, 01.11.2019

Anlässlich des spanischen „Nationalen Tages ohne Glücksspiel“ (Día Nacional Sin Juegos de Azar) hat der Stadtrat von Palma de Mallorca ihren aktuellen Aktionsplan zur Suchtbekämpfung (Plan Municipal de Adicciones, PMA) vorgestellt, in welchem in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf Spielsucht gelegt werden soll.

 

Anzahl der Problemspieler hat sich vervielfacht

Ganz Spanien engagiert sich derzeit im Rahmen regionaler und überregionaler Projekte im Bereich der Spielsuchtbekämpfung. Das Problem des krankhaften Spielens ist dabei längst nicht auf das spanische Festland begrenzt, sondern betrifft heute mehr als je zuvor auch die zum Land gehörigen Inseln.

 

Erst Mitte dieser Wochen veröffentlichten verschiedene Lokalzeitungen der Balearischen Inseln die aktuellsten Statistiken der Generaldirektion für Volksgesundheit über dort ansässige Spielsüchtige und Problemspieler.

 

Beratung eine Frau ein Mann

Deutlich mehr Einwohner der Balearen suchen Hilfe wegen Spielsucht (Bild: Publicdomainpictures.net)

Demnach hätten im Jahr 2018 insgesamt 281 Personen die verschiedenen Suchthilfeorganisationen der Balearen aufgesucht. Im Vorjahr seien dies lediglich 126 Personen gewesen.

 

Die Zahl jener Personen, die eine Therapie in Anspruch genommen hätten, habe sich ebenfalls mehr als verdoppelt. Während im Jahr 2017 nur 70 Personen aktiv behandelt worden seien, habe die Zahl im Jahr 2018 bei 148 Personen gelegen.

 

Der Anteil der Männer sei dabei auch 2018 deutlich höher gewesen als der der Frauen (228 Männer vs. 53 Frauen in der Beratung; 119 Männer vs. 29 Frauen in der Therapie).

 

Während für das Jahr 2019 noch keine Zahlen vorlägen, sei es wahrscheinlich, dass es insgesamt einen erneuten Anstieg geben werde. Ebenfalls müsse davon ausgegangen werden, dass die Zahlen der nicht-behandelten Spielsüchtigen entsprechend stark gestiegen sein könnten.

 

Aus diesem Grund arbeite jetzt die Stadtverwaltung von Palma, der Hauptstadt von Mallorca und der Balearen als Inselgruppe, an einem aktualisierten Aktionsplan, um gegen das Problem der Spielsucht vorzugehen.

Das Thema Spielsucht erfährt in ganz Spanien in dieser Woche besondere Aufmerksamkeit. Am Dienstag, den 29. Oktober, fand zum zwölften Mal der „Nationale Tag ohne Glücksspiel“ (Día Nacional sin Juegos de Azar) statt, der ursprünglich von Andalusiens Vereinigung ehemaliger Glücksspieler (Federación Andaluza de Jugadores de Azar en Rehabilitacion, FAJER) eingeführt wurde. Heute nutzen zahlreiche Städte und Gemeinden den Tag, um auf Spielsucht sowie Präventions- und Behandlungsansätze aufmerksam zu machen.

Aufklärung für Schüler und Studenten

Laut Berichten der Zeitungen La Vanguardia und Diario de Mallorca plane der Stadtrat von Palma in Zusammenarbeit mit der Generaldirektion für Volksgesundheit, insbesondere an Schulen und in anderen Bildungseinrichtungen seine Präventionsarbeit auszubauen.

 

Zunächst einmal sollen die entsprechenden Institutionen besseren Zugang zu finanziellen und materiellen Ressourcen erhalten.

 

Darüber hinaus soll es an allen Grund- und weiterführenden Schulen bestimmte Lehreinheiten geben, in denen Schüler den „korrekten Umgang mit digitalen Technologien“ erlernen sollen.

 

Schüler sollen dabei über verschiedene Risiken der digitalen Welt aufgeklärt werden, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Online Glücksspiele und andere Spiele, bei denen Transaktionen von Echtgeld durchgeführt werden können, gelegt werden soll.

 

Zum neuen Aktionsplan äußerte sich der Stadtrat von Palma wie folgt:

Unser Ziel ist, dass der Aktionsplan zu einem Instrument für weitere Planung, Ordnung und Koordinierung wird, welches sämtliche lokalen Programme und Projekte zum Thema Sucht zusammenfasst und dabei zu einem Dokument wird, welches die Arbeit des Stadtrates in dieser Materie widerspiegelt, um die Gesundheit zu fördern und Süchten vorzubeugen.

Für junge Erwachsene, insbesondere Studierende der Universitat de les Illes Balears (UIB), hingegen soll die Arbeit des spanischen Roten Kreuzes ausgeweitet werden.

 

Dieses hatte 2015 ein Projekt ins Leben gerufen, welches bisher der Aufklärung über Alkohol- und Drogenabhängigkeit diente, künftig aber auch Spielsucht und andere substanzunabhängige Süchte ansprechen soll.

 

Auch Menorca engagiert sich

Im September dieses Jahres hat Mallorcas kleinere Nachbarinsel Menorca ihrerseits eine neue Aktion zum Thema Spielsucht gestartet. Dabei lud der Stadtrat zu einer Diskussionsrunde unter dem Titel „Das Spiel – ein Problem für die Volksgesundheit?“ (El juego, ¿un problema de salud pública?) ein.

 

Zu den Teilnehmern zählten Glücksspielexperten, Vertreter verschiedener Verwaltungsorgane und Medieninstitute sowie Mitglieder von Vereinigungen ehemaliger Glücksspieler und deren Familien.

 

Während des Treffens sollten das Glücksspiel und die damit zusammenhängenden Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und erörtert werden.

 

Auf diese Weise konnte ein möglich realistischer Überblick über die Situation gewonnen werden, um im Folgenden bessere und gezieltere Aktionspläne starten zu können.