Dienstag, 28. Juni 2022

„Novomatic zahlt alle“: Sky Deutschland verfilmt Ibiza-Affäre

Film-Poster Ibiza-Affäre

Der Medienkonzern Sky Deutschland hat den auch als „Ibiza-Affäre“ geläufigen Polit-Skandal um den ehemaligen österreichischen FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verfilmt. Seit Donnerstag ist die vierteilige Serie auf Sky X und Sky Q verfügbar, berichtete die Süddeutsche Zeitung.

Alles begann im Jahre 2017 in einer Finca auf Ibiza, wo sich Strache gemeinsam mit seinem Parteigenossen Johann Gudenus in einer feuchtfröhlichen geselligen Runde mit einer vermeintlichen russischen Oligarchennichte befand.

Was Strache allerdings nicht wusste: Das Gespräch wurde von Privatdetektiv Julian H., der sich in der Runde als Journalist vorstellte, heimlich aufgenommen. Strache fantasierte von der Übernahme der Wiener Kronen Zeitung, die er habe so umgestalten wollen, dass die Berichterstattung über die Regierung Österreichs möglichst wohlwollend ausfallen sollte.

Es fiel auch der „Satz „Novomatic zahlt alle“, was ein fragwürdiges Licht auf mögliche Verbindungen zwischen der Glücksspiel-Branche und der Politik werfen sollte. Im Frühsommer 2019, kurz vor der Nationalratswahl in Österreich, wurde das Video veröffentlicht.

Nach der Veröffentlichung des Videos kam es zu einem politischen Erdbeben. Strache war gezwungen zurückzutreten und auch Bundeskanzler Sebastian Kurz verlor seinen Posten. Die türkis-blaue Koalition zerbrach und es wurden Ermittlungen zum Ibiza-Video aufgenommen.

In deren Fokus rückten auch die Casinos Austria AG und der Glücksspiel-Konzern Novomatic. Dem Unternehmen wurde vorgeworfen, sich mit Parteispenden Glücksspiel-Konzessionen erkaufen zu wollen.

Vom Videomitschnitt zum Polit-Thriller

Grundlage für die Serie bot die Recherche der Süddeutsche-Zeitung-Journalisten Frederik Obermaier und Bastian Obermayer, die ihre Ergebnisse in dem Buch „Die Ibiza-Affäre. Innenansichten eines Skandals“ veröffentlichten.

Gewürzt mit einer guten Prise Fiktion und gepaart mit Schmäh gegenüber der politischen Kaste erstellten Stefan Holtz und Florian Iwersen gemeinsam mit Regisseur Christopher Schier das Drehbuch.

Herauskam ein temporeicher Thriller, der reale und fiktionale Handlungsstränge verknüpft. Wie Der Standard schreibt, sei es Schier gut gelungen, „das üble Spiel um Macht und Unterordnung, das Gieren nach Geld und Einfluss“ herauszuarbeiten.

Flankiert wird die Serie durch Erklärvideos. So werden beispielsweise Kasperlepuppen und Cartoons eingesetzt, um illegale Parteispenden oder sonstige politische Missstände aufzuzeigen.

Die Hauptrolle des Privatdetektivs Julian H. wird von Nicholas Ofczarek gespielt, der auch die Rolle des Erzählers übernimmt. In die Rolle des FPÖ-Chefs Strache ist Andreas Lust geschlüpft und Straches Freund Gudenus wird von Julian Looman gespielt.

In einem Interview mit Der Standard sagte Lust, dass er durch die Verfilmung neue Erkenntnisse zu den Geschehnissen habe gewinnen können. Es sei ein wichtiger Teil beleuchtet worden, nämlich der Beginn dieser Entwicklung:

Es ist so etwas wie eine Taschenlampe, die in diesen politischen Keller reinleuchtet in der Hoffnung, dass irgendwann der Schalter gefunden und das Licht komplett aufgedreht wird. Ibiza ist der Beginn dessen, dass diese Politikerkaste schließlich und endlich komplett zerbröselt. Es wird nichts mehr so einfach geglaubt.

Es sei noch nie so sichtbar gewesen, dass Politiker lügen, so Lust. Derzeit werde bereits an einer zweiten Staffel gearbeitet, erzählte der Schauspieler. Da würden „die Nasen schrumpfen und die Ohren wachsen“. Mehr wolle Lust vorerst nicht verraten.