, 23.10.2019

Die Schweizer Online Casinos fordern vom Bund ein schärferes Vorgehen gegen illegale Glücksspiel-Anbieter aus dem Ausland. In einem Interview sprach sich Detlef Bose, CEO der Stadtcasino Baden AG, für härtere Gesetzesbestimmungen aus.

 

In einem Interview mit der Online-Plattform schweizeraktien.net beklagte Detlef Brose, dass es noch immer viele illegale Casinos in der Schweiz gebe.

 

Er sagte weiter:

„Damit fließen auch nach dem neuen Geldspielgesetz hunderte von Millionen Franken jährlich in illegale Kanäle ab. Wir erwarten, dass Politik und Exekutive nun endlich viel stringenter gegen diese Kriminellen vorgehen. Zudem bin ich der Meinung, dass die darauf bezogenen Strafbestimmungen im jetzigen Glücksspielgesetz viel härter hätten sein müssen.“

Betrieben von der Stadtcasino Baden AG, war das Grand Casino Baden im Juli als erstes, legales Online-Casino der Schweiz mit der Webseite jackpots.ch an den Start gegangen. Weitere in der Schweiz legale Online Glücksspiele werden vom Casino Luzern und vom Casino Pfäffkon sowie vom Casino Davos angeboten.

Am 1. Juli 2019 sind die Bestimmungen über die Einschränkungen des Zugangs zu den in der Schweiz nicht lizensierten Online Glücksspielangeboten in Kraft getreten. Auf ihrer Webseite hat die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) eine Sperrliste veröffentlicht, die alle Online Casinos aufführt, die in der Schweiz illegal sind. Internet-Provider werden aufgefordert, diese Casinos per digitaler Netzsperre zu blockieren. Gleichwohl gab es in den vergangenen Wochen technische Probleme, die Netzsperren umzusetzen und die Casinos waren weiterhin verfügbar.

Strenge Bestimmungen für Schweizer Online Casinos

 

Detlef Bose gab im Interview an, dass die legalen Online Casinos in der Schweiz den ausländischen Anbietern gegenüber im Nachteil seien. Er räumt ein, dass man illegalen Angeboten im Netz am besten mit attraktiven, legalen Angeboten entgegensteuern könne. Diesen würden jedoch die gesetzlichen Auflagen für Schweizer Anbieter entgegenstehen.

 

So seien zum einen die Spielbankabgaben im Vergleich zu denen im Ausland sehr hoch. Zum anderen seien die gesetzlichen Rahmenbedingungen strenger und die Internet-Casinos hätten dadurch keine Möglichkeit, konkurrenzfähige Angebote auf den Markt zu bringen.

 

Hoher Entwicklungsaufwand für das Online Casino

 

Um das Online Casino an den Start bringen zu können, setzte die Stadtcasino Baden AG auf die Entwicklung einer völlig neuen Plattform. Dafür beteiligte sie den internationalen Online Spieleentwickler Gamanza zu 50 Prozent.

 

Online Poker, Online Casino

Online Casinos müssen für jedes neue Spiel aufsichtsbehördliche Genehmigungen einholen. (Bild: Pixabay/ besteonlinecasinos)

Die Entwicklung der Software nahm ein halbes Jahr in Anspruch und die Vorbereitung des Echtgeldbetriebes sei sehr aufwändig gewesen. So mussten hierbei nicht nur Zahlungsabwicklung und Spielintegration vorbereitet werden, sondern es galt auch, regulatorische Auflagen zu beachten und die Gamanza AG, die ihren Sitz in die Schweiz verlegte, benötigte die ISO 27001 Zertifizierung. Dabei handelt es sich um eine internationale Norm für Informationssicherheit.

 

Gestartet war das Grand Casino Baden mit seinem Online Casino zunächst mit 50 Spielen. Bis Ende Oktober sollen 140 Spiele zur Verfügung stehen, langfristig sind mehr als 500 Spiele geplant. Um dieses Angebot umsetzen zu können, sei allerdings ein schneller, moderater Genehmigungsprozess erforderlich.

 

Aufwändiger Genehmigungsprozess für jedes einzelne Spiel

 

Derzeit sei das Einbinden von neuen Spielen ein „komplexer regulatorischer Prozess“. Jedes einzelne Spiel müsse nicht nur technisch in die Plattform eingebunden werden, sondern auch gesondert den Genehmigungsprozess der ESBK durchlaufen. Dies sei einerseits langwierig, andererseits aber auch kostenintensiv. Online Casinos aus dem Ausland hätten hierdurch einen zeitlichen Vorsprung, denn bis die Schweizer Zertifizierung vorhanden sei, sei das Spiel schon wieder vom Markt.

 

Im Tochter-Casino Davos sei ein Online-Poker-Raum geplant. Doch auch hierbei sei das Genehmigungsverfahren zäh. Man rechne damit, dass das Casino mit dem Live-Poker Ende des Jahres online gehen könne.

 

Bei anderen Live-Games wie Roulette oder Black Jack, die mit echten Croupiers abgewickelt werden, sei es bisher nicht gelungen, die regulatorischen Auflagen erfüllen zu können. Man hoffe jedoch, künftig auch in diesem Bereich durchstarten zu können.

 

Angesichts der technischen Probleme mit den Netzsperren und des derzeitigen Aufwandes der Schweizer Online-Casinos beim Launchen neuer Spiele ist fraglich, ob eine einfachere Lösung für legale Spielangebote nicht eine effektive Alternative zu Sperrlisten darstellen könnte.

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