, 13.05.2020

Fans und Vereine können angesichts des bevorstehenden Wiederbeginns der Fußball-Bundesliga aufatmen. Transparency Deutschland hingegen fordert zum Neubeginn verstärkte Präventionsmaßnahmen. Die Organisation, die sich dem Kampf gegen die Korruption verschrieben hat, verlangt ein wirksameres Vorgehen gegen Spielsucht und Manipulation.

 

Transparency: Sportwetten-Werbung begünstigt Spielsuchtgefahr

Als einen der Hauptverantwortlichen für die zunehmende Spielsuchtgefahr hat Transparency Deutschland die Werbung der Sportwetten-Anbieter ausgemacht.

 

Sylvia Schenk, Leiterin der Arbeitsgruppe Sport der Organisation, mahnte:

Glücksspiel sollte nicht als “Kick“ und Ersatz für das Stadionerlebnis dienen. Wenn DFL-Chef Christian Seifert es mit dem “Wertefundament“ der Bundesliga ernst meint, müssen DFL und DFB jetzt ihrer Verantwortung für Millionen Nachwuchsspieler und Fans gerecht werden.

Die ehemalige Leichtathletin sieht die Gefahr, dass das bis in die unteren Ligen verbreitete Sponsoring durch Sportwetten-Anbieter die Spielsuchtgefahr zusätzlich steigere. Hinzu komme die teilweise „aggressive“ Werbung der Anbieter, die insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene anspreche.

 

Gesteigerte Gefahr des Wettbetrugs

Die 68-jährige Ex-Leistungssportlerin kritisiert jedoch nicht nur die massive Präsenz der Anbieter und das gesteigerte Spielsucht-Risiko. Darüber hinaus fordert sie den Ligaverband auf, wirksamer gegen die Manipulationsgefahr im Sport vorzugehen.

 

Ausgangspunkt für ihre Befürchtung sind Warnungen des Europäischen Fußballverbands UEFA, der bereits vor Wochen auf eine mögliche Zunahme des Betrugs in Covid-19-Zeiten hinwies. Grund dafür sei, dass kriminelle Organisationen ihr Vorgehen an die Pandemie-bedingten Einschränkungen angepasst hätten.

 

In dem Statement von Transparency Deutschland erklärte Schenk:

Wenn sich jetzt Wettanbieter und Glücksspieler auf den deutschen Wettmarkt konzentrieren, weil nur hier wieder Profi-Fußball stattfindet, werden auch die Wettbetrüger mit von der Partie sein.

Dabei seien insbesondere die schlecht bezahlten Spieler aus unterklassigen Ligen anfällig für die finanziellen Verlockungen der Wettmafia. Da Deutschland das erste große Land sei, das den Spielbetrieb wieder aufnehme, müssten die Verantwortlichen hierzulande auch beim Schutz der Spieler eine Vorreiterrolle einnehmen, so Transparency.

 

Die Organisation fordert Ligaverband und DFB auf, ein umfassendes Konzept zum Schutz der aktiv Beteiligten und Fans zu entwickeln. Als Beispiel nennt sie das 2017 vom Deutschen Bundestag beschlossene “Gesetz zur Strafbarkeit von Sportwetten-Betrug und der Manipulation berufssportlicher Wettbewerbe“.

 

Allerdings drängt die Zeit, denn bereits am kommenden Freitag soll der Ball in der Fußball-Bundesliga wieder rollen.