Dienstag, 17. Mai 2022

Inflation in Großbritannien: Casinos sollen höhere Abgaben leisten

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Die Casinos in Großbritannien müssen ab April 2022 höhere Abgaben an den Staat leisten. Die Glücksspiel-Steuer der landbasierten Casinos solle damit an die aktuelle Inflationsrate des Landes angepasst werden. Dies hat die Regierung am Mittwoch auf ihrer Webseite bekannt gegeben [Seite auf Englisch].

Konkret werde der Steuersatz erhöht, den die Casinos auf ihre Brutto-Glücksspiel-Gewinne (Gross Gambling Yield, GGY) zahlen. Als GGY wird die Summe bezeichnet, die ein Glücksspiel-Anbieter nach Auszahlung der Spielergewinne und vor Abzug weiterer Steuern eingenommen hat.

Die Erhöhung der Glücksspiel-Steuer ist im Rahmen des von Finanzminister Rishi Sunak ausgearbeiteten Herbstbudgets 2021 beschlossen worden. Der Budget-Plan sorgt in diesem Jahr für große Schlagzeilen und Kritik. So sei britischen Medien zufolge zu erwarten, dass sich die jährliche Steuerlast um zirka 3.000 GBP pro Haushalt erhöhen werde. Die Steuern erreichten damit ein neues „Rekordhoch in Friedenszeiten“.

Kritik gebe es jedoch auch aus den eigenen Reihen. So berichtete der Guardian gestern, dass einige Politiker der regierenden Conservative Party die von Sunak geplanten Staatsausgaben von insgesamt 150 Mrd. GBP als zu hoch erachteten. Das Wirtschaftswachstum werde dadurch weiter gefährdet, mahnt auch Ex-Premierministerin Theresa May.

Nach seiner Erhöhung solle der neue GGY-Steuersatz dann auf einem zur Inflationsrate passenden und „angemessenen Niveau“ liegen. Aktuell zahlen Casinos je nach Höhe ihres GGYs eine Steuer zwischen 15 und 50 %. Der niedrigste Steuersatz von 15 % gilt dabei für einen GGY von bis zu 2,686 Mio. GBP. Der höchste Steuersatz von 50 % muss gezahlt werden, wenn der GGY 14,626 Mio. GBP überschreitet.

Wie die BBC berichtet, habe die Inflation im September bei 3,1 % gelegen. Es werde erwartet, dass diese innerhalb des nächsten Jahres auf über 4 % steige. Die Casinos könnten also mit einer Steuererhöhung in diesem Rahmen rechnen müssen. Eine konkrete Zahl nennt die Regierung auf ihrer Webseite nicht.

Einnahmen landbasierter Casinos stark gesunken

Wie die Regierung erläutert, seien alle landbasierten britischen Casino von der Steuererhöhung betroffen. Gleichzeitig heißt es jedoch auch, dass die Auswirkungen auf die Anbieter, die Wirtschaft sowie auf die Kunden allgemein gering seien.

Es wird erwartet, dass diese Maßnahme unerhebliche Auswirkungen auf die knapp 50 Casino-Betreiber haben wird, wenn die GGY-Steuersätze unter Anpassung an die Inflation erhöht werden. Dies ist eine Routine-Heraufstufung, die von der Industrie erwartet wird. Es wird nicht erwartet, dass sich die Maßnahme direkt auf die Verfügbarkeit, den Preis und die Auszahlungen des Casino-Spiels für Individuen auswirken wird.

Auch auf die Staatskassen werde die GGY-Steuererhöhung aller Voraussicht nach keine Auswirkungen haben, heißt es weiter. Den Daten von Statista zufolge sind der GGY der Casinos und die darauf zu zahlenden Steuern in den letzten Jahren stetig gesunken.

Im Geschäftsjahr 2017/18 generierten die landbasierten Casinos noch einen GGY von 1,18 Mrd. GBP. 2018/19 waren es 1,05 Mrd. GGP, 2019/20 dann 1,01 Mrd. GBP. Aufgrund der Corona-bedingten Schließungen wurde bis September 2020 nur ein GGY von 67 Mio. GBP erzielt. Jüngere Daten liegen noch nicht vor.