, June 15, 2019

Für eingefleischte Rennsport-Fans beginnen heute um Punkt 15.00 Uhr die spannendsten 24 Stunden des Jahres, wenn im französischen Le Mans der Motorsportklassiker gestartet wird. Ex-Formel 1-Weltmeister Fernando Alonso gehört in diesem Jahr erneut zum Kreis der Top-Favoriten.

 

An diesem Wochenende treten 60 Teams beim wohl berühmtesten Autorennen der Welt an. Zu den Startberechtigten gehören unter anderem die Vorjahressieger sowie die Bestplatzierten der anderen Rennen der Le Mans-Serie. Eine Reihe weiterer Teams bekam von dem Veranstalter, dem Automobile Club de l’Ouest (ACO), eine Wildcard für das Spektakel.

 

Toyota in der höchsten Klasse Top-Favorit

Aufgrund der unterschiedlichen Motorisierung der Fahrzeuge wird in Le Mans seit vielen Jahren in mehreren Klassen gestartet. Dabei ziehen die Boliden der Le Mans Prototype 1-Klasse (LMP1) die größte Aufmerksamkeit auf sich: Hier treten traditionell die großen Werksteams mit den PS-stärksten Rennwagen an.

 

Fernando Alonso

Fernando Alonso (Bild: Wikipedia)

Daneben gehen die Rennmaschinen in den Klassen Le Mans Prototype 2 (LMP2), Le Mans GTE Pro sowie Le Mans GTE Am an den Start, wobei bei Letzterer mindestens ein Amateur im Sportwagen sitzen muss. Ansonsten ist das Rennen ausschließlich Profifahrern vorbehalten.

 

Wie in den Jahren zuvor gehört Toyota mit seinen zwei Werksfahrzeugen in der Klasse LMP1 auch 2019 zu den ersten Anwärtern auf den Sieg. Wie vom Reglement gefordert, setzen die Japaner auf eine Hybrid-Lösung, bei der ein Teil der Motorenergie durch Energierückgewinnungs-Systeme bereitgestellt wird.

 

Fernando Alonso wird in einem der Toyotas sitzen. Der zweifache Weltmeister teilt sich den Platz hinter dem Steuer mit seinen Teamkollegen und ebenfalls ehemaligen Formel 1-Fahrern Kazuki Nakajima sowie Sébastien Buemi. Bei den Buchmachern liegt das Team mit einer Quote von 1:1,60 in Front.

 

Als größte Konkurrenten werden mit einer Quote von 1:1,75 die Piloten des anderen Toyota-Teams gesehen, sodass der Kampf um den Sieg wahrscheinlich zu einem konzerninternen Wettbewerb wird. Die Favoritenrolle von Alonsos Team resultiert nicht zuletzt aus dem letztjährigen Ergebnis. Damals gewannen der Spanier und seine zwei Partner das Rennen mit zwei Runden Vorsprung vor ihren Werkskollegen.

 

André Lotterer mit Chancen auf das Podium

Als einzige ernstzunehmende Konkurrenten sehen Experten das Team Rebellion Racing an, welches in der Spitzenklasse ebenfalls mit zwei Rennboliden vertreten ist. Im Vorjahr belegten die beiden Rebellions die Plätze drei und vier. Wie 2018 sitzt der Deutsche André Lotterer an der Seite von Bruno Senna, dem Neffen von Formel 1-Legende Ayrton Senna, in einem der Fahrzeuge, das von den Wettbüros mit 1:12,0 bewertet wird.

Auch wenn es für Rebellion Racing nicht zum Sieg reichen sollte, die Aufmerksamkeit ist den beiden Teams aus einem anderen Grund sicher: Der Rennstall schickt seine zwei LMP1-Fahrzeuge in einer Sonderlackierung auf die Strecke.

 

Die von dem Künstler Tomyboy bemalten Art Cars setzen damit eine lange Tradition der Le Mans-Rennen fort. Schon in den 70er Jahren wurden einzelne Fahrzeuge von Künstlern designt. Zu den weltberühmten Urhebern gehörten unter anderem Roy Lichtenstein, Andy Warhol, Jeff Koons und David Hockney.

Das Ziel des Deutschen dürfte im Vergleich zum letzten Jahr die Verbesserung um mindestens einen Platz sein, denn damals belegte sein Wagen mit nur einer Runde Rückstand auf das andere Rebellion-Team den undankbaren vierten Platz. So nah möchte André Lotterer sicherlich nicht noch einmal am Podium vorbeischrammen.

 

Für Fernando Alonso wird es das letzte Rennen im Toyota. Mit einem Sieg könnten er und seine Mitfahrer den Pokal erfolgreich verteidigen und gleichzeitig den WM-Titel in ihrer Klasse erringen. Doch Toyota-Teamchef Rob Leupen weiß aus eigener Erfahrung, dass der erneute Triumph alles andere als sicher ist.

 

So sagte er in dieser Woche gegenüber Medien:

Le Mans sucht sich seinen Gewinner aus. Das ist nicht immer der Favorit.

Tatsächlich hat Toyota in unzähligen zurückliegenden Rennen bitter erfahren müssen, dass erst beim Schwenken der Zielflagge feststeht, wer das Rennen gewinnt. Besonders ungute Erinnerungen dürften die Japaner an das Jahr 2016 haben, als Toyota das gesamte Rennen überlegen in Front lag, bevor der Sportwagen in der letzten Runde mit einem Motorschaden liegenblieb.

 

Deshalb werden die Verantwortlichen und Ingenieure sicherlich auch morgen bis zur letzten Sekunde nervös auf die Strecke schauen, bis die diesjährige Ausgabe der 24 Stunden von Le Mans beendet ist und der Sieger feststeht.