Dienstag, 06. Dezember 2022

Psychologen sehen Zusammenhang zwischen Spielsucht und ADHS

Mann vorm Laptop mit Brille in der Hand und einer Hand über den Augen ADHS-Betroffene können sich oft schwer konzentrieren und reagieren auf starke Stimuli wie Glücksspiele (Bild: Shutterstock)

Menschen, die unter einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) leiden, könnten anfälliger für Spielsucht-Erkrankungen sein. Dies ist das Ergebnis einer in dieser Woche veröffentlichten Metaanalyse der italienischen Psychologie-Fachzeitschrift State of Mind.

Wie die klinische Psychologin Seila Mainardis darin erklärt, bestehe zwischen ADHS und Spielsucht nicht nur eine auffällige Korrelation, sondern auch eine potenzielle Kausalität. So begünstigen einige der typischen ADHS-Symptome die Entwicklung einer Spielsucht.

ADHS-Symtome könnten Spielsucht begünstigen

Aufmerksamkeitsdefizit

Eines der oft sehr ausgeprägte Hauptsymptome sei die Aufmerksamkeitsschwäche. Betroffene seien leicht abzulenken und reagierten auf starke Stimuli. Anders als bei alltäglichen oder beruflichen Aktivitäten ermöglichten es besonders stimulierende Aktivitäten den Betroffenen, auch über längere Zeit „bei der Sache zu bleiben“. Eine solche besonders stimulierende Aktivität könne das Glücksspiel sein, insbesondere an Spielautomaten mit ihren typischen blinkenden bunten Lichtern und eindringlichen Klängen.

Hyperaktivität

Ein weiteres klassisches ADHS-Merkmal sei die Hyperaktivität. Während sich diese bei Kindern häufig durch starken Bewegungsdrang präsentiere, sorge sie bei Erwachsenen häufig für exzessives Ausüben einer Tätigkeit. Die Erwachsenen verspürten zudem eine innere Unruhe, die erst durch Ablenkung mit starken Stimuli beseitigt werden könne.

Impulsivität

Beide der genannten Symptome führten zum dritten Hauptmerkmal von ADHS: der Impulsivität. Um sich von den unangenehmen Gefühlen der inneren Unruhe und Unterstimulierung zu befreien, handelten ADHS-Betroffene oft unüberlegt und impulsiv. Studien hätten gezeigt, dass das Glücksspiel das Belohnungszentrum im menschlichen Gehirn aktivieren könne. Der Spielende erfahre daher eine unmittelbare „Erlösung“ seiner negativen Gefühle. Die durch ADHS hervorgerufene Impulsivität sei daher ein besonders großes Spielsuchtrisiko.

Relevant für die Spielsucht-Therapie

Trotz vieler einzelner Studien zum Thema Glücksspiel und ADHS gebe es keine eindeutigen Daten dazu, wie viele pathologische Glücksspieler auch unter ADHS litten. Eine Studie habe jedoch gezeigt, dass Problemspieler und Spielsüchtige mit ADHS oft in deutlich jüngerem Alter problematisches Spielverhalten entwickelten als nicht von ADHS betroffene Spielsüchtige.

Wie Maindardis abschließend erklärt, bedürfe es weiterer gezielter Studien zum Thema. Bereits anhand der existierenden Daten sei es jedoch ratsam, im Rahmen von Spielsucht-Behandlungen einen etwaigen Abgleich mit ADHS-Symptomen durchzuführen.

Die Daten sind für therapeutische Entscheidungen durchaus relevant. Es lässt sich nämlich ableiten, dass eine ADHS-Therapie auch Personen mit Glücksspiel-Problemen helfen könnte, insbesondere der Therapie-Aspekt der Impulsivitätskontrolle. Durch das Anerkennen des oft gemeinsamen Auftretens der beiden Erkrankungen öffnen sich neue Türen für die Therapieplanung von Spielsüchtigen.“

Einige Herangehensweisen der ADHS-Therapie könnten Problemspielern aufgrund der ähnlichen Krankheitsmerkmale sogar auch dann helfen, wenn der oder die Betroffene nicht an ADHS leide, so die Einschätzung der Psychologin.