, June 26, 2019

In die Debatte um das Sponsoring-Angebot des Glücksspielkonzerns Kindred an den Norwegischen Schachverband ist Bewegung gekommen, denn Schachweltmeister Magnus Carlsen kündigte an, Kindreds Offerte zu unterstützen. Um das Vorhaben zum Erfolg zu bringen, will er einen eigenen Schachclub gründen.

 

Ein eigener Club, um die Entscheidung zu beeinflussen

Magnus Carlsen erhofft sich durch Kindreds Millionen zusätzlichen Aufschwung für den Schachsport in Norwegen. Das Sponsoring ist im Land jedoch äußerst umstritten. Kritiker bemängeln Kindreds Rolle als Glücksspielkonzern.

Anfang Juni erhielt der Norwegische Schachverband Norges Sjakkforbund (NSF) ein verlockendes Angebot: Kindred bot 5 Millionen Euro für die Übernahme der Sponsoring-Rechte für eine Laufzeit von 5 Jahren. Dies entspricht ungefähr der Summe, die der NSF benötigt, um eine Schachweltmeisterschaft im eigenen Land zu veranstalten.

 

Trotz der enormen Zugkraft des heimischen Weltmeisters stand die Finanzierung einer solchen WM bisher auf äußerst wackligen Füßen, weshalb Oslo aus dem Rennen um die WM 2018 ausgestiegen war. Kindreds Offerte könnte der Bewerbung nun erneuten Auftrieb geben.

Um das Vorhaben zum Erfolg zu führen und die Abstimmung im eigenen Sinne zu beeinflussen, will der 28-jährige Weltmeister einen eigenen Schachclub gründen, dessen Mitglieder bei dem Verbandsvotum ein Stimmrecht erhalten. Da die Zeit drängt, bietet Magnus Carlsen den ersten 1.000 Schachfans eine kostenlose Mitgliedschaft an.

 

Diese 1.000 Personen würden ihm entscheidenden Einfluss im Schachverband, dem aktuell lediglich 4.000 Mitglieder angehören, sichern. Dafür ist der Weltmeister bereit, tief in die eigene Tasche zu greifen: Für die 1.000 Mitglieder müsste er dem Verband umgerechnet 60.000 Euro an Beitragsgeldern überweisen.

 

Die endgültige Abstimmung über Annahme oder Ablehnung des Kindred-Angebots will der Verband bei seiner nächsten turnusmäßigen Sitzung am 7. Juli treffen.

 

Auf Facebook postete Magnus Carlsen dazu:

Mein Fazit lautet, dass ich absolut empfehlen würde, mit ja zu stimmen, wenn der Deal legal ist.

Seit der Ankündigung des Schachweltmeisters ist die Aufregung groß, denn sie erhöht die Gefahr einer Zerreißprobe in der norwegischen Schach-Szene. Die öffentliche Unterstützung durch den in Norwegen überaus populären Spieler dürfte den Kindred-Anhängern Vorschub geben. Doch damit ist die Vorentscheidung noch längst nicht gefallen, denn auch auf der anderen Seite formiert sich mächtiger Widerstand.

 

Norwegische Glücksspielaufsicht droht mit Konsequenzen

So hat sich die norwegische Glücksspielaufsicht Stiftelsestilsynet (NGA) eindeutig gegen das Sponsoring positioniert. In einem Schreiben warnte sie den Verband ausdrücklich davor, auf den umstrittenen Deal einzugehen. Als Begründung führt die NGA an, dass Kindred über keine legale Geschäftsgrundlage in Norwegen verfüge.

 

Sollte der Schachverband dem Angebot trotzdem zustimmen, würde die NGA dessen Aktivitäten künftig genau überprüfen, da sich die Partnerschaft möglicherweise in eine “rechtliche Grauzone” begeben würde.

 

In ihrem Statement gibt die NGA an:

Obwohl das Kooperationsabkommen an sich legal sein mag, ruft die Norwegian Gaming Authority den Norwegischen Schachverband dazu auf, die Konsequenzen des Eintritts in eine solche Vereinbarung sorgfältig abzuschätzen. Zum einen könnte er sich auf eine Situation einlassen, die möglicherweise zu einem Verstoß gegen die Glücksspielregeln führt. Zum anderen wäre dies die Zusammenarbeit mit einer Partei, die bewusst norwegisches Recht bricht.

Der Schachverband hat nach Eingang des Schreibens angekündigt, sich in dieser Frage rechtlichen Beistand suchen zu wollen. Damit dürfte auch die abschließende Meinung der Anwälte Einfluss auf die Entscheidung über den Sponsoring-Deal haben.

 

Kindreds Streit mit den norwegischen Behörden

Es ist nicht die erste Auseinandersetzung, die Kindred mit der NGA hat. So musste der Konzern Anfang Mai eine Reihe seiner Online Casinos in Norwegen vom Markt nehmen, nachdem die NGA bemängelt hatte, dass diese in dem skandinavischen Land illegal operieren würden.

 

Die Aufseher warfen Kindred und anderen Anbietern damals vor, sich direkt an norwegische Spieler zu wenden, obwohl die Firmen über keine gültigen Glücksspiellizenzen verfügten. Daraufhin schloss Kindred in Norwegen die Onlineaktivitäten seiner Marken Unibet, Maria Casino, Storspiller und BingoLottstift.

 

Sollte Kindred tatsächlich zum Hauptsponsor des Schachverbands werden, hätte der Glücksspielkonzern einen legalen Weg gefunden, um in Norwegen weiterhin präsent zu sein. Ob und wie sich dies auf seine Glücksspielaktivitäten auswirken wird, bleibt abzuwarten.