch für die Weitergabe von Informationen an ein türkisches Unternehmen erhalten haben.

 

Die Ermittler vermuteten, bei den mutmaßlich weitergegebenen Informationen sei es um die Konstruktion eines luxuriösen Tourismus- und Freizeitkomplexes in der marokkanischen Region Nador gegangen. An ihr sollen bereits verschiedene türkische Unternehmen Interesse gezeigt haben. Doch auch britische Online-Glücksspielunternehmen, die ihren Sitz von Gibraltar nach Ceuta und Melilla verlegt haben, habe der Geheimdienst nun näher ins Visier genommen.

In den spanischen Exklaven Ceuta und Melilla siedeln sich seit 2018 immer mehr Online-Glücksspielunternehmen an. Dabei handelt es sich um Unternehmen, die ihren Sitz aufgrund des Brexits von Gibraltar nach Ceuta und Melilla verlegt haben. Doch auch Glücksspielunternehmen aus Ländern wie Russland und Israel hätten Ihren Sitz nach Ceuta und Melilla verlegt, weil hier die Steuern besonders günstig seien.

Der Geheimdienst vermute, das einige der Online-Glücksspielunternehmen genutzt würden, um Geld zu waschen und Informationen über Spanien und Marokko an dritte Länder weiterzugeben.

 

Ceuta gilt als risikoreicher

 

Sowohl der spanische als auch der marokkanische Geheimdienst nähmen derzeit Online-Glücksspielunternehmen in Ceuta schärfer ins Visier als jene in Melilla.

 

So hätten Quellen aus Marokko den Journalisten von El Español versichert:

Ceuta steht stärker unter Beobachtung als Melilla, weil sich hier mehr Unternehmen ansiedeln, es von mehr Sportbooten besucht wird und näher an Spanien und Gibraltar liegt.

Enrique Reyes vom Steuerdienst Organismo Autónomo de Servicions Tributarios (OATSCE) dagegen versichert, Ceuta sei ein “Modell der Unterstützung des privaten Glücksspiels“. Die Branche sei ein Motor für die Wirtschaft und trage zum Wohlstand Ceutas bei.

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