, May 3, 2019

Eine Anfang des Jahres durchgeführte Studie der Northumbria University, in der Posts von Glücksspielbetreibern auf Twitter untersucht wurden, ergab, dass der Förderung des sicheren Glücksspiels nur einmal pro 100 Tweets Rechnung getragen werde.

 

Der promovierte Wissenschaftler Scott Houghton und seine Kollegen von der Northumbria University [Seite auf Englisch] in England stellten gestern ihre Ergebnisse auf einer jährlichen Konferenz in Harrogate vor.

 

Während die britische Glücksspielkommission alles daransetze, strengere Regeln für Glücksspiel-Betreiber durchzusetzen, wurde in der Studie festgestellt, dass auf der Social Media Plattform Twitter der Aspekt des sicheren Glücksspiels von den Betreibern eher vernachlässigt werde.

 

Scott Houghton, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Forschungsprojekts, sagte, die Studie ziele darauf ab, die Glücksspielunternehmen und ihre Partnerunternehmen anhand ihrer Twitter-Accounts zu klassifizieren. Twitter sei die meistgenutzte Plattform der Glücksspielbranche.

 

Details zur Studie

Die Studie umfasste Untersuchungen von über 8.000 Posts auf Twitter-Konten von mehr als 40 verschiedenen britischen Glücksspiel-Betreibern, unter anderem Paddy Power Betfair, SkyBet, Ladbrokes Coral, Bet365 und der Buchmacher William Hill.

 

Hände, Social Media

Soziale Netzwerke werden häufig für Direktwerbung genutzt. (Bild: pixabay.com)

Die Forscher konzentrierten sich auf die Art der von diesen Betreibern verbreiteten Tweets und gruppierten sie kategorisch in neun verschiedene Segmente: Direktwerbung, Wettunterstützung, Sportinhalte, Kundenbindung, Humor, Aktualisierung des aktuellen Wettstatus, Werbeinhalte, sichereres Spielen und ‘andere.’

 

Im Rahmen der Studie wurde auch die Anzahl der Posts in den jeweiligen Kategorien ermittelt. Insgesamt fielen rund zwei Drittel der Tweets in die Kategorien „Direktwerbung“ oder „Wettunterstützung“.

 

Bei der Analyse der Daten wurde festgestellt, dass Glücksspiel-Anbieter selten Tweets posteten, die in die Kategorie „“sicheres Spielen“ einzuordnen seien.

 

Nur 1,6 % aller Twitter-Posts hätten die Förderung sicheren Spiels zum Inhalt. Die Studie ergab weiterhin, dass nur ein Partnerunternehmen einen einzigen Tweet gepostet habe, der sich auf das sichere Spiel bezogen habe.

 

Aggressives Marketing für Glücksspiel auf Twitter

Die Ergebnisse zeigten, dass die Partner der Glücksspiel-Betreiber häufiger Direktwerbung auf den Social.Media Plattformen verbreiteten. Während die Forscher die Tweets der Betreiber häufig in die Kategorien Sport und Humor hätten einordnen können, hätten die Partnerunternehmen einen höheren Anteil von Tweets gepostet, die sich als Direktwerbung klassifizieren ließen.

 

In der Studie heißt es:

„Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Partnerunternehmen direkter in ihren Posts waren, während die Betreiber einen eher indirekten Ansatz verfolgen. Künftige Forschungen sollten sich damit befassen, welchen Einfluss die Interaktion mit verschiedenen Arten von Glücksspielinhalten in sozialen Medien auf die Einstellungen und das Verhalten hinsichtlich des Glücksspiels hat.”

Es gebe auch keine Altersbeschränkungen für den Zugang zu den mit den Glücksspiel-Unternehmen verbundenen Twitter-Konten der Partnerunternehmen. Das Marketing für Glücksspiel sei Minderjährigen so zugänglich.

 

Scott sagte:

„Tweets zur Förderung sicheren Spielverhaltens waren von den Glücksspielbetreibern nur in geringer Zahl vorhanden, aber noch weniger von Partnerunternehmen. Unsere Erkenntnisse werden genutzt, um die britische Politik darüber zu beraten, wie das Glücksspiel auf eine Weise vermarktet werden kann, die gefährdete Personengruppen schützt. Es laufen derzeit noch weitere Untersuchungen, um beurteilen zu können, wie die Spieler auf das Marketing in den sozialen Medien reagieren. […]“

Minderjährige besonders gefährdet

Eine andere Studie, die Anfang dieses Jahres durchgeführt wurde und die Untersuchung der zunehmenden Spielsucht bei Jugendlichen in Großbritannien zum Ziel hatte, ergab, dass mindestens 55.000 Minderjährige im Alter von 11 bis 17 Jahren bereits Symptome pathologischen Spielverhaltens aufwiesen.

 

Mensch, soziale Netzwerke

Minderjährige haben leichten Zugang zu Glücksspielwerbung auf Twitter. (Bild: pixabay.com)

Einer von sieben Minderjährigen dieser Altersgruppe nehme nach Aussagen der Studie an irgendeiner Form des Glücksspiels teil. Weiterhin sei festgestellt worden, dass 70.000 Kinder und Jugendliche gefährdet und 450.000 Kinder regelmäßig Glücksspielaktivitäten ausgesetzt seien.

 

Seit Februar dieses Jahres gelten in Großbritannien neue Bestimmungen hinsichtlich der Werbeanzeigen für Sportwetten und Glücksspiel auf für Kinder zugänglichen Webseiten.

 

Demnach sind Glücksspiel-Anbieter und deren Partnerunternehmen dazu verpflichtet sicherzustellen, dass nur volljährige Nutzer Zugang zu Werbeanzeigen haben dürften.

 

Dies könnte ein Schritt in die richtige Richtung bedeuten, der aber nicht ausreichen dürfte, wenn Glücksspiel- und Sportwetten-Anbieter in den sozialen Netzwerken immer noch nicht ausreichend über sicheres Glücksspiel und problematisches Spielverhalten sprechen.

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