, 17.02.2019

Die gemeinnützige Organisation ESSA Sports Betting Integrity veröffentlichte in dieser Woche ihren jährlichen Integritätsbericht 2018. Dort zeichnete sich ein deutliches Bild ab, in welchen Sportarten Wettbetrug und Spielmanipulation am häufigsten vorkamen und in welchen Ländern die meisten Fälle gemeldet wurden.

 

Tennis und Fußball am häufigsten betroffen

Spielmanipulation und Wettbetrug sind weltweit zu einem großen Problem geworden und in jedem Jahr kommen neue schockierende Fälle an die Öffentlichkeit. Für den Sport ist jeder Wettskandal ein Schandfleck auf der längst beschmutzten Weste und sowohl die aufrichtigen Spieler als auch die begeisterten Zuschauer fühlen sich zurecht betrogen.

 

Wie die international agierende Aufsichtsorganisation ESSA (European Sports Security Association) in ihrem aktuellen Jahresbericht darlegte, kam es auch im Jahr 2018 zu einer großen Anzahl gemeldeter Manipulationsfälle.

 

An der Zahl wurden im gesamten Jahr 267 Fälle gemeldet, was lediglich ein Fall mehr ist als im Jahr 2017. Interessanterweise jedoch waren im letzten Jahr besonders zwei Sportarten betroffen: Tennis und Fußball.

 

Allein im Tennis kam es zu 178 gemeldeten Vorfällen. Das entspricht knapp zwei Dritteln aller Fälle und ist um einiges mehr als noch im Jahr 2017. Der Fußball folgt dem Tennis mit einem recht großen Abstand, denn dort wurden nur 52 Fälle gemeldet.

 

Beide Sportarten zusammen deckten damit 86 % aller Vorfälle ab, eine Steigerung um 7 % im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig fiel der prozentuale Anteil aller anderen Sportarten auf kombinierte 14 %. Zu den anderen Sportarten zählen unter anderem Basketball, Volleyball, Ice Hockey, Tischtennis, Badminton, Handball und Boxen.

Wie erfährt die ESSA von manipulierten Spielen?

Die ESSA formuliert einen strengen Verhaltenskodex, welchem alle Organisationsmitglieder folgen müssen. Zu den Mitgliedern gehören die großen Wettanbieter selbst, denn wer das Siegel der ESSA trägt, gilt als seriös und genießt das Vertrauen seiner Kunden. Berühmte ESSA Mitglieder sind beispielsweise bet365, Betfred, skybet, bwin, bet-at-home, Paddy Power Betfair, Ladbrokes Coral und William Hill.

 

Die Mitglieder verpflichten sich, einem Internal Control System (ICS) zu folgen. Hierbei geht es um die Überwachung, welche Wetteilnehmer auf welche Matches Wetten platzieren. Alle Transaktionsbelege müssen dafür gespeichert werden und anschließend ein detailliertes Prüfprotokoll geschrieben werden.

 

Kommt es dann zu Auffälligkeiten, müssen die Mitglieder das Frühwarnsystem (Early Warning System, EWS) aktivieren. Verdächtige Transaktionen müssen der ESSA gemeldet werden, damit diese eine weitere Prüfung und nötige Schritte einleiten kann.

Große geographische Unterschiede

Mehr als die Hälfte (55 %) aller Meldungen betrafen im Jahr 2018 europäische Länder. Auch in den Vorjahren war Europa Spitzenreiter, was Manipulationen anbelangt. Im Jahr 2017 waren es mit 144 Fällen lediglich vier Fälle bzw. 1 % weniger als 2018.

 

Innerhalb Europas fiel insbesondere Italien im Tennis auf, wo ganze 17 Fälle gemeldet wurden, während sich die anderen in eher kleinerer Anzahl auf zwanzig andere Länder verteilten. Deutschland war im Tennis mit vier Meldungen dabei.

 

Im Fußball hingegen kam es in Spanien zu den meisten Fällen, wobei der Abstand mit insgesamt nur sieben Manipulationen zu den anderen betroffenen Ländern eher gering blieb. Deutschland war in dieser Liste nicht repräsentiert.

 

Spielmanipulation Diagramm

Manipulation im Sport 2018 nach Kontinenten (Bild: CasinoOnline)

 

Den zweiten Platz belegt der asiatische Raum, wozu Russland bei der ESSA nicht gezählt wird (Russland wird im Bericht zu den europäischen Ländern gezählt.) In Asien gab es insgesamt 48 Meldungen, damit zwei weniger als im Vorjahr.

 

Spitzenreiter im Bereich Wettmanipulation ist in der Asien-Tabelle die Türkei, wo es zehn gemeldete Fälle gab, wiederum im Tennis. Im asiatischen Fußball kam es hingegen nur zu neun Meldungen, verteilt auf Indonesien (3), Indien (1), Türkei (2) und Usbekistan (3).

 

Afrika und Südamerika repräsentierten hingegen nur knapp 9,7 bzw. 8,6 % aller Fälle. Am besten schnitt mit großem Abstand Nordamerika ab, wo es nur zu 15 Meldungen kam. Davon stammten jeweils drei aus den USA, Kanada und der Dominikanischen Republik, fünf aus Mexiko und einer aus Panama.

 

Sorge in den USA

Gerade die USA hatte sich so lange gegen die Legalisierung von Sportwetten gesträubt, da man die Integrität des Sportes in Gefahr wähnte. Rein rechtlich gesehen war 2018 nun das erste volle Jahr, in dem der Markt eröffnet war, wobei es enorme regionale Unterschiede gab und noch immer gibt.

 

USA Gesetz

USA öffnet sich dem Sportwettenmarkt (Bild: Pixabay)

Aufgrund der großen Sorge der Vereinigten Staaten bemühte sich die ESSA; direkt von Beginn an um eine enge Zusammenarbeit. Dafür wurde in den USA die Sports Wagering Integrity Monitoring Association (SWIMA) [Seite auf Englisch] gegründet, welche das amerikanische Äquivalent der ESSA darstellen soll.

 

New Jersey machte es im Zuge der Legalisierung von Sportwetten sogar zur Pflicht, dass die lizenzierten Anbieter einer Integritäts-Aufsichtsplattform beitreten. Ähnliches geschieht gerade auch in den Niederlanden, wo man um die Liberalisierung des Glücksspielmarktes diskutiert. Die ESSA wird von den Regierungen jeweils wegen ihres guten Rufes sogar explizit genannt.

 

Die USA scheint folglich auf einem guten Wege, Wettmanipulation möglichst im Keim zu ersticken, um nicht dem europäischen Beispiel zu folgen. In Anbetracht der aktuellen Zahlen gibt es demnach auch derzeit keinen Anlass, ein baldiges Manipulationsproblem zu fürchten.

 

Auch eSports betroffen

Was im diesjährigen ESSA Jahresbericht ebenfalls auffiel, war die Kategorie der eSports. Insgesamt sieben Fälle gab es im Jahr 2018, wobei diese aufgrund der digitalen Internationalität keinen Ländern oder Kontinenten zugeordnet werden konnten.

 

In der Welt des eSports wird Spielmanipulation weltweit gesehen zu einem immer wichtigeren Thema, denn der Sport wächst rasant an und viele Behörden und Regierungen kommen mit einer Regulierung und Überprüfung kaum hinterher, zumal eSports noch immer nicht überall als Sport anerkannt wird.

 

Die ESSA jedoch hat das Problem längst erkannt und möchte sich in Zukunft auch in diese Richtung spezialisieren und effiziente Gegenmaßnahmen entwickeln. Die ESSA plant daher signifikante Veränderungen, um weitere potentielle Gefahren für die Integrität der Sportwelt möglichst früh zu verhindern.