, 19.09.2020

In Spanien wächst derzeit die Kritik am staatlichen Glücksspiel. Der private Glücksspielsektor wirft der Regierung vor, das staatliche Glücksspiel von den künftigen Werbebeschränkungen auszuklammern. Zugleich wird die Frage lauter, ob es sich bei den staatlichen Anbietern tatsächlich um „gemeinnützige“ Gesellschaften handele.

 

Keine Werbebeschränkungen für staatliche Glücksspielanbieter

 

Das bevorstehende Gesetz zur Beschränkung der Werbung für das Online-Glücksspiel soll in Spanien für den privaten Glücksspiel-Sektor gelten. Das staatliche Glücksspiel sei davon voraussichtlich nicht betroffen.

Online-Glücksspiele dürfen in Spanien von lizenzierten Glücksspiel-Unternehmen angeboten werden. Sie werden von der Glücksspielbehörde Dirección General de Ordenación del Juego (DGOJ) reguliert. Das landbasierte private Glücksspiel dagegen unterliegt der Gesetzgebung der einzelnen autonomen Gemeinschaften. Lotterien dürfen ausschließlich von der öffentlichen Lotteriegesellschaft SELAE sowie der gemeinnützigen Blindenorganisation ONCE angeboten werden.

In der vergangenen Woche warnte der private Glücksspielverband zusammen mit einigen Anbietern davor, dass die geplanten Werbebeschränkungen zu einer Zunahme des illegalen Glücksspiels führen könne. Bedenklich sei jedoch auch, dass das öffentliche Glücksspiel nicht den gleichen Regularien unterliege wie das private.

 

So habe der private Glücksspielsektor sich bereits 2012 auf einen Verhaltenskodex hinsichtlich der Marketing-Kommunikation geeinigt. Lediglich die staatlichen Anbieter ONCE und SELAE hätten diesen nicht unterzeichnet.

 

Monopolstellung als Ziel der Regierung?

 

Kritiker werfen der Regierung zudem vor, mit den Gesetzesänderung eine Monopolisierung des Glücksspiels zu beabsichtigen. So schreibt ein Leser des Branchen-Portals InfoPlay:

Mit absolut prohibitiven Mitteln versucht man, den freien Wettbewerb zwischen öffentlichen und privaten Unternehmen zu verzerren, die im selben Sektor – dem Glücksspiel – aktiv sind. Was der Staat beabsichtigt – und die Zahlen beweisen dies, ist eine Monopolisierung des Glücksspielsektors und eine Ausrottung jeglicher Wettbewerbsfähigkeit des privaten Sektors.

Fraglich sei nach Ansicht der privaten Branche zudem, ob es sich bei den staatlichen Anbietern tatsächlich um „gemeinnützige“ Gesellschaften handele. So machte ein Interview Schlagzeilen, in dem der Leiter einer Verkaufsstelle der SELAE sich beklagte, man dürfe „die goldene Eier legende Henne nicht so sehr ausquetschen“, wie es SELAE mit ihren Verkaufsstellen tue.

 

Dank der Verkäufer sei SELAE eines der lukrativsten Unternehmen der Regierung. Er selbst dagegen wünsche sich derzeit nur, bis zum Ende des Monats zu kommen und seine Hypothek bezahlen zu können.

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