, December 11, 2018

Stephen van Rooyen, CEO von Sky in Großbritannien, kritisiert das Vorhaben der Remote Gambling Association (Link auf Englisch), keine Werbesports während Live-Übertragungen von Sport-Events schalten zu wollen.

 

In einem Kommentar für die englische Tageszeitung „The Times“ schrieb van Rooyen, dass der Plan vom eigentlichen Problem ablenke, der Werbung im Netz:

„Wenn es den RGA- und Glücksspielunternehmen ernst wäre, gefährdete Spieler zu schützen, sollten sie zunächst herausfinden, wo sie das meiste Geld ausgeben, wo das geringste Maß an Regulierung stattfindet und wo die meisten Beweise für einen schädlichen Einfluss auf Spieler vorliegen: in der Online-Welt.“

Van Rooyen begründet seine Auffassung mit den Zahlen eines neuen Reports des GambleAware-Komitees. Diese zeigten, dass Glücksspielunternehmen bereits jetzt nur noch 15 % ihres Werbeetats in TV-Werbung investierten.

 

Schon seit Monaten wird diskutiert

 

SKY

Sky-Sports ist der führende Sender für Sportübertragungen in Großbritannien. (Quelle: Wikipedia)

Die Diskussion über ein mögliches Verbot von Glücksspielwerbung während Live-Übertragungen ist in Großbritannien nicht ganz neu.

 

Erst im Oktober dieses Jahres hatten sich Vertreter der Church of England, der Konservativen und der Liberalen in einer Allianz gegen die Übertragung von Glücksspielwerbung während Live-Sportübertragungen ausgesprochen.

 

Statt der derzeitig kaum eingeschränkten Werberegelungen hatte die Interessengruppe ein „australisches Modell“ für Werberichtlinien vorgeschlagen. Dieses untersagt Online-Glücksspielanbietern nicht nur die Platzierung von Werbespots während Live-Sport-Events, sondern auch eine Stunde vor und nach dem Event sind Werbespots im australischen Fernsehen verboten.

 

Obwohl eine solch neue Regulierung noch nicht umgesetzt werden konnte, waren es nicht zuletzt Fernsehsender wie Sky-Sports, die sich in der jüngeren Vergangenheit freiwillig ihren gesellschaftlichen Pflichten stellten.

 

Sky reduziert freiwillig Glücksspielwerbung

 

Wie wir bereits im November berichteten, hat sich Sky-Sports freiwillig dazu bereiterklärt, die Zahl der Glücksspiel-Werbespots pro Werbepause deutlich zu reduzieren. So sollen anstatt bis zu vier Werbespots pro Pause nur noch ein Spot für Glücksspielprodukte ausgestrahlt werden.

 

Zudem hatte Sky angekündigt, die neue AdSmart Technologie einführen zu wollen. Sie ermöglicht es Problemspielern, Glücksspielwerbung auf über 140 Fernsehkanälen zu sperren.

 

Van Rooyens jetziger Vorstoß gegen die Protagonisten der Remote Gambling Association (RGA) erscheint daher auf den ersten Blick paradox. So kritisiert der Sky-CEO einerseits die RGA für den geplanten Rückzug, setzt sich aber selbst für eine Reduzierung von Werbespots für Glücksspielangebote ein.

Das ist die Remote Gambling Association (RGA)

Die RGA ist eine in London und Brüssel ansässige Handelsorganisation, die aus in Europa operierenden Glücksspielunternehmen zusammengesetzt ist. Die Organisation besteht aus einigen der größten Online-Glücksspielunternehmen der Welt und setzt sich für Regulierung und fairen Wettbewerb auf dem europäischen Markt ein.

 

Die Hauptziele der RGA bestehen laut eigenen Angaben in der Begünstigung von Online-Glücksspielbetreibern und ihrer Anliegen. Die RGA soll als gemeinsames Sprachrohr der Industrie dienen und ihre Interessen vor Regulatoren und Gesetzgebern vertreten.

 

Zu den bekanntesten Mitgliedern der Remote Gambling Association gehören unter anderem Paddy Power, Ladbrokes und Bet 365.

Für van Rooyen könnte es ein Tanz auf Messers Schneide sein. Zum einen sind die Glücksspielunternehmen wichtige Werbekunden, zum anderen erhöht sich der politische und gesellschaftliche Druck auf die Fernsehsender, die glücksspielbezogene Werbung zeigen.

 

Der Sky-CEO scheint deshalb einen Mittelweg finden zu wollen. Indem er in seinem Kommentar für eine stärkere Regulierung des Online-Werbemarktes plädiert, zeigt er einerseits, dass das Problem der unregulierten Werbung ein relevantes Thema für die britischen Fernsehanstalten darstellt.

 

Zum anderen könnte ein regulierter Online-Werbemarkt – den van Rooyen fordert – dazu führen, Internetseiten und Plattformen als Werbeträger für Online-Glücksspielbetreiber weniger interessant zu machen.

 

Resultat dessen könnte sein, dass die Online-Glücksspielunternehmen wieder mehr Geld in konventionelle Werbemaßnahmen wie TV-Spots investieren.

 

Das sagen die TV-Zuschauer

 

Kurz nachdem bekannt wurde, dass Mitglieder der RGA planen, ihre Werbung während Live-Sport-Events abzuschaffen, führte das Marktforschungsunternehmen Harris Interactive am 06. Dezember 2018 eine Blitzumfrage unter 963 Befragten durch.

 

Online-Gambling

Immer mehr Glücksspiel findet im Internet statt. Die Anbieter werben im Fernsehen dafür. (Quelle: flickr)

Sie sollte klären, wie die Öffentlichkeit die Nachricht vom selbstauferlegten Werbeverbot aufnahm, wie die Befragten zu möglichen weiteren Verboten von Werbeanzeigen stehen und welches Verhältnis sie zum Online-Glücksspiel haben.

 

Die Umfrage förderte Erstaunliches zutage. So hatte ein Drittel der Befragten bereits vom Glücksspielwerbeverbot gehört.

 

Bei den Umfrageteilnehmern, die keine Sportwetten betreiben, war die Unterstützung des Verbots mit 81 % überwältigend groß.

 

Von den Befragten, die selbst auf Sportereignisse wetten, lag die Befürwortung immerhin bei 66 %.

 

18 % der wettenden Umfrageteilnehmer gaben zudem an, dass das Verbot von Live-Wetten-Werbung während Sport-Events dazu führen würde, dass sie selbst nicht mehr wetten.

 

Diese Zahlen zeigen, wie groß der Einfluss der Glücksspiel-Werbung im Live-TV ist. Und sie könnten auch wieder die Interessengruppen auf den Plan rufen, die sich für ein völliges Verbot von Glücksspielwerbung im Fernsehen stark machen.

 

Similar Guides On This Topic