Freitag, 30. September 2022

ARD Sportschau: Ist das Ende der Kultsendung in Sicht?

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Das Tauziehen um die Rechte an den Höhepunkten der deutschen Fußball-Bundesliga läuft derzeit unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zwar biete der öffentlich-rechtliche Sender ARD mit seiner Sendung „Sportschau“ ebenfalls mit, allerdings sei nicht sicher, ob der Sender in diesem Jahr den Zuschlag erhalten werde, berichtete die FAZ diese Woche.

Möglicherweise könnte die Sportschau, die samstags um 18:30 Uhr ausgestrahlt wird, bald ohne Fußball dastehen, sollte das auf einen Wert von 100 Mio. Euro geschätzte Bundesliga-Höhepunkte-Paket an einen anderen Bieter gehen. Welche Unternehmen sich an der Ausschreibung beteiligen, ist allerdings nicht offiziell bekannt.

Die Sportschau sei für die ARD ein Kernrecht, äußerte Sportkoordinator Axel Balkausky der Deutschen Presse-Agentur gegenüber. Der Vorsitzende der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, sagte jedoch:

Der große Unterschied zwischen der ‚Sportschau‘ und der Mopsfledermaus ist, die ‚Sportschau‘ steht nicht unter Naturschutz.

Die DFL sei aber sehr zufrieden mit der Sportschau, auch wie sie gemacht sei, ergänzte Seifert. Die DLF schreibe nicht die Sportschau aus, sondern die frei empfangbaren Highlight-Rechte.

Ein weiterer Faktor, der Spekulationen über die Vergabe der Bundesliga-Höhepunkte noch weiter befeuern könnte, ist die Tatsache, dass die Sendung in der Zeit nach der Aussetzung der Bundesliga-Aktivitäten wegen der Corona-Pandemie nur noch 3,3 Mio. Zuschauer vor die Bildschirme lockte. Vorher waren es noch 4,81 Mio. Zuschauer.

Sportschau: das Heiligtum des deutschen Sportfans

Die Sportschau hat Generationen von Sportfans geprägt und dürfte mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen ebenso sehr verbunden sein wie der „Tatort“ am Sonntagabend.

Die Geschichte der Sportschau begann am 4. Juni 1961. Die Bundesliga gab es zu dieser Zeit noch nicht. Daher konzentrierten sich die Inhalte der Sportschau-Premiere auf Amateurstraßenrennen, auf die Amateurmeisterschaft der Sandbahnfahrer und auf die Handballländerspiele der Frauen.

Im Jahre 1963 wurde die Bundesliga gegründet. Die erste Sportschau mit ausführlicher Bundesliga-Berichterstattung wurde am 3. April 1965 ausgestrahlt. Der Einsatz von Hubschraubern und Motorrad-Kurieren, die Videomaterialien direkt aus den Stadien zum Sender brachten, gewährleistete die Aktualität der Neuigkeiten vom Rasen.

Die Sportschau sorgte für so manches Familiendrama, denn viele Fans wollten zur Sendezeit der Sportschau nicht gestört werden. So kam es 1963 sogar zu einem Tötungsdelikt.

Ein Mann soll Medienberichten zufolge seine Frau mit dem Staubsaugerschlauch erdrosselt haben, weil diese während der Sportschau neben dem Fernseher gesaugt habe. Der Sportschau-Mörder ging damit in die Fernsehgeschichte ein.

Als das Privatfernsehen sich im Jahre 1988 für die Bundesliga interessierte und mit Sendungen wie „ran“ und „Anpfiff“ ebenso in das Geschäft einstieg, geriet die Sportschau ins Wanken.

1992 sicherte sich Sat.1 sogar die Exklusivrechte und die Sportschau verlor, was die Fußball-Berichterstattung anging, an Bedeutung. Die Sportschau konzentrierte sich auf Live-Übertragungen anderer Sportarten, um zu überleben.

Über ein Jahrzehnt hielt die Durststrecke an, bis Sat.1 im Jahre 2003 die Rechte wieder an die Sportschau abgab.