, 07.06.2019

Am Mittwoch informierte das schwedische staatliche Glücksspielunternehmen Svenska Spel über eine aktuelle Anti-Wettbetrugs-Kampagne, im Rahmen derer jugendliche Profispieler über die Gefahren und Prävention von Spielmanipulation aufgeklärt werden.

 

Gefahr im Keim ersticken

Spielbetrug und Wettmanipulation ist aktuell weltweit im Fußball und stellt auch in anderen Sportarten ein großes Problem dar. Während größtenteils die unteren oder Amateur-Ligen betroffen sind, gibt es auch in den obersten Ligen keine Garantien des 100%igen Fairplays, wie jüngst der Skandal aus der spanischen La Liga verdeutlichte.

 

Gothia Cup internationale Flaggen

Aufklärung über Spielmanipulation für den Gothia Cup 2019 (Bild: Flickr)

Kommen Wettskandale ans Licht, fühlen sich nicht nur Fans und aufrichtige Wetter betrogen, sondern auch die betroffenen Buchmacher erleiden erhebliche finanzielle Verluste und eine Rufschädigung. Schwedens größter Anbieter für Sportwetten und Casinoprodukte geht seit einigen Jahren aktiv dagegen vor.

 

Bereits seit dem Jahr 2015 arbeitet Svenska Spel daher mit der schwedischen Fußball-Interessensvertretung Föreningen Svensk Elitfotboll (SEF) zusammen, um innerhalb der Clubs und verschiedenen Ligen über das Thema Spielmanipulation aufzuklären.

 

Hauptverantwortlicher der Kampagne ist der ehemalige Fußballprofi Anders Wikström, der seit vielen Jahren mit Svenska Spel zusammenarbeitet. Er persönlich leitet dabei den Unterricht, um die Spieler zu sensibilisieren.

 

Während in den letzten Jahren vor allem die Teams der oberen Ligen Allsvenskan (erste Liga) und Superettan (zweite Liga) im Rahmen der Aufklärungskampagne besucht wurden, lag zuletzt der Fokus auf dem Fußballnachwuchs des Landes.

 

Zum dritten Mal in Folge werden daher in diesem Jahr die Jugendteams, die am jährlichen Gothia Cup in Göteborg teilnehmen, unterrichtet. Wikström sagte dazu:

Es ist eine wichtige Zielgruppe von Spielern, die auf den Seniorenfußball zusteuern. Als junge Spieler haben sie wahrscheinlich noch nicht viel über Spielmanipulation nachgedacht. Du spielst Fußball, einfach weil es Spaß macht. Mit dieser frühen Sensibilisierung hoffen wir, künftige Spielmanipulation zu verhindern.

Der diesjährige Gothia Cup beginnt in knapp fünf Wochen. Vom 14. Bis 20. Juli werden dabei 24 Jugendteams gegeneinander antreten. Bei der Hälfte der Teams handelt es sich um heimische Vereine, die andere Hälfte reist aus dem Ausland an.

 

Berechtigte Sorgen im schwedischen Fußball

Schweden hatte in der Tat in den letzten Jahren mit einigen Wettskandalen zu kämpfen. Erst 2016 machten sich insgesamt 43 Spieler der zweiten Liga der Spielmanipulation schuldig.

 

AIK Solna Team 2014

Spiel der ersten Liga wegen Verdacht auf Betrug verschoben (Bild: Wikipedia)

Im Folgejahr war dann sogar die erste Liga betroffen, wobei es in diesen Fällen bei Betrugsversuchen blieb, die in letzter Minute entlarvt und verhindert werden konnten.

 

So musste im Mai 2017 ein Spiel zwischen IFK Göteborg und AIK (Solna) verschoben werden, weil einigen Spielern Manipulationsversuche vorgeworfen wurden.

 

Im Oktober desselben Jahres folgte ein ähnlicher Fall in Bezug auf ein anstehendes Spiel zwischen Malmö FF und HBK (Halmstad). Einer der HBK Spieler hatte angeblich geplant, sein Team absichtlich verlieren zu lassen. Noch bevor es dazu kommen konnte, wurden die Pläne des Spielers offengelegt.

 

Auch Sportsradar klärt auf

Die weltweit größte und bekannteste Organisation gegen Wettbetrug und Spielmanipulation ist Sportsradar, ein im Jahr 2000 in Norwegen gegründetes Unternehmen, welches heute seinen Hauptsitz im Schweizer St. Gallen hat.

 

Sportsradar operiert heute nicht nur in 24 verschiedenen Ländern, sondern kooperiert weltweit auch eng mit anderen Institutionen, die gegen Wettbetrug kämpfen. Auch in Sachen Aufklärung und Sensibilisierung ist Sportsradar daher heute ein Vorreiter.

 

Sporsradar Anti-Match Fixing

Sportsradar weltweit gegen Wettbetrug (Bild: sportsradar)

Das Unternehmen bietet beispielsweise sogenannte „Integrity Tours“ an, im Rahmen derer Experten zu den Fußballteams reisen, um mit diesen Workshops über Spielmanipulation zu halten. Auch Webinars und e-Learning sind mittlerweile möglich und werden gern genutzt.

 

Darüber hinaus bieten die Website und die mobile App des Unternehmens Whistleblowern eine sichere Plattform, Informationen über Manipulationsversuche anonym weiterzugeben.

 

Viele der großen Ligen weltweit haben in den letzten Jahren mit Sportsradar zusammengearbeitet. Im Juli 2018 hielten die Experten Workshops [Seite auf Englisch] in Vereinen der DFL ab. Ähnliche Aufklärungstouren wurden davor bereits in der italienischen Seria A, in der FA Wales und der griechischen Hellenic Football Federation organisiert.

 

Eine internationale Kooperation mit Schweden ist angesichts der aktuellen Manipulationsrisiken durchaus denkbar. Zunächst aber scheint Svenska Spels Vorhaben, direkt im Jugendfußball anzusetzen, eine sinnvolle Maßnahme zu sein.