, 22.08.2020

In Spanien hat in dieser Woche die Werbeanzeige der katalanischen Lotterie „La Grossa de Cap d’Any für Negativschlagzeilen gesorgt. Die Anzeige spielte auf den sozialen Aufstieg durch einen Lottogewinn an und zog damit die Kritik zahlreicher Medien und Politiker nach sich.

 

Am 27. Juli startete die katalanische Lotterie ihre neue Marketingkampagne unter dem Motto:

Du machst dir Sorgen über das Social Distancing? Dann versuch es mit dem sozialen Aufstieg.

Kritikern zufolge nutzte die Lotterie damit Corona-Schlüsselwort aus, um zugleich auf soziale Missstände aufmerksam zu machen und das Lottospielen als Lösung zu bieten. Auf scharfe Kritik in den sozialen Medien hin, hat die staatliche, katalanische Lotterie ihre Werbeanzeige nun zurückgezogen.

 

Die Politikerin Jéssica Albiach der katalanischen Linkspartei Catalunya-En Comú Podem hatte auf Twitter erklärt, die Kampagne sei absurd, sollte sie tatsächlich erst gemeint sein. Habe sie witzig wirken sollen, sei das nicht gelungen.

 

Alícia Romero (PSC-Units) forderte ebenfalls den sofortigen Stopp der Marketing-Kampagne. Statt sich für Innovationen, Unternehmertum, stete Anstrengungen und Bildung als Katalysator für den sozialen Aufstieg auszusprechen, äußere die Regionalregierung „Frivolitäten“.

 

Falsche Botschaft zur falschen Zeit

 

Nicht nur der Inhalt der Kampagne gab den Politikern Anlass zur Kritik. Auch der Zeitpunkt sei denkbar ungünstig. Natàlia Sànchez (CUP) schloss sich weiteren Kritikern mit der Forderung, die Anzeige sofort zurückzuziehen an. Die Botschaft sei eine „Beleidigung“. In Katalonien gebe es derzeit 11.000 Obdachlose. Außerdem sei jeder Fünfte katalanische Bürger von Armut und sozialem Ausschluss bedroht.

Die spanische Wirtschaft leidet stark unter den Folgen der Corona-Pandemie. Auch das wirtschaftlich starke Katalonien hat massive Wirtschaftseinbrüche zu verzeichnen. So sei sie nach Berichten der spanischen Tageszeitung La Vanguardia im zweiten Quartal dieses Jahres um mehr als 15 Prozent eingebrochen. Die derzeitige Krise übertreffe bereits jetzt die Finanzkrise aus dem Jahr 2008. Am stärksten seien die Baubranche, die Industrie und der Dienstleistungssektor betroffen.

Derzeit sei laut Noemí de la Calle (Ciudadanos) jedenfalls nicht der richtige Moment, um „Werbung für Hütchenspieler“ zu machen.

 

Die Tageszeitung „Diari de Girona“ dagegen lobt die Kampagne. Sie sei ein „Wunderkind der Ehrlichkeit“. Wer es in Katalonien zu etwas bringen wolle, der habe schließlich nur zwei Optionen: sich der Politik zu widmen oder Lotto zu spielen. Da die erste Option bereits besetzt sei, bleibe nur noch die Lotterie. Schließlich hänge der soziale Status in Katalonien ausschließlich vom Geld ab.

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