, 23.05.2019

Der Vorstandsvorsitzende des britischen Glücksspielunternehmens Sky Betting & Gaming, Richard Flint, sagte gegenüber der BBC News, dass die Glücksspielbranche nicht genug für problematische Spieler getan habe und die Finanzierung eines Netzwerkes von Behandlungszentren in Betracht ziehen sollte. Für seine Äußerungen wurde er von einer örtlichen Wohlfahrtsorganisation scharf kritisiert.

 

Im Exklusivinterview mit BBC News [Seite auf Englisch] sagte Richard Flint:

„Die Branche hat nicht genug getan, um sich um problematische Spieler zu kümmern. Wie müssen mehr tun, um uns selbst zu regulieren, und wenn wir nicht mehr tun, werden uns mehr Regulierungen aufgezwungen werden.“

Den Äußerungen Flints ging Mitte des Monats die Ankündigung voraus, dass er im Juni nach mehr als 18 Jahren aus dem Unternehmen ausscheiden werde. Dies hatte die Muttergesellschaft von Sky Betting and Gaming, die Stars Group, mit Bekanntgabe der Quartalszahlen angekündigt.

Richard Flint spielte im vergangenen Jahr eine wichtige Rolle bei der 4,7 Milliarden US-Dollar schweren Übernahme von Sky Bet durch die Stars Group. Hierbei wechselte er vom Geschäftsführer zum Vorstandsvorsitzenden – seinem nunmehr letzten Posten im Unternehmen.

Flint meinte weiterhin, die Glücksspielbranche sollte in Betracht ziehen, ein nationales Netzwerk von Behandlungszentren zu finanzieren und zwar ohne, dass hierfür erst gesetzliche Steuern erlassen werden, wie es die Autoren eines Beitrages im British Medical Journal (BMJ) Anfang des Monats vorgeschlagen hatten.

Die Autoren des Beitrages im BMJ hatten kritisiert, dass in Großbritannien in Vergleich zu Neuseeland zu wenig für Präventionsmaßnahmen ausgegeben werde. In Neuseeland sei die Schadensminimierung gesetzlich vorgeschrieben und für eine Bevölkerung von 4,7 Millionen Einwohnern gäbe es jährlich ein Budget von rund 10 Millionen Euro.

 

In Großbritannien dagegen basiere die Finanzierung der Glücksspiel-Forschung und der Suchtprävention auf freiwilligen Beiträgen durch die Industrie und es stünden für rund 65 Millionen Einwohner gerade einmal etwa 9 Millionen Euro zur Verfügung.

Richard Flint führte aus, dass er selbst ein Suchtbehandlungszentrum besucht habe und dort die Verwüstung beobachten konnte, die die Glücksspielsucht anrichten könne. Er sehe die Eröffnung eines neuen Behandlungszentrums in Leeds, die für den Sommer geplant ist, als großen Schritt an, halte aber ein größeres Netzwerk von derartigen Einrichtungen für erforderlich.

 

Die für Leeds geplante Klinik soll eine Reihe von Behandlungen für problematisches Glücksspiel anbieten und wird durch die Wohltätigkeitsorganisation GambleAware finanziert werden. Damit sollen auch die Menschen in Nordengland, die unter Glücksspielsucht leiden, eine Anlaufstelle erhalten.

 

Kritik durch die Wohlfahrtsorganisation Charity Gambling With Lives

 

Die Wohlfahrtsorganisation Charity Gambling With Lives beschrieb die Äußerungen von Richard Flint als „beleidigend“. Die Gründer der Organisation sagten, er habe den Schaden, den die Glücksspielsucht im Leben der Menschen anrichten könne, unterschätzt.

 

Gegründet wurde die Charity Gambling With Lives von Charles und Liz Richie, nachdem ihr 24-jähriger Sohn Jack, der eine Spielsucht entwickelt hatte, im Jahr 2017 Selbstmord beging. Das Ehepaar bezeichnete die Glücksspielsucht seines Sohnes als vergleichbar mit einer Heroinabhängigkeit.

 

Herr und Frau Richie beklagten, dass die Aussagen Flints die Schäden, die die Glücksspielindustrie anrichte, bagatellisierten. Weiterhin führten sie aus, dass es Glücksspielunternehmen gäbe, die zwar Geld in die Behandlung der Glücksspielsucht stecken wollten, jedoch nicht bereit seien, Präventionsmaßnahmen zu finanzieren.

 

Mangelnder Spielerschutz bei Sky Bet

 

Tatsächlich war Sky Betting & Gaming bereits im vergangenen Jahr vorgeworfen worden, gefährdete Spieler nicht ausreichend zu schützen und hatte deswegen ein Bußgeld von einer Millionen Pfund Sterling zahlen müssen.

 

Sky Betting and Gaming Logo

Sky Betting and Gaming war 2018 wegen mangelndem Spielerschutz abgestraft worden. (Bild: Wikipedia)

 

Grund für die Sanktionen durch die Gambling Commission waren Versäumnisse beim Spielerschutz gewesen. So war es mehr als 700 Spielern, die sich selbst gesperrt hatten, weiterhin möglich gewesen, weiter bei Sky Bet an Glücksspielen teilzunehmen. Etwa 50.000 Spieler erhielten trotz Spielersperre weiterhin Glücksspielwerbung von Sky Bet.

 

Die Gambling Commission hatte damals allerdings auch berichtet, dass sich Sky Bet bei den Ermittlungen sehr kooperativ gezeigt habe und Richard Flint habe sich mit Bedauern zu den Vorfällen geäußert. Er habe versichert, derartige Vorfälle künftig durch die Aufstockung von Personal und mehr Ressourcen vermeiden zu wollen.