, 29.11.2019

In Großbritannien sind die Gewinne im Glücksspiel leicht rückgängig. Nach Angaben der britischen Glücksspielaufsicht UK Gambling Commission (UKGC) sank der Bruttoertrag der Anbieter von 2018 bis 2019 leicht um 0,3 % auf 14,4 Milliarden Pfund Sterling.

 

Online Glücksspiel verliert erstmals

Dabei ist insbesondere das Online Glücksspiel betroffen, dessen Bruttoertrag sich um 0,6 % auf 5,3 Milliarden Pfund Sterling verringerte. Das Minus bedeutet für die an Wachstum gewöhnte Branche den ersten, wenn auch niedrigen Rückgang in der Geschichte des Glücksspiels.

 

Trotz der Verluste beim Bruttoertrag in Höhe von insgesamt 34,2 Millionen Pfund Sterling trägt der Onlinebereich jedoch noch immer 37,1 % zu den Erträgen im britischen Glücksspiel bei.

Die Daten wurden am 28. November von der UK Gambling Commission im Rahmen ihrer jährlichen Auswertung des Glücksspielmarktes [Seite auf Englisch] veröffentlicht. Sie betrachten die Zeitspanne vom 1. April 2018 bis zum 31. März 2019 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

 

Einer der wichtigsten Faktoren ist dabei der Bruttoertrag (Gross Gambling Yield (GGY)), der der Differenz der Spielereinsätze sowie sonstiger Einnahmen der Anbieter und ihrer Gewinnauszahlungen an die Spieler entspricht.

Mit 3,1 Milliarden Pfund waren Online Casinos die dominierende Einnahmequelle im Internetgeschäft, gefolgt von Onlinewetten, die 2018/19 2,0 Milliarden Pfund erwirtschafteten. Allerdings entwickelten sich die beiden Bereiche äußerst unterschiedlich, denn einem GGY-Zuwachs bei den Online Casinos stand ein signifikanter Rückgang der Erlöse beim Online Wettgeschäft gegenüber.

 

So ermittelte die UKGC für Online Casinos mit ihren klassischen Casinospielen und Online Slots eine Steigerung um stattliche 6,0 %. Wachstumstreiber war dabei das Online Roulette, das mittlerweile Einnahmeüberschüsse von 448,2 Millionen Pfund vorweisen kann.

 

Demgegenüber sank der GGY bei den Onlinewetten um 10 % und damit annähernd um 200 Millionen Pfund. Obwohl die Umsätze in dem Bereich leicht zunahmen, verschlechterte sich die Einnahmesituation der Buchmacher. Als Gründe für das überraschende Minus führen Experten hauptsächlich gestiegene Investitionen in das Kundengeschäft an.

 

Bei den von den Kunden favorisierten Wettarten gab es jedoch keine Veränderung: Auch 2018/19 machten Wetten auf Fußball (GGY: 991,2 Millionen Pfund) und Pferderennen (GGY: 522,1 Millionen Pfund) den Löwenanteil des Wettgeschäfts unter sich aus. Damit waren sie für über 75 % der Gewinne in diesem Sektor verantwortlich.

 

Rückläufiger Gesamtumsatz im britischen Glücksspiel

UK Gambling Commission

Die UKGC präsentierte neue Daten (Bild: gamblingcommission.gov.uk)

Doch in Großbritannien entwickelte sich nicht nur der Onlinemarkt schwächer als im Vorjahr. Den Daten der UKGC zufolge lag der Bruttoertrag der Glücksspielindustrie in dem beobachteten Zeitraum um 46,4 Millionen Pfund unter dem des Vorjahres, was einem Rückgang um 0,3 % entspricht.

 

Mit Abstand am heftigsten traf es dabei die britische Casino-Wirtschaft, die einen Rückgang von 10,3 % zu verkraften hatte. Diesen Verlusten stehen gesteigerte Erträge bei Lotterien und den Arkade-Spielhallen gegenüber, die jeweils im einstelligen Prozentbereich zulegen konnten. Auf diese Weise konnten die Verluste im Onlinebereich sowie bei Wettterminals und Casinos annähernd aufgefangen werden, so die UKGC.

 

Die im Mai 2019 in Kraft getretene Reduzierung der Maximaleinsätze bei Wettterminals (FOBTs) von 100 auf nur noch 2 Pfund floss noch nicht in die Bewertung mit ein. Beobachter gehen davon aus, dass bei der nächsten Veröffentlichung auf diese Kategorie wegen der erwarteten Umsatz- und Ertragsrückgänge starke Einbußen zukommen werden.

 

Weniger Shops und Jobs

In dem betrachteten Zeitraum hat sich nicht nur die Gewinnsituation im britischen Glücksspielgeschäft verschlechtert. Gleichzeitig nahm die Anzahl der physischen Shops, die Spiele und Wetten anbieten, um 3 % auf 10.761 Geschäfte ab. Darunter litten auch die in der Branche Beschäftigten, deren Anzahl um 6 % abnahm.

 

Mit über 102.000 Beschäftigten zählt die Glücksspielindustrie zwar weiterhin zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen in Großbritannien. Doch die jüngsten Daten zeigen deutlich, dass in der Branche massiv Arbeitsplätze abgebaut werden: Hatte die Zahl der Jobs 2010 noch bei 129.500 gelegen, verringerte sich diese Zahl seitdem um 27 %.

 

Es wird sich zeigen, ob der insbesondere bei den Wettbüros vorherrschende Trend zur Reduzierung von Wettbüros auch in Zukunft anhält, was einen weiteren Stellenabbau nach sich ziehen würde.

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