, 04.04.2019

Spielschulden in Höhe von 100.000 Euro sollen einen 40-jährigen Belgier dazu getrieben haben, sich als Drogenkoch in der nordrhein-westfälischen Provinz zu betätigen. Nun verurteilte das Landgericht in Kleve ihn und fünf weitere Angeklagte zu hohen Haftstrafen.

 

Drogengrundstoff im Millionenwert

 

Die große Strafkammer des Landgerichts Kleve sah es als erwiesen an, dass ein spielsüchtiger Mann und seine Komplizen von Januar bis April 2018 auf einem abgelegenen Hof im nordrhein-westfälischen Wachtendonk über 600 Liter Amphetamin-Öl produziert hatten.

 

Line Speed Kokain

Die Angeklagten hatten den Grundstoff der Droge Speed produziert (Quelle:flickr.com/Marco Verch, licensed under CC BY 2.0)

 

Diese Menge der Substanz reiche zur Herstellung von Speed mit einem Straßenwert im hohen zweistelligen Millionenbereich, hatten Experten erklärt.

 

In der Summe 33 Jahre Haft

 

Nun sind die Urteile gegen die 54-jährige Inhaberin des Hofs und ihre zwei Söhne (27, 31), sowie einen 41-jährigen LKW-Fahrer aus Polen, einen Hofhelfer (21) und den spielsüchtigen Initiator der Drogenküche ergangen:

 

Der angeklagte Belgier und der ältere Sohn der Hofbesitzerin müssen wegen bandenmäßigem Handeltreibens mit Betäubungsmitteln für zehn bzw. sechseinhalb Jahre ins Gefängnis. Die übrigen Angeklagten wurden wegen Beihilfe zu Freiheitsstrafen zwischen dreieinhalb und viereinhalb Jahren verurteilt.

 

Aus der Spielbank in die Drogenküche

 

Zuvor hatte das Gericht geprüft, ob der Belgier zum Tatzeitpunkt aufgrund seiner Spielsucht vermindert schuldfähig gewesen sei.

 

Ein Gutachten hatte ergeben, dass zwar eine pathologische Spielsucht vorliege, diese aber keinen maßgeblichen Einfluss auf die Steuerungsfähigkeit des Mannes gehabt habe.

Nach § 20 und § 21 StGB führt Spielsucht nur dann zu verminderter Schuldfähigkeit oder kompletter Schuldunfähigkeit, wenn eine krankhafte seelische Störung oder tiefgreifende Bewusstseinsstörung vorliegt.

 

Hierfür muss ein Täter nicht oder nur sehr schlecht in der Lage sein, das Unrecht seiner Taten einzusehen.

Der Belgier mit Wohnsitz in den Niederlanden hatte angegeben, bereits seit seinem 18. Lebensjahr dem Glücksspiel, insbesondere dem Roulette, verfallen zu sein. Trotz mehrfacher Versuche habe er den Weg aus der Sucht nie finden können.

 

Nachdem die Verluste sich angehäuft und er weder von seinem Umfeld noch Banken mehr Geld habe bekommen können, habe er sich zur weiteren Finanzierung seiner Spielsucht hohe Beträge von „den falschen Leuten“ geliehen.

 

Als er die ausstehenden 100.000 Euro dann nicht habe zurückzahlen können, sei er unter Androhung von Gewalt gezwungen worden, die Drogenproduktion aufzunehmen. Zur Identität der vermeintlichen Hintermänner schwieg der Mann vor Gericht.

 

Irgendwo im Nirgendwo

 

Wachtendonk Deutschlandkarte

Wachtendonk nahe der niederländischen Grenze (Quelle:Google Maps)

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der Belgier Ende 2017 im nordrhein-westfälischen Grenzgebiet zu den Niederlanden nach einem geeigneten Ort für die Drogenproduktion umgesehen habe und in der Gemeinde Wachtendonk im Kreis Kleve fündig geworden sei.

 

Auf dem Hof der 54-Jährigen habe er dann eine Halle angemietet und begonnen, eine Drogenküche einzurichten.

 

Nach nur kurzer Zeit sei einer der Söhne der Hofbesitzerin auf das Treiben des neuen Mieters aufmerksam geworden.

 

Der 31-Jährige habe sich daraufhin nach kurzer Bedenkzeit entschieden, mit in die Drogenproduktion einzusteigen.

 

Störsender und Sondermüllbehälter

 

Es entstand eine hochprofessionalisierte Drogenküche mit acht Kochstellen, Containern für Chemieabfällen, Störsendern und Alarmsystem, die durchaus Ähnlichkeit mit dem Labor der Breaking Bad Köche der US-Serie gehabt haben könnte.

 

Ab Januar 2018 habe dann der 31-Jährige nach einer „Einarbeitungsphase“ den Großteil der Drogenproduktion, deren Prozedere im Urteil als „relativ kompliziert“ beschrieben wurde, übernommen.

 

Schließlich seien auch sein jüngerer Bruder sowie der Hofgehilfe miteingestiegen, auch die Mutter habe Kenntnis von den Vorgängen gehabt, so das Gericht. Der polnische LKW-Fahrer habe Transportaufgaben übernommen.

 

Aus nach nur vier Monaten

 

Derweil sei der angeklagte Belgier vor allem für Logistik und Organisation zuständig gewesen. Vor Gericht hatte der angeklagte Sohn der Hofbesitzerin angegeben, bereits im Vorfeld vor seinem „Geschäftspartner“ gewarnt worden zu sein:

 

Er solle aufpassen, dass „das ganze Ding nicht zufällig in die Luft fliege, wenn der Holländer keine Verwendung mehr für ihn habe“, sei ihm von einem Bekannten angetragen worden.

 

Tatsächlich war es dann auch eine im April 2018 von dem Belgier unabsichtlich herbeigeführte Explosion, die die Fahnder auf den Hof aufmerksam werden ließ. Mit der darauffolgenden Razzia endete das Spin-off von Breaking Bad am Niederrhein.