, 09.03.2020

Die Eltern einer verstorbenen Universitätsangestellten aus Großbritannien haben am Samstag schwere Vorwürfe gegen mehrere Online-Casinos und die britische Barclays Bank erhoben.

 

Wie die britische Tageszeitung Daily Mail berichtet, beschuldigen sie die Glücksspielfirmen und die Bank, eine Mitverantwortung am Selbstmord ihrer Tochter zu tragen.

 

Natascha White hatte sich im August 2018 das Leben genommen, nachdem sie ihr komplettes Einkommen in Online-Casinos verspielt hatte. Ihre Eltern, David und Jan, fordern nun ein härteres Vorgehen gegen die Glücksspielindustrie und mehr Schutz durch die Banken.

 

Reichen Geldstrafen gegen Glücksspielunternehmen aus?

 

Die Umstände, die zum Selbstmord von Natascha White geführt haben, werfen die Frage auf, ob Geldstrafen gegen Online-Glücksspielunternehmen, die ihre soziale Verantwortung nicht ernst nehmen, ausreichen, um eine Verbesserung des Spielerschutzes zu bewirken.

 

Die HR-System-Beraterin der Manchester Metropolitan Universität verdiente monatlich 1.900 GBP und gab davon mehr als 1.000 GBP für das Online-Glücksspiel aus.

 

Dabei habe sie drei Online-Casinos genutzt, die bereits von der UK Gambling Commission wegen Verstößen gegen Richtlinien für „Soziale Verantwortlichkeit“ und wegen „irreführender Werbung“ bestraft worden seien.

Die UK Gambling Commission in der Kritik

Die Britische Glücksspiel-Aufsicht wird seit einem im Februar veröffentlichten Prüfbericht von der britischen Parlamentsgruppe The Gambling Related Harm All Party Parliamentary Group (APPG) scharf kritisiert. Die Spielerschützer (Link auf Englisch) werfen der Kommission vor, „nicht für ihre Aufgabe geeignet“ zu sein. Grund sei eine mangelnde Aufsicht der Betreiber. Teile der Glücksspielindustrie seien in der Lage, „wie im Wilden Westen“ zu operieren.

Trotz der hohen Geldstrafen hatten die Unternehmen ihren Betrieb fortsetzen können.

 

Mutter fordert mehr Einsatz für den Schutz von Bankkunden

 

Laut Jan White müssten sowohl Online-Casinos als auch Banken besser in der Lage sein, gefährliches Verbraucherverhalten zu erkennen. Gegenüber der Daily Mail sagte sie:

„Wenn es diese Webseiten nicht gegeben hätte, glaube ich nicht, dass sie in das Glücksspiel hineingezogen worden wäre (…). Online-Glücksspiel ist zu einfach. Sicherlich sind Banken in der Lage zu kontrollieren, was ihre Kunden machen.“

Ein Sprecher von Barclays bezeichnete den Tod von Natascha White als „sehr traurigen Fall“. Die Bank ermutige Kunden mit Geldproblemen, sie zu kontaktieren. Ob dies allein ausreichen wird, um die möglichen Negativfolgen des Online-Glücksspiels einzudämmen, ist fraglich.

 

Laut APPG müsse ein neues Glücksspielgesetz endlich für einen ausreichenden Schutz der Verbraucher sorgen.