Montag, 23. Mai 2022

Überfälle auf deutsche Spielotheken nehmen weiterhin zu

Polizeihubschrauber|Spielhalle

Polizeihubschrauber

Die Polizei fahndet meist sofort mit einem Großaufgebot nach den Tätern (Bild: Pixabay)

Eine Reihe von Überfällen auf Spielhallen erschüttert die Glücksspiel-Szene deutscher Großstädte. In Stuttgart, Düsseldorf und Lübeck wurde die Polizei in den letzten drei Wochen von mehreren Überfällen auf Spielcasinos in Atem gehalten. Die bewaffneten Täter stahlen dabei neben Bargeld Handys und andere Wertsachen von anwesenden Beschäftigten und Gästen. Zum Glück wurde bei den Verbrechen niemand ernsthaft verletzt.

Düsseldorf und Stuttgart gleich zweimal betroffen

Die Taten zeigen, dass derartige Verbrechen in Deutschland zunehmen. So überfiel ein Bewaffneter am 25.6. eine Spielothek im Zentrum von Düsseldorf. Der Täter traf die Angestellte der Spielhalle allein an, bedrohte die Frau mit einer Schusswaffe und forderte er die Herausgabe der Einnahmen.

Nachdem die Frau ihm mehrere hundert Euro in einen mitgebrachten Rucksack gesteckt hatte, gelang ihr die Flucht in einen Nebenraum. Daraufhin geriet der mit Sonnenbrille und Baseballkappe maskierte Mann offenbar in Panik, denn er rannte ohne Beute davon.

Täter flüchten häufig ohne Beute

Erst Anfang Juni versuchte ein Mann in Erkrath bei Düsseldorf, eine Spielhalle zu überfallen. Der maskierte und mit einer Pistole bewaffnete Täter bedrohte eine Mitarbeiterin und forderte die Bargeldeinnahmen aus der Kasse. In dem Moment betrat jedoch ein Kunde das Casino, woraufhin der Täter auch ihn bedrohte und kurz darauf ohne Beute davonlief. Auch in diesem Fall verlief die Polizeifahndung erfolglos.

Neben Düsseldorf war auch Stuttgart in letzter Zeit mehrfach das Ziel von Spielhallen-Räubern. So versuchte am frühen Morgen des 11. Juni ein Unbekannter, das Spielcasino an der Eberhardstraße zu überfallen. Er bedrohte einen 46-jährigen Gast und den 31-jährigen Angestellten mit einem Messer.

Spielhalle

Spielhallen gehören zu den bevorzugten Zielen der Räuber (Bild: Pixabay)

Die beiden Anwesenden setzen sich jedoch gegen den Eindringling zur Wehr. Dabei kam es zu einem Gerangel, nach dem der erfolglose Räuber ohne Beute die Flucht ergriff. Die Täterbeschreibung wurde dadurch erschwert, dass sich der etwa 1,70 bis 1,80 Meter große, kräftig gebaute Mann mit einer Strumpfhose maskiert hatte.

Täter mit Messern, Macheten und Pistolen bewaffnet

Bei einem weiteren Vorfall in der Landeshauptstadt von Baden-Württemberg verwendete der Räuber bei seiner Tat gar eine Machete, als er in der Nacht auf den 27. Juni ein Spielcasino in Stuttgart-Zuffenhausen überfiel. Er bedrohte die beiden anwesenden Angestellten zudem mit Pfefferspray und sprühte einem der beiden das Reizgas ins Gesicht, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen. Dazu schlug er ihm mit der flachen Seite des großen Messers auf den Rücken. Zum Glück blieb der Mann bis auf eine leichte Augenreizung unverletzt.

Doch statt auf die Herausgabe des Geldes zu warten, trat der etwa 25-jährige, mit einem dunklem Tuch maskierte Mann, die Flucht an. Auch hier verlief die sofort eingeleitete Großfahndung der Polizei nach dem Täter, unter anderem mit dem Einsatz eines Hubschraubers erfolglos.

Der Besitzer dieses Spielcasinos scheint vom Pech verfolgt, denn sein Etablissement wurde bereits zum zweiten Mal innerhalb der letzten zwei Monate überfallen. Damals waren die Räuber erfolgreicher, denn sie entwendeten mehrere Tausend Euro.

Auch Lübecker Spielhalle überfallen

Gleich drei Männer überfielen am 26. Juni eine Spielhalle in der Lübecker Innenstadt. Wie ein Sprecher der Polizei bekanntgab, waren die Täter mit einem Baseballschläger bewaffnet, als sie die Spielothek kurz nach Mitternacht betraten. Zur Maskierung hatten sie Schals um die Gesichter gebunden. Der anwesende Mitarbeiter sowie ein Kunde wurden daraufhin von den Tätern geschlagen und getreten und zur Herausgabe von Bargeld sowie Wertsachen aufgefordert.

Die drei Räuber erbeuteten einen dreistelligen Bargeldbetrag sowie die beiden Handys ihrer Opfer und flüchteten unerkannt. Nach der Tat konnten die Leichtverletzten von einer benachbarten Spielhalle aus die Polizei informieren. Sie wurden zur Behandlung in ein naheliegendes Krankenhaus gebracht. Trotz sofortiger Fahndung mit mehreren Streifenwagen konnte die Täter nicht gefasst werden.

Hohe psychische Belastung bei Opfern von Überfällen

Mit den Raubüberfällen in Stuttgart, Düsseldorf und Lübeck wurde der Albtraum eines jeden Ladenbesitzers und direkt Betroffenen wahr, denn neben den entwendeten Wertgegenständen und Bargeld sind es vor allem die reale Bedrohung und die Gefahr physischer Gewalt, die den Opfern in der Folge derartiger Vorfälle zu schaffen machen. Schlafstörungen und Angst gehören dabei zu den verbreitetsten Folgen.

Doch es gibt nach Auskunft von Psychologen Strategien, mit denen einem durch die Tat ausgelösten Trauma erfolgreich begegnet werden kann. In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ erklärte der Psychologe Olaf Schulte-Herbrüggen unter anderem:

„Einigen Menschen ist es wichtig, den Tathergang erklärt zu bekommen, weil sie sich auch fragen, was ist mein Anteil daran gewesen. Sie wollen das Motiv verstehen, wissen, warum es gerade sie getroffen hat. Einige plagen sich auch mit Rachegedanken. Sehr wichtig ist den meisten Betroffenen, für sich zu klären, ob sie nun ein Zufallsopfer waren oder jemand sie sehr bewusst, aus irgendeinem Grund – eine persönliche Auseinandersetzung, ein Streit, ein Konflikt – attackiert hat.“

Dazu sei es hilfreich, sich aktiv mit dem Überfall auseinanderzusetzen und nicht zu verdrängen. Auch eine Konfrontation mit dem Täter, beispielsweise bei einem späteren Gerichtsverfahren, kann hilfreich sein. Vielen Opfern sei jedoch am stärksten geholfen, wenn die Täter erkannt und zur Rechenschaft gezogen würden.