, June 19, 2019

In Deutschland sind viele Jugendliche von der Spielsucht betroffen. Um junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren, fördert das Bundesland Nordrhein Westfalen das Projekt Glüxxit, das Berufsschülern das Gefährdungspotential näherbringt.

 

Prävention und Aufklärung

Damit sich bei gefährdeten Minderjährigen keine Spielsucht entwickelt, setzt NRW auf Prävention: Um die Jugendlichen auf die Risiken des Glücksspiels besser vorzubereiten, unterstützt die Landesregierung unter anderem ein Projekt, das an Berufsschulen das nötige Hintergrundwissen über die Risiken von Glücksspielen aller Art thematisiert.

 

Das unter dem Motto “Glüxxit – wer nicht zockt, gewinnt” laufende Projekt wurde initiiert, um Jugendlichen auf anschauliche Weise das nötige Wissen zum Thema Spielsucht zu vermitteln. Der Name nimmt dabei den Ansatz des Projekts vorweg, denn er setzt sich aus Glücksspiel und Exit (Ausgang) zusammen.

In Deutschland gehören junge Männer beim Thema Spielsucht zu der gefährdetsten Personengruppe. Einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 2017 zufolge weisen 2,44 % der Männer im Alter zwischen 18 und 20 Jahren ein problematisches Glücksspielverhalten auf.

 

Demgegenüber liegt der weibliche Anteil in dieser Altersklasse bei lediglich 0,60 %. Während diese Zahlen gegenüber 2015 stabil sind, hat sich der Anteil der Betroffenen zwischen 16 und 17 Jahren seit von 0,36 % auf 0,66 & annähernd verdoppelt. Nicht zuletzt deshalb zielt die Glüxxit-Kampagne auf die Jugendlichen, bei denen Spielautomaten, Online Casinos und Sportwetten zu den beliebtesten Spielarten gehören.

Die Glüxxit-Prävention wurde im Auftrag des Gesundheitsministeriums gemeinsam von der Landeskoordinierungsstelle Glücksspielsucht NRW, dem Arbeitskreis gegen Glücksspielsucht Unna sowie den kirchlichen Einrichtungen der Caritas und des Diakonischen Werks entwickelt.

 

Eine Mischung aus interaktivem Quiz und Erfahrungsberichten

Dabei setzen die Initiatoren nicht nur auf die Aufklärung über die übermäßige Nutzung von Videospielen, sondern warnen zugleich vor den Gefahren, die generell von Spielhallen, Wettbüros oder Online Casinos ausgehen.

 

Die Macher setzen bei der Gestaltung auf eine digitale Präsentation, bei der die Berufsschüler per Computer und Beamer durch ein interaktives Quiz zum Thema Spielsucht geführt werden und bei dem unterschiedliche Fragestellungen rund um das Glücksspiel auf anschauliche Weise thematisiert werden.

 

Spielautomat

Auch Spielautomaten werden thematisiert (Bild: flickr.com)

Neben den interaktiven Fragen veranschaulichen die Glüxxit-Macher die Problematik anhand regionaler Beispiele. So wurde den Besuchern eines Berufskollegs in Rheda-Wiedenbrück anschaulich vorgestellt, wie hoch die in Spielhallen verzockten Summen tatsächlich sind: Allein die 217 in der Stadt offiziell angemeldeten Spielautomaten nahmen 2018 rund 6,1 Millionen Euro ein.

 

In einem abschließenden Teil der insgesamt etwa 90 Minuten dauernden Glüxxit-Einheit wird die vermittelte Theorie mit praktischen Erkenntnissen angereichert. Dazu kommen in Videoclips Betroffene und Experten zu Wort, um ihre Sicht der Spielsucht zu schildern.

 

Anschließend berichten die Schüler selbst von eigenen Erfahrungen oder Erlebnissen im Familien- und Freundeskreis beim Thema Glücksspiel. Auf diese Weise wird die im ersten Teil vermittelte Theorie mit emotionalen Aspekten angereichert, was den Lehrerfolg des Projekt zusätzlich steigern soll.

 

Experten wie der Bremer Glücksspielforscher Tobias Hayer begleiten das Glüxxit-Projekt. Der Forscher analysiert seit Jahren die Gefahren des Glücksspiels. Ihm zufolge läge eine Hauptproblematik darin, dass viele Betroffene der Auffassung zu sein scheinen, die Automaten beeinflussen zu können.

 

Ein Trugschluss, wie Tobias Hayer weiß. Er mahnt:

Die Ergebnisse sind programmiert. Wenn Sie immer gewinnen würden, wäre der Anbieter pleite!

Betroffene müssten deshalb verstehen, dass sie keinerlei Handhabe zur Steuerung der Geräte hätten.

 

Berufsschulen im Fokus

Das Glüxxit-Projekt wird derzeit über 50 Berufsschulen in NRW angeboten. Die Konzentration auf die berufsvorbereitenden Einrichtungen erfolgte nicht ohne Grund. Bereits 2014 ermittelte die Landesregierung in einer repräsentativen Studie, dass die Besucher der Berufsschulen deutlich anfälliger als andere Jugendliche für ein problematisches Spielverhalten sind.

 

Neben den Schülern stehen die Ausbilder und Lehrer ebenfalls im Mittelpunkt der Aufklärung. Ihnen soll das Glüxxit-Projekt dabei helfen, Anzeichen eines problematischen Spielverhaltens zu erkennen und zudem Möglichkeiten aufzeigen, mit denen sie den Betroffenen helfen können.

 

Für eine zusätzliche Aufbereitung steht den Lehrern online eine Glüxxbox zur Verfügung. In dieser Materialiensammlung finden sie sämtliche Informationen und Ratschläge zum Umfang mit dem Glücksspiel. So soll der nachhaltige Erfolg von Glüxxit sichergestellt werden.