, 26.12.2020

Auf den Glücksspiel-Märkten in Italien und in der Schweiz hat sich im Jahr 2020 viel getan. Die Entwicklungen der beiden Länder hätten dabei unterschiedlicher nicht sein können. Während sich das Glücksspiel in der Schweiz gemächlich von Kanton zu Kanton um neue Angebote erweitern durfte, geriet die italienische Glücksspiel-Landschaft in ein nahezu unübersichtliches Chaos.

 

Schweiz: Umfangreiche Liberalisierung des Glücksspiels

In der Schweiz drehte sich in diesem Jahr noch immer alles um das neue Geldspielgesetz. Obwohl dieses bereits im Sommer 2018 beschlossen wurde und am 1. Januar 2019 in Kraft trat, erfolgte die Umsetzung zum Großteil erst 2020.

 

Den 26 Kantonen war nämlich eine zweijährige Übergangsfrist gestattet worden, in welcher sie die eigenen kantonalen Gesetze an das neue übergeordnete Schweizer Geldspielgesetz anpassen konnten.

Bei ihrer individuellen Anpassung an das Geldspielgesetz konnten die Schweizer Kantone individuelle striktere Regeln und Verbote beschließen, zum Beispiel ein Verbot von Spielautomaten oder Poker-Turnieren. In Bezug auf das Online-Glücksspiel ist dies nicht möglich.

 

Mit Abschluss dieses Jahres verfügen insgesamt 9 der 21 Schweizer Spielbanken über eine Zusatzkonzession für Online-Glücksspiel. Sieben Online-Casinos sind bereits aktiv und können in der gesamten Schweizer Eidgenossenschaft legal genutzt werden.

Zu den Kantonen, die erst in diesem Jahr über ihre Anpassung an das Geldspielgesetz abgestimmt haben, zählten Aargau, Basel-Landschaft, Bern, Jura, St. Gallen und Zürich.

 

Die Kantone legalisierten dabei, teilweise zum ersten Mal, beispielsweise kleine Pokerturniere oder Geldspielautomaten im Gastgewerbe. In Bezug auf Letzteres herrscht lediglich im Kanton Zürich noch Ungewissheit.

 

So gab die Kantonalregierung im November bekannt, dass die Zürcher im Juni 2021 noch einmal spezifisch über das Aufstellen von Spielautomaten in Kneipen und Lokalen abstimmen sollen.

 

Italien: Glücksspiel-Branche zwischen den Stühlen

Im transalpinen Italien hingegen ist der Glücksspiel-Markt bereits seit vielen Jahren ohne große Einschränkungen geöffnet. In diesem Jahr jedoch wurde die italienische Glücksspiel-Industrie vor eine Reihe neue Hürden gestellt.

 

Aus der Politik hat die Branche insgesamt gemischte Signale enthalten. Auf der einen Seite sollten striktere Gesetze und Restriktionen das Glücksspiel in der Bevölkerung eindämmen, auf der anderen Seite setzte die Regierung auf die Einnahmen aus der Branche, um die Wirtschaft des Landes wieder anzukurbeln.

Für großen Aufruhr in der Sportwetten-Branche sorgte daher im Mai ein Dekret, welches allen Sportwetten-Anbietern eine zusätzliche Steuer von 0,5 % auf ihre Einnahmen auferlegte. Die Regierung wollte somit noch in diesem Jahr zusätzliche 40 Mio. Euro einnehmen, um die von Corona-Restriktionen gebeutelte Sport-Industrie zu unterstützen.

Die betroffenen Unternehmen lehnten sich über Monate gegen die neue Steuer auf. Schließlich seien auch sie von den Restriktionen betroffen, da sie, abgesehen von Schließungen ihrer stationären Geschäfte, ohne Sport-Events ohnehin keine Profite über Sportwetten machen könnten.

 

Im Herbst begannen einige Buchmacher, die Steuer zu kippen. Zunächst stimmte die Regierung zu, Wettbörsen die Steuer zu ersparen, da diese dadurch automatisch in die roten Zahlen rutschten. Im November überzeugte dann der italienische Buchmacher BetFlag S.p.A ein Gericht in Rom, dass die Steuer für ihn unzumutbar sei.

 

Derzeit ist Italiens Glücksspiel-Sektor erneut von einem nationalen Lockdown betroffen. Casinos, Spielhallen und Wettbüros bleiben geschlossen. Den Italienern bleibt daher nur das Online-Glücksspiel, welches seinerseits in diesem Jahr viel Gegenwind erhielt.

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