Montag, 28. November 2022

Glücksspiel in der Schweiz: Gesetzliche Spielerschutz-Maßnahmen laut Psychiater unzureichend

Junge Frau schaut auf einen Laptop Vor allem jüngere Menschen sind heute häufiger von problematischem Glücksspiel betroffen (Bild: Piqsels)

Der Leiter des Zentrums für Exzessives Glücksspiel der Universitätsklinik Lausanne, Olivier Simon, bezeichnet die im Schweizer Geldspielgesetz vorgeschriebenen Spielerschutz-Maßnahmen als unzureichend. Wie der Psychiater am Donnerstag im TV-Programm La Matinale [Beitrag auf Französisch] erklärte, sei die Spielsucht-Rate in der Schweiz daher nach wie vor vergleichsweise hoch.

Insgesamt 3 % aller Schweizer im Alter ab 15 Jahren wiesen ein problematisches Spielverhalten auf. In den letzten Jahren sei insbesondere der Anteil der jüngeren Problemspieler stark gewachsen. Die Zahl der Spielsüchtigen insgesamt sei zwar weitgehend stabil, das Ziel der Verringerung werde damit jedoch klar verfehlt.

Online-Glücksspiel ein besonders hohes Risiko

Während in der Vergangenheit vor allem klassische Spielautomaten zum Spielsucht-Problem in der Bevölkerung beigetragen hätten, sei heute vermehrt das Online-Glücksspiel die Grundlage von Spielsucht-Erkrankungen. Das betreffe nicht nur Online-Casinospiele, sondern auch die digitalisierten Versionen von Lotto-Produkten und Rubbellosen.

Digitale Formen von Glücksspielen wiederum sprächen insbesondere junge Erwachsene und Minderjährige an. Simon führt aus:

In Bezug auf Spielsucht ist die jüngere Bevölkerung grundsätzlich dem größten Risiko ausgesetzt. Insgesamt gibt es drei Phasen, in welchem Spielsucht oder das Risiko einer Spielsucht statistisch am häufigsten auftreten. Das sind zum einen Jugendliche kurz vor der Volljährigkeit, gefolgt von Personen mittleren Alters und schließlich ältere Menschen, die sich erst seit kurzen im Ruhestand befinden.“

Letztendlich sei jedoch nicht nur die Zahl der Spielsüchtigen von Bedeutung, sondern insbesondere die Folgen für die Betroffenen selbst, ihre Familien als auch die Gesellschaft. Je jünger die Problemspieler und Spielsüchtigen seien, desto gravierender seien in der Regel die Auswirkungen.

Wirksame Maßnahmen kaum genutzt

Nach seinem TV-Auftritt habe Simon am Donnerstag im Krankenhaus Hôpital du Jura zudem eine Präsentation zum Thema gegeben. In dieser ging er unter anderem auf Präventionsmaßnahmen ein. Wie der Psychiater erklärt, seien die gängigen und gesetzlich vorgeschriebenen Spielerschutz-Maßnahmen eher wenig effizient. Grundsätzlich sehe das Schweizer Geldspielgesetz lediglich die folgenden Maßnahmen vor:

  • Die Kantone müssen 0,5 % ihrer Steuerausnahmen auf dem Glücksspiel in Präventions-Kampagnen investieren.
  • Die Anbieter sind verpflichtet, Problemspieler zu identifizieren und vom Glücksspiel auszuschließen.
  • Die Glücksspiel-Betreiber müssen für jedes ihrer Produkte eine Risiko-Evaluierung durchführen

Aufklärungs- und Sensibilisierungs-Kampagnen beispielsweise seien zwar einfach umzusetzen, erwiesen sich jedoch insgesamt als wenig wirksam. Für theoretisch wirksam, wenngleich schwer umsetzbar, halte Simon verschärfte Werbe-Restriktionen und verpflichtende Einsatz- und Verlustlimits.

Das beste Gleichgewicht aus Effektivität und Effizient hingegen finde sich bei Spielerschutz-Maßnahmen, die größtenteils nicht zum Einsatz kämen. Dazu zähle eine für die Anbieter verpflichtende Erhöhung der Auszahlungsquoten, eine gezielte Reduktion besonders riskanter Spiele und eine erschwerte Zugänglichkeit der Spiele.

Auch könnte der gleichzeitige Kampf gegen Alkohol und Tabak eine wichtige und effiziente Maßnahme darstellen. Dies dürften zahlreiche Studien untermauern, die eine starke Korrelation zwischen Alkohol- und Spielsucht aufgezeigt haben.