, 01.03.2020

Angeblich aus Sorge, in einem anderen Gefängnis auf koscher zubereitetes Essen verzichten zu müssen, hat der inhaftierte Hochstapler Freddy David (51) in dieser Woche sein Erscheinen vor dem Southwark Crown Court in London verweigert. Der spielsüchtige Mann hatte die jüdische Gemeinschaft in der englischen Hauptstadt mit einem Pyramidensystem um umgerechnet rund 18 Mio. Euro betrogen.

 

15 Mio. GBP in 12 Jahren verspielt

 

An einem einzigen Tag soll Freddy David online 240.000 GBP verzockt haben. Insgesamt hätten sich die Verluste des 51-Jährigen durch das Online-Glücksspiel zwischen 2005 und 2017 auf 15,6 Mio. GBP summiert.

 

Das Geld zur Finanzierung der Spielsucht, so stellte der Southwark Crown Court im Sommer 2018 fest, hatte der Vermögensberater größtenteils über ein Pyramidensystem in der jüdischen Community von London generiert.

Der Nordlondoner Stadtteil Stamford Hill beherbergt die größte ultra-orthodoxe jüdische Gemeinschaft Europas. Hier leben schätzungsweise 30.000 streng gläubige chassidische Juden.

Als Geschäftsführer eines Finanzdienstleisters hatte sich David einen guten Ruf bei gut betuchten Klienten erarbeitet. Nebenbei jedoch habe er begonnen, sie in nicht-existente Finanzprodukte mit hohem Renditeversprechen investieren zu lassen. Binnen zehn Jahren habe er so 55 Opfer um über 15 Mio. GBP gebracht.

 

Im Jahr 2017 flog die Betrugsmasche auf. Allein in den wenigen Tagen vor seiner Verhaftung, an denen er aufgrund der Ermittlungen überwacht worden sei, habe David 36.000 GBP verspielt.

 

Verlegung undenkbar?

 

Das Gericht verurteilte (Seite auf Englisch) den Mann zu einer Haftstrafe von sechs Jahren. In dieser Woche sollte bei einer erneuten Anhörung in London geklärt werden, wie eine mögliche Rückzahlung der erschlichenen Gelder an die Opfer aussehen könnte.

 

Doch David, der derzeit in der offenen Haftanstalt Ford verhältnismäßig viele Freiheiten genießt, weigerte sich, den Wagen, der ihn nach London transportieren sollte, zu besteigen.

 

Vor Gericht begründete seine Verteidigerin Sophie O’Sullivan das Fernbleiben ihres Mandanten mit dessen jüdischen Glauben:

Er ist besorgt, nicht nach Ford zurückkehren zu können. Ford erlaubt es ihm, aufgrund der offenen Einrichtungen seine Mahlzeiten selbst zuzubereiten, und indem er sein Essen zubereitet, kann er an seinem Glauben festhalten. Er ging ihm nicht darum, heute nicht teilnehmen zu wollen.

Die zuständige Richterin Deborah Taylor zeigte sich indes wenig beeindruckt von den angeblich religiös motivierten Bedenken des Häftlings. Das Gericht habe es öfter mit orthodox-jüdischen Angeklagten zu tun und es habe nie entsprechende Probleme gegeben.

 

Die nächste Anhörung ist für den 11. März angesetzt. Dann wird sich voraussichtlich entschieden, wie das verbliebene Vermögen von Freddy David unter seinen Opfern aufgeteilt wird.