, October 10, 2019

Eine Studie von Forschern der University of British Columbia wirft neues Licht auf den Zusammenhang von Spielsucht und genetischer Veranlagung. Laut der am Donnerstag letzter Woche im Fachjournal Neuropsychopharmacology (Link auf Englisch) veröffentlichten Untersuchung wiesen Problemspieler und deren nicht spielende Geschwister ähnliche neuronale Besonderheiten auf.

 

Die Skizze eines Gehirns

Welche Auswirkung hat der Bau unseres Gehirns auf die Sucht? (Quelle: Pixabay)

Hierzu gehörten eine gesteigerte Risikobereitschaft und Impulsivität. Die Wissenschaftler hatten im Rahmen ihres Projektes 20 Personen mit Spielstörung, 17 biologische Geschwister und zwei Kontrollgruppen ohne Spielproblem miteinander verglichen.

 

Hierzu nahmen die Probanden an einer Reihe von Tests teil. Unter anderem wurden die Studienteilnehmer während des Spielens an einem Spielautomaten von einem MRT überwacht und mussten Fragebögen beantworten.

 

Die Resultate der Kontrollen zeigten, dass Problemspieler und ihre Geschwister auf der „Cambridge Gamble Task“-Skala höhere Grade von Impulsivität und Risikobereitschaft erreichten als die Kontrollgruppe. Zudem seien die Problemspieler und ihre Geschwister eher dazu bereit gewesen, mit höheren Einsätzen zu spielen und riskante Entscheidungen zu treffen.

 

Obgleich die Kleinstudie kein finales Urteil über die Ursache der Suchterkrankung fällt, legen die Ergebnisse nahe, dass nicht allein soziale Faktoren für die Ausprägung einer Spielstörung verantwortlich sein könnten.

Die biologische Veranlagung von Suchterkrankungen

Mit Entwicklung der modernen Genforschung haben Suchtforscher immer intensiver den Zusammenhang zwischen Suchterkrankungen und biologischer Veranlagung untersucht. Dabei begutachteten die Experten nicht nur pathologische Spieler, sondern auch Alkohol- und Drogenabhängige.

 

Während die Wissenschaftler im Bereich der Glücksspielsuchtforschung noch uneinig sind, wie hoch der Anteil von Erbfaktoren an der Sucht ist, kamen andere Forschungszweige bereits zu konkreten Ergebnissen.

 

Laut Rainer Spanagel, Leiter des Instituts für Psychopharmakologie am Zentrum für Seelische Gesundheit der Universität Heidelberg, seien 50 % aller Risikofaktoren für Alkoholismus genetisch. Um diesen Wert zu ermitteln, erstellten die Forscher ebenfalls Geschwister-Studien.

Verhilft die Genforschung den Wissenschaftlern zum Durchbruch?

 

Als bewährte Methode zur Erforschung von Glücksspielsucht haben sich Geschwister- und Zwillings-Untersuchungen in den letzten Jahren bewährt.

 

Ein Puzzle-Teil in Zwillingsform

Forscher nutzen Zwillings-Studien zur Untersuchung von Spielsucht. (Quelle:Pixabay)

Bereits im Jahre 2010 erforschten Wissenschaftler der University of Missouri und des Queensland Institute of Medical Research die genetische Disposition von pathologischen Spielern und deren Geschwistern und publizierten ihre Ergebnisse in den Archives of General Psychiatry.

 

Die Untersuchung umfasste 2.889 Zwillingspaare und sollte den Einfluss von Umwelt- und Erbfaktoren auf das Spielverhalten ermitteln.

 

Das Resultat: Eineiige Zwillingspaare (beide Personen) neigten stärker zur Spielsucht als zweieiige Zwillingspaare. Die Studienersteller schlussfolgerten daraus, dass Abstammung einen größeren Einfluss auf die Ausprägung einer Spielstörung haben könnte als Umweltfaktoren.

 

Welche Gene genau für die Neigung zum riskanten Spielen verantwortlich seien, konnten die Wissenschaftler nicht herausfinden. Sie verwiesen darauf, dass Spielsucht eine komplexe Erkrankung mit vielen Facetten sei, die unter Berücksichtigung zahlreicher Gesichtspunkte erforscht werden müsse.

 

Auch in Deutschland diskutieren die Experten

 

Die Diskussion über mögliche genetische Faktoren der Spielsucht werden nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland geführt. Wie das Deutsche Ärzteblatt unter Berufung auf eine Studie des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim berichtete, könnte Spielsucht „möglichweise genetische Ursachen“ haben.

 

Laut dem Fachmagazin besäßen:

„Pathologische Spieler (…) weniger graue Substanz in Bereichen des Fronthirns, was erklären könnte, weshalb sie nachteilige Entscheidungen treffen und trotz massiver Probleme weiterspielen.“

Von dem einen „Spielertyp“ könne jedoch nicht ausgegangen werden. Vielmehr könnten Erkrankungen zu „bestimmten Hirnfunktionen, Hirnstrukturen und Verhalten“ geführt haben, sodass bei der Untersuchung der Spielsucht von speziellen „Subtypen“ gesprochen werden müsse.

 

Sowohl neue als auch ältere Studien zu genetischer Veranlagung und Spielsucht zeigen, dass viele Ursachen der Abhängigkeit trotz großer wissenschaftlicher Bemühungen noch immer im Dunkeln liegen. Einig scheint die Mehrheit der Wissenschaftler jedoch darüber zu sein, dass es einen interdisziplinären Ansatz geben müsse, um die Krankheit besser verstehen zu können.