, May 17, 2016

Ausgemusterter Spielautomat

Trotz eines Automatenverbots wächst der Glücksspielmarkt in Österreich (Symbolbild) Bild: flickr.com).

Der österreichische Glücksspielmarkt ist im Jahr 2015 um drei Prozent gewachsen. Trotz eines Verbots von Glücksspielautomaten in Wien und strengeren Regeln in Wettsalons stiegen die Bruttospielerträge im Glücksspiel und bei Sportwetten.

 

Im Gegensatz zum rückläufigen Automatengeschäft legten herkömmliche Casinos, Sportwetten und Online Casinos im vergangenen Jahr ordentlich zu.

 

Mit Glücksspiel erwirtschafteten die Österreicher 2015 1,551 Milliarden Euro, wie das Beratungsunternehmen Kreutzer Fischer & Partner (KFP) errechnet hat. Der teilstaatliche Konzern Casinos Austria verzeichnete bei den Lotteriespielen einen Rückgang von 6 Millionen Euro, der Umsatz von 663 Millionen Euro ist aber ein Großteil des Gesamtumsatzes durch Glücksspiel.

 

Automatenspielhallen mussten Einbußen von 10,6 Prozent hinnehmen, die 12 Spielbanken der Casinos Austria nicht eingerechnet. Der Rückgang auf 338 Millionen Euro liegt zum Teil am Wiener Automatenverbot, das seit Januar des vergangenen Jahres gilt.

 

Trotzdem haben die Österreicher im Vorjahr zum wiederholten Male mehr Geld für Glücksspiele und Sportwetten ausgegeben. Der Markt ist allerdings nicht transparent reguliert und das Österreicher Glücksspielgesetz wurde bereits mehrfach überarbeitet.

 

In der Folge von Beschlagnahmung von Spielautomaten kam es zu Anzeigen gegen Beamte, der Europäische Gerichtshof rügte Österreich wegen des geltenden Casino Monopols, und oberste Gerichte hoben Strafen gegen Automatenbetreiber wieder auf. Die Branche fordert neue Regeln. “Eine geglückte Reform sieht anders aus”, lässt sich Andreas Kreutzer vom Beratungsunternehmen KFP zitieren.

 

Illegale Spielautomaten in Österreich

Gleichzeitig muss man sehen, dass in Österreich illegale Spielautomaten den Markt stützen. 2015 wurden mit Automaten ohne Genehmigung 116 Millionen Euro umgesetzt, das sind 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gegensatz dazu mussten das Admiral Unternehmen, Tochter der Novomatic Gruppe und Betreiber legaler Glücksspielautomaten, sowie die WINWIN Spielhallen der Casinos Austria Gruppe Einbußen im zweistelligen Prozentbereich hinnehmen.

 

Österreich hat eine eigene Sonderkommission, die SOKO Glücksspiel, die gegen illegales Glücksspiel mit Automaten vorgeht. Mehr als 2.200 Geräte wurden 2015 beschlagnahmt. Als neue Hotspots haben sich Oberösterreich und Westösterreich hervorgetan, wo das Zocken an Automaten eigentlich verboten ist.

 

Illegales Automatenspiel wird allerdings oft in Lokalen betrieben, die nicht frei zugänglich sind, also in Clubs oder Kulturvereinen, eine Tendenz, die sich übrigens auch in Deutschland abzeichnet. Kurios ist, dass das österreichische Glücksspielgesetz auf so wackligen Beinen steht, dass zuständige Beamte in der Steiermark und in Kärnten die Beschlagnahmung verweigerten, weil sie Amtshaftungsklagen fürchteten. Andreas Kreutzer von KFP dazu:

“Das spricht nicht für die Qualität des Glücksspielgesetzes.”

Nach Erhebungen der KFP im März 2016 stehen in Österreich immer noch knappe 3.000 illegale Glücksspielautomaten. Die Gesamtzahl der ungesetzmäßig betriebenen Spielautomaten ist aber rückläufig.

 

Hintergrund: Automatenverbot in Wien

Seit dem 1. Januar 2015 gilt in der Bundeshauptstadt Wien ein Verbot für Spielautomaten. Trotz Beschwerden von Betreibern wie Novomatic hat der Verfassungsgerichtshof das Verbot aufrecht erhalten. Nach einer vierjährigen Übergangsfrist sind die Bewilligungen für Spielautomaten in Wien ausgelaufen.

 

Eine Änderung des Glücksspielgesetzes Ende 2014 ließ die Regulierung zur Ländersache werden. Im Gegensatz zu anderen Bundesländern verzichtete Wien auf eine eigene Landesregelung und damit auf Steuereinnahmen in Höhe von 50 Millionen Euro. Das Verbot von Glücksspielautomaten soll dem Spielerschutz dienen.

 

Helmut Kafka, Sprecher des österreichischen Automatenverbandes, hielt das Automatenverbot für kontraproduktiv und sogar gefährlich. Er sagte damals:

“Das ist das genaue Gegenteil von wirksamem Spielerschutz: Die Spieler hören ja nicht auf zu spielen, sondern wandern in unkontrollierbare Bereiche ab, wo es keinen oder nur Quasi-Spielerschutz gibt.”

Automatenspieler wandern ins reguläre Casino ab

Genau diese Befürchtung hat sich anscheinend nicht bestätigt. Im Zuge des Wiener Automatenverbots werden aus früheren Automatenzockern vermehrt “normale” Casino Besucher. Vor allem das Casino Wien und das Casino Baden bemerkten die Schließung der Automatensalons.

 

Dadurch kam es zu einem Anstieg des Bruttospielertrags der Casinos Austria Spielbanken um 26 Prozent auf 212 Millionen Euro, von denen 80 Prozent allein auf Wien und Baden entfallen. Weltweit verdienen Casinos vor allem mit Vielspielern, den sogenannten High Rollern, die zwei- bis dreimal pro Woche ein Casino aufsuchen.

 

Diese Spieler sind süchtig oder zumindest suchtgefährdet, was ebenso auf regelmäßige Automatenspieler zutrifft. Insofern geben die österreichischen Umsatzzahlen für 2015 Helmut Kafka recht: Es ist kein wirksamer Spielerschutz, wenn Spielsüchtige vom Automatenspiel aufs Casino umsteigen.

 

Boom der Online Casinos in Österreich

Auch wenn die ehemaligen Automatenspieler in großer Zahl die herkömmlichen Casinos entdeckt haben, so boomen die österreichischen Online Casinos dennoch und konnten ein rasantes Wachstum von 132 auf 152 Millionen Euro Umsatz verzeichnen.

 

Dabei haben sich die Online Casinos vor allem neue Zielgruppen erschlossen und mit neuen Casino Spielen und Mini Einsätzen am Smartphone auch Frauen angesprochen. Beliebte Methode beim Gewinnen neuer Kunden sind anscheinend Wettspiele auf den Ausgang von Promi-Romanzen.

 

Glücksspieler weichen auf Sportwetten aus

Doch auch etliche österreichische Automatenspieler sind auf Sportwetten umgestiegen, sodass der Markt 2015 um knapp 20 Prozent auf 186 Millionen Euro angewachsen ist. Nachvollziehbar wird der neue Reiz der Sportwetten durch das stationäre Geschäft. Wer für das Automatenspiel jahrelang einen festen Ort aufgesucht hat, geht lieber ins Wettbüro als PC oder Smartphone zu nutzen.

 

Im Gegensatz zu Deutschland und vielen anderen EU Ländern gelten Sportwetten in Österreich nicht als Glücksspiel. Sie sind stattdessen Ländersache. Allerdings will Wien auch hier Vorreiterrolle spielen und hat erst vor kurzem die Live Wetten verboten.

 

Diese kurzfristige Art der Wetten bei Sportereignissen erlaubt die Tippabgabe rund um den Verlauf der Partie, etwa welcher Spiel ein Foul begehen wird oder eine rote Karte erhalten wird. Suchtexperten sehen in Live Wetten den suchtbefriedigenden Ersatz für süchtige Automatenzocker, da Spannung und schneller Ablauf dem Daddeln am Gerät ähneln.

 

Laut dem Suchtforscher Alfred Uhl gibt es in Österreich um die 60.000 Menschen mit problematischem Spielverhalten. In Deutschland sind es laut Statistik zur Spielsucht 362.000 Personen (0,68 % der Bevölkerung) mit problematischem Glücksspiel. Dazu kommen weitere 436.000 pathologische Spieler (0,82 % der Deutschen).

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