, 26.01.2021

Eine ehemalige Stasi-Agentin soll Mitarbeiter des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT) in Österreich bezahlt haben, um Informationen über die Beteiligten beim Machtkampf um die Casinos Austria zu erhalten. Dies berichtete die OTS am Montag.

 

Dabei habe die tschechische SAZKA Group eine entscheidende Rolle gespielt. Das Unternehmen habe Interesse daran gehabt, eine positive Haltung politischer Entscheidungsträger der SAZKA Group gegenüber zu erzeugen, erklärt der freiheitliche Fraktionsvorsitzende im Ibiza-Untersuchungsausschuss, Christian Hafenecker.

Hintergrund

 

Am Wochenende wurden zwei Beamte des BVT festgenommen, die mutmaßlich in den Wirecard-Skandal involviert gewesen sein sollen. Ihnen wird unter anderem Amtsmissbrauch vorgeworfen. Einer der Beamten soll dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Wirecard, Jan Marsalak, bei der Flucht nach Weißrussland geholfen haben.

 

Im Zuge der Ermittlungen des BKA sei zudem ans Tageslicht gekommen, dass eine ehemalige Stasi-Agentin mehrere Mitarbeiter des BVT dafür bezahlt haben soll, Informationen über die Beteiligten beim Kampf um die Casinos Austria an hochrangige Politiker weiterzuleiten, unter anderem an den ehemaligen Kabinettschef des Finanzministeriums und jetzigen ÖBAG-Vorstand Thomas Schmidt. Dieser habe sich dann für SAZKA eingesetzt.

 

Laut Hafenecker bestehe ein Zusammenhang zwischen dem Wirecard-Skandal und der Unterstützung des Glücksspielkonzerns SAZKA. Auf der gestrigen Pressekonferenz habe Hafenecker daher gefordert, sich vermehrt auf die Rolle der SAZKA Group bei den Untersuchungen des Ibiza-Skandals zu fokussieren.

„Projekt Omega“: Stasi-Agentin von Novomatic angeheuert

Laut dem Standard habe die ehemalige Agentin der Stasi „Nina W.“ nach der Wende ihre Dienste in der privaten Wirtschaft angeboten. Neben zahlreichen großen Konzernen soll auch Novomatic zu den „Kunden“ von Nina W. gezählt haben.

 

Im Rahmen des „Projekts Omega“ soll die Ex-Stasi-Agentin im Jahre 2015 im Auftrag des Ex-Novomatic-Firmenchefs Harald Neumann recherchiert haben. Novomatic habe damals die Beteiligung der SAZKA Group an den Casinos Austria verhindern wollen, da der österreichische Konzern selbst an den Anteilen interessiert gewesen sei.

 

Mit Unterstützung von Beamten des Verfassungsschutzes habe Nina W. ein Dossier mit Informationen erstellt, das beim Finanzministerium gelandet sei. Und tatsächlich solle sich die Behörde damals für Novomatic ausgesprochen haben. Allerdings sei nicht klar, ob die Informationen von Nina W. dabei eine Rolle gespielt hätten.

 

Der Anwalt von Novomatic räumt ein, dass das Unternehmen die Dienste von Nina W. einmalig in Anspruch genommen habe:

Damals bestand sowohl von Seiten der Novomatic als auch von Seiten tschechischer Investoren der Wunsch, (weitere) Anteile an der Casinos Austria AG zu erwerben. Schon aus Compliance-Gründen war es für die Novomatic dabei notwendig, ausreichende Informationen über diesen anderen Mitgesellschafter einzuholen, um eine entsprechende Risikoprüfung vornehmen zu können.

Allerdings habe Nina W. keine Informationen geliefert, die nicht in den Medien frei zugänglich gewesen seien, erklärt der Anwalt. Inzwischen hält jedoch die tschechische SAZKA Group die Aktienmehrheit der Casinos Austria AG.