Dienstag, 18. Januar 2022

Simples Videospiel zeigt Studenten, wie schnell Spielsucht entstehen kann

Hände auf Joystick von Spielkonsole

Die kanadische Wohltätigkeitsorganisation Responsible Gambling Council hat am Dienstag am Centennial College in Scarborough, Toronto, ein Experiment durchgeführt, welches die Studierenden auf die Gefahren des Glücksspiels aufmerksam machen sollte.

Während die Teilnehmer ein einfaches Videospiel spielten, wurden über Sensoren in den genutzten Joysticks die durch das Spiel ausgelösten Emotionen gemessen. Die Studierenden sollten auf diese Weise lernen, ihre Gefühle und Sensationen zu verstehen und zu kategorisieren.

Starke emotionale Reaktionen beim Spielen

Das für das Experiment kreierte Spiel ist einerseits simpel, erfordert andererseits jedoch die volle Konzentration der Spieler. Es handelt sich um eine Art Reaktionsspiel, in welchem die Teilnehmer auf bestimmte Muster auf einem LED Bildschirm per Knopfdruck reagieren müssen.

Die Joysticks messen währenddessen Temperatur und Feuchtigkeit der Hände, wodurch Rückschlüsse auf den empfundenen Stress beim Spielen geschlossen werden können.

Die Natur des Spiels soll dabei vor allem Emotionen wie Aufregung und Nervenkitzel, aber auch Frustration und Enttäuschung generieren. Laut dem Responsible Gambling Council [Seite auf Englisch] seien dies auch typische Gefühle während des Glücksspiels, weshalb man einen idealen Vergleich ziehen könne.

Forscher versuchen seit Jahrzehnten, die genauen Gehirnreaktionen während des Glücksspiels zu entschlüsseln. Derzeit herrscht allgemeiner Konsens darüber, dass beim Spielen von Glücksspielen Glückshormone (die Botenstoffe Serotonin und Dopamin) im Gehirn ausgeschüttet werden.

Die Teilnehmer erhielten dann eine Prozentzahl, die verdeutlichen sollte, wie stark ihr jeweiliger emotionaler Stress während des Spiels angestiegen war. Wie ein Bericht von CTVNews Canada erläutert, sei der emotionale Stress einiger Teilnehmer um mehr als 600 % angestiegen.

Junge Menschen besonders risikofreudig

Die Studierenden sollten sich nach dem Spiel genau auf die von ihnen erlebten Emotionen konzentrieren. Ihnen sei dann vermittelt worden, dass sehr ähnliche Gefühle während der Teilnahme an typischen Glücksspielen auftreten könnten.

Zwischen Aufregung und Frustration sollten die Teilnehmer darauf sensibilisiert werden, den Drang des Weiterspielens nach einem positiven oder negativen Glücksspielerlebnis zu erkennen.

Ein Teilnehmer schilderte seine Erfahrung wie folgt:

Während ich gespielt habe, fühlte ich mich gut. Aber dann habe ich verstanden, dass man sich in der Regel genauso fühlt, wenn man Glücksspiele spielt und dadurch oft zu viel Geld ausgibt, wodurch Probleme entstehen können.

Insgesamt scheinen die Lehren aus dem Experiment die Teilnehmer beeindruckt zu haben. Ein Student erklärte, dem Glücksspiel gänzlich fernbleiben zu wollen.

Eine andere Studentin hingegen berichtete, dass das Spiel ihr geholfen habe, gefühlsbedingte Impulsive Handlungen besser zu verstehen.