, 07.10.2021

Die Streaming-Plattform Twitch soll von einem bisher noch unbekannten Hacker geleakt worden sein. Über 135 Gigabyte Daten, die unter anderem die Einnahmen der Streamer und Quellcodes der Video-Plattform enthalten sollen, seien im Netz als Download auf der Webseite 4Chan über einen Torrent-Link verfügbar. Dies berichtete der Spiegel am Mittwoch.

 

Dem Link soll eine Botschaft beigefügt worden sein. So habe der Hacker mit seiner Aktion „mehr Störung und Wettbewerb im Online-Video-Streaming-Bereich fördern“ wollen, da die Twitch-Community eine „ekelhafte giftige Kloake“ sei.

 

Indes hat das Amazon-Tochterunternehmen am Mittwochnachmittag in einem Post auf Twitter bestätigt, dass sich der Vorfall ereignet habe:

Wir können bestätigen, dass ein Verstoß stattgefunden hat. Unsere Teams arbeiten mit Hochdruck daran, das Ausmaß des Vorfalls zu verstehen. Wir werden die Community auf dem Laufenden halten, sobald weitere Informationen verfügbar sind. Wir danken Ihnen für Ihr Verständnis.

Quellcodes und Einnahmen der Streamer veröffentlicht

Einige Nutzer haben indes die Dateien mit den Informationen über die Einnahmen der Top-Streamer für den Zeitraum von August 2019 bis Oktober 2021 heruntergeladen und auf Twitter veröffentlicht.

 

Auf der Liste befinden sich unter anderem die Gesamteinnahmen der deutschen Streamer MontanaBlack und Knossi, die Millionenbeträge mit ihren Produktionen verdient haben.

So schreibt der User KnowSomething in seinem Post:

Die Bruttoauszahlungen der 100 bestbezahlten Twitch-Streamer von August 2019 bis Oktober 2021.

 

Neben den Listen mit den Streamer-Einnahmen seien zudem die Quellcodes der Mobil-, Desktop- und Konsolen-Apps von Twitch in einer der ZIP-Dateien enthalten. Weiterhin sollen Daten zu einem bisher noch unveröffentlichten Steam-Konkurrenten namens „Vapor“ sowie Hacking-Tools des Twitch-Sicherheitsteams zugänglich sein.

 

Twitch kommt nicht aus den Negativschlagzeilen

Seit mehreren Monaten kämpft Twitch mit Vorwürfen wegen Copyright-Probleme, Hatespeech und Swatting [Anm. d. Red.: beim „Swatting“ werden durch falsche Angaben Polizeieinsätze bei Streamern vor laufender Kamera provoziert.].

Trotz der Negativschlagzeilen ist Twitch derzeit immer noch die beliebteste Streaming-Plattform. Im ersten Quartal dieses Jahres entfielen rund 70 % der Stunden, die die User mit dem Verfolgen von Livestreams verbrachten, auf Twitch.

Einige Streamer, deren Daten veröffentlicht wurden, reagierten ungehalten über den Vorfall. So schrieb Félix Lengyel alias xQc, der mit Einnahmen von knapp 8,5 Mio. USD auf Platz zwei in der Liste aufgeführt ist, „Hey Twitch, erklärt ihr das bitte?“

 

Einige bekannte Streamer haben der Streaming-Plattform bereits den Rücken gekehrt und sind auf andere Plattformen abgewandert. Noch ist nicht klar, ob durch den Vertrauensverlust die Vormachtstellung von Twitch möglicherweise ins Wanken kommen könnte.