, August 6, 2019

In Schweden erhält der Streit zwischen dem Fußballverband Swedish Football Association (SvFF) und der staatlichen Glücksspielaufsicht Spelinspektionen [Seite auf Englisch] neuen Auftrieb. Der Verband wirft der Behörde vor, nicht entschieden genug auf den vom SvFF geäußerten Verdacht der Spielmanipulation reagiert zu haben.

 

Kein generelles Verbot trotz Aufforderung

Konkret geht es den Verbandmanagern um den Verdacht, dass es in der unterklassigen Division 2 Södra Svealand in mehreren Fällen zu verschobenen Spielen gekommen sein könnte. Insgesamt prüft der SvFF derzeit 13 Partien aus dem letzten Frühjahr, bei denen es zu verdächtigen Bewegungen bei Sportwetten gekommen sei.

Bei der Division 2 Södra Svealand handelt es sich um die vierthöchste Liga im schwedischen Fußball. In ihr spielen 14 Amateurteams aus der Region Svealand in Mittelschweden, zu der auch die Hauptstadt Stockholm gehört. Wie in den anderen Ligen Schwedens gibt es auch in der Division 2 jeweils mehrere Auf- und Absteiger.

Der SvFF äußerste die Vorwürfe bereits Mitte Juli und rief Spelinspektionen damals auf, keine Wetten mehr für die betreffende Liga zuzulassen. Die Aufseher blieben jedoch tatenlos und verhängten keinen Bann für Wettangebote der Division 2. Stattdessen argumentierten Behördenvertreter, dass das schwedische Glücksspielgesetz derlei Verbote nicht vorsähe.

 

Dem widersprach jetzt der Generalsekretär des Verbands, Håkan Sjöstrand, der sich mit der “engen Auslegung” des Glücksspielgesetzes nicht einverstanden zeigte:

Es muss der verantwortlichen Behörde möglich sein, in dringenden Fällen wie diesem, schnelle Entscheidungen zu treffen. Sonst muss dies gesetzlich geklärt werden.

Ein Sprecher von Spelinspektionen versprach inzwischen, ein Vorgehen auf die vom Fußballverband geäußerten Vorwürfe eingehend zu überprüfen.

 

Wettanbieter reagierten bereits

Logo Fußballverband Schweden SvFF

Der schwedische Fußballverband (Bild: SvFF)

Trotz der ausbleibenden rechtsverbindlichen Vorgabe der schwedischen Glücksspielaufsicht reagierte der staatliche Glücksspielanbieter Svenska Spel auf die Manipulationsvorwürfe und nahm Sportwetten für die betreffende Amateurliga aus seinem Angebot. Bis zur endgültigen Klärung der Anschuldigungen ist es für Kunden von Svenska Spel nicht möglich, auf diese Spiele zu setzen.

 

Dem Vorgehen von Svenska Spel war ein Schreiben des SvFF vorausgegangen. Dieser hatte sich nicht nur an Spelinspektionen, sondern ebenfalls direkt an die Wettbüros gewandt und sie darum gebeten, bis auf Weiteres keine Wetten mehr auf Matches der Division 2 anzunehmen.

 

Inzwischen haben auch Wettanbieter wie Bethard, 888 und Unibet angekündigt, von sich aus Wetten für die Division 2 aus dem Programm zu nehmen, bis der Fußballverband seine Untersuchungen abgeschlossen hat und Entwarnung gibt.

 

Der Generalsekretär des SvFF hofft, dass sich weitere Anbieter einem freiwilligen Verzicht anschließen:

Wir hoffen, dass alle seriösen Unternehmen folgen werden trotz der negativen Position von Spelinspektionen. Wir können nicht darauf warten, bis die Behörde ihre Regulierungen anpasst oder bis das Gesetz geändert wurde.

Der Fußballverband wird seine Forderung nach einem offiziellen Verbot aufrechterhalten, solange nicht alle Anbieter die Wetten aus ihrem Programm genommen haben. Zudem plant der SvFF die Einführung verbesserter Untersuchungsmethoden, um dem Verdacht auf Manipulationen schneller und genauer nachgehen zu können.

 

Maßnahmen zur Verringerung des Risikos

Dazu gehört nach Aussagen des Verbands insbesondere eine verstärkte Überwachung der Matches in den schwedischen Ligen. Darüber hinaus sollen verdächtige Bewegungen auf dem Wettmarkt künftig noch besser identifiziert werden können.

 

Håkan Sjöstrand gab zudem an, dass er Behörden und andere Beteiligte mit ins Boot holen wolle, um den Kampf des Fußballverbands gegen Korruption und Betrug im Sport zu unterstützen.

 

Die Reaktion von Anbietern wie Svenska Spel und Co. zeigt allerdings, dass die Unternehmen für die heikle Thematik des Wettbetrugs durchaus sensibilisiert sind und im Zweifel auch ohne eine offizielle Aufforderung der Glücksspielaufsicht handeln.

 

So hat Svenska Spel bereits von sich aus begonnen, den schwedischen Fußballnachwuchs die Gefahren der Spielmanipulation aufzuklären. Nicht nur der Verband dürfte hoffen, dass dieses Vorgehen künftig dazu führen könnte, die Gefahr von Manipulationen im schwedischen Fußball zu senken.