, 26.04.2021

Nach 70 Jahren wird die Spielbank Sylt am Ende dieses Jahres ihren Betrieb einstellen. Dies habe Bürgermeister Nikolas Häckel vergangene Woche in der Gemeindevertretung mitgeteilt, berichtete die Zeit.

 

Nach Angaben des Bürgermeisters habe ihn das Management der Spielbank selbst erst am Donnerstag über das bevorstehende Aus informiert. Häckel sei selbst überrascht über diese Entscheidung, denn zu Jahresbeginn sei von einer Schließung noch nicht die Rede gewesen.

 

Mittlerweise habe sich nach Angaben des Nachrichtenportals SHZ Guido Schlütz, der Geschäftsführer der Spielbank, selbst gemeldet. In einer Pressemitteilung von Freitagmorgen heißt es:

Lange hatte man um eine Lösung gerungen, doch nun ist es entschieden: Die Spielbank SH GmbH mit ihren fünf Häusern in Flensburg, Kiel, Lübeck, Schenefeld und Westerland zieht sich aus dem Spielbetrieb auf der Insel Sylt zum Ende des Jahres 2021 zurück.

Die anderen vier Häuser der Spielbank SH GmbH seien aber nicht von einer Schließung bedroht.

 

Das Monte Carlo des Nordens: Das Ende einer Ära

Am 6. Juni 1949 öffnete die Westerländer Spielbank zum ersten Mal ihre Pforten. Dies war ein großes gesellschaftliches Ereignis und es wurden Vergleiche zu Monte Carlo gezogen. Seine glanzvollen Zeiten erlebte die Spielstätte in den 60er und 70er Jahren.

 

Damals gab es noch den Casino-Express, der die Gäste von Flensburg nach Westerland brachte. Den Einheimischen war das Betreten der Spielstätte verboten. Diese Restriktion wurde erst 1977 aufgehoben.

Das Casino Sylt hatte zu Beginn fünf Roulette-Tische und einen Baccarat-Tisch. In den 80er Jahren wurde die Spielbank verkleinert. Heute beherbergen die Räumlichkeiten zwei Roulette-, einen Blackjack- und zwei Pokertische sowie 42 Spielautomaten.

Ende der 80er Jahre wurde das Casino in „Spielbank Sylt“ umbenannt. Seit September 1997 gehört es zur Spielbank SH GmbH und heißt seitdem Casino Westerland. Seit seiner Eröffnung empfing die Spielbank fast drei Millionen Gäste.

 

Aufwand und Kosten zu hoch für neuen Standort

Der Grund für das Aus sei, dass der Mietvertrag für die Räumlichkeiten im Sylter Rathaus am Jahresende auslaufen werde. Ein adäquater Ersatzstandort sei auf der Insel nicht gefunden worden. Dies sei gar nicht so einfach, erklärte Schlütz:

Damit ein Standort für eine Spielbank überhaupt in Frage kommen kann, müssen sowohl der Standort als solcher mit seiner Umgebung als auch die speziellen Räumlichkeiten eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllen und hergerichtet werden. Daneben müssen entsprechende Genehmigungen durch die Spielbankenaufsicht nach einer europaweiten Ausschreibung vorliegen.

Um einen neuen Standort in Betrieb nehmen zu können, seien lange Vorlaufzeiten notwendig. Auch die Kosten seien sehr hoch. Diese Investitionen müssten sich aber auch rentieren, so Schlütz.

 

Das Casino im Sylter Rathaus war bereits seit mehreren Jahren umstritten. Einige Kommunalpolitiker hätten Platz für die Zentralisierung der Verwaltung schaffen wollen. Möglicherweise bahnte sich das Ende der Spielbank bereits im Jahre 2018 an, als der Vertrag nur bis Ende 2021 befristet wurde.

 

Auch sei die Spielbank in den Architektenentwürfen für den Umbau des Rathauses nicht einbezogen worden. Somit sei bereits damals der Verbleib der Spielbank unsicher gewesen. Doch nun geht eine Ära endgültig ihrem Ende entgegen.

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