, January 1, 2019

In Spielhallen und Casinos geht es natürlich ums Geld. Doch nicht jeder setzt auf Spielglück, um den Jackpot aus den Spielstätten zu tragen. Auch im Jahr 2018 machten Geschichten von großen und kleinen Straftaten rund um das Glücksspiel Schlagzeilen. Ein Rückblick.

 

Die 2018 vom Bundeskriminalamt veröffentlichte Kriminalstatistik listet insgesamt 591 Fälle von „Raub, räuberische Erpressung auf/gegen Spielhallen“ im Jahr 2017 auf.

 

Die Schadenssumme wird mit 825.252 Euro beziffert, dürfte aber deutlich höher liegen, da die Beute in 11 Fällen als unbekannt gilt und damit mit dem symbolischen Schaden von jeweils 1,- Euro in die Statistik eingeflossen ist.

 

Kuriose Kostüme

 

Wer einen Raub begeht, tut, gerade in Zeiten der Kameraüberwachung, gut daran sich zu maskieren. Im Gegensatz zu den Überfällen der Vergangenheit greifen die Täter seltener zum klassischen Damenstrumpf, um ihre Identität zu verschleiern, sondern werden oft kreativ.

 

Elefantenkostüm

Ein Räuber nutzte ein Elefantenkostüm zur Tarnung. Unauffällig war das nicht – er wurde geschnappt. (Quelle:pixabay.com/Efraimstochter, licensed under CC0)

So betrat im Februar 2018, pünktlich zum Fetten Donnerstag der Fasnacht, ein Mann ein Spielcasino im saarländischen St. Wendel und forderte die Herausgabe der Einnahmen.

Die Kassiererin wehrte sich und der verhinderte Räuber ergriff beutelos die Flucht. Allerdings kam er nicht weit, die Casinoangestellte hatte der Polizei eine eindrückliche Täterbeschreibung geliefert:

 

Der Mann, der versucht hatte sie zu überfallen, war in einem auffälligem Ganzkörper-Elefantenkostüm unterwegs gewesen.

 

Ebenfalls thematisch passend wählte ein Mann eine Horrormaske, als er eine Spielhalle im nordrhein-westfälischen Lichtenbroich überfiel.

Die Filialleiterin, die mit einem messerähnlichen Gegenstand bedroht wurde, händigte ihm die Tageseinnahmen von mehreren Hundert Euro aus, aber nach dem Täter wird bis heute gefahndet.

 

Mit Machete und Golfschlägern

 

Weniger erfolgreich war eine vierköpfige Bande, die in Bremen auf Raubzug ging. Nachdem die Täter Anfang des Jahres drei Spielotheken in der Hansestadt überfallen hatten, konnten die Ermittler den Kopf der Räubergruppe im Frühjahr identifizieren. Er saß bereits wegen anderer Delikte in Untersuchungshaft. Besonders brutal:

 

Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, hatte der 21-Jährige, der als Intensivtäter gilt, Spielhallenangestellte mit Machete und Pistole bedroht.

 

Nicht weniger kreativ bei der Wahl der Waffe zeigte sich ein Täter bei einem Überfall in Köln-Bayenthal im August 2018:

Er bedrohte den Angestellten einer Spielhalle mit einem Elektroschocker und erbeutete einen geringen Geldbetrag. Der Räuber ist bis heute flüchtig.

Der Überfall auf eine Spielhalle fällt unter:

§250 Schwerer Raub

 

(1) Auf Freiheitsstrafe nicht unter drei Jahren ist zu erkennen, wenn

 

1. der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub

 

a) eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug bei sich führt,

b) sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt, um den Widerstand einer anderen Person durch Gewalt oder Drohung mit Gewalt zu verhindern oder zu überwinden,

c) eine andere Person durch die Tat in die Gefahr einer schweren Gesundheitsschädigung bringt oder

 

2. der Täter den Raub als Mitglied einer Bande, die sich zur fortgesetzten Begehung von Raub oder Diebstahl verbunden hat, unter Mitwirkung eines anderen Bandenmitglieds begeht.

 

(2) Auf Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren ist zu erkennen, wenn der Täter oder ein anderer Beteiligter am Raub

 

1. bei der Tat eine Waffe oder ein anderes gefährliches Werkzeug verwendet,

 

2. in den Fällen des Absatzes 1 Nr. 2 eine Waffe bei sich führt oder

 

3. eine andere Person

 

a) bei der Tat körperlich schwer misshandelt oder

b) durch die Tat in die Gefahr des Todes bringt.

 

(3) In minder schweren Fällen der Absätze 1 und 2 ist die Strafe Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren.

Ebenfalls unerkannt konnten zwei Täter in Bottrop entkommen:

 

Mit Golfschlägern hatten sie in einer Spielhalle vier Geräte zertrümmert und die verängstigte Aufsicht mit dem Tod bedroht.

Die beiden Räuber, deren Alter auf rund 25 Jahre geschätzt wird, flüchteten mit den Tageseinnahmen.

 

Nackte Flucht in die Nacht

 

Faust

Mit heftiger Gegenwehr durch einen Gast musste ein Räuber kämpfen. Er entkam ohne Beute und Oberteil. (Quelle:pixabay.com/ToNic-Pics, licensed under CC0)

Auch einem Täter, der es im Mai auf eine Spielhalle in Velbert abgesehen hatte, gelang die Flucht. Allerdings ohne Geld und mit erheblichen Blessuren:

Nachdem er gegen 0:30 Uhr eine junge Angestellte überwältigt und gezwungen hatte, ihm das Bargeld auszuhändigen, war ein Kunde auf ihn aufmerksam geworden.

 

Der Mann stellte sich ihm in den Weg, um ihn aufzuhalten. Nach einem Handgemenge konnte der Räuber sich losreißen, verlor dabei aber Beute und Maske, sein Pullover zerriss und er floh mit freiem Oberkörper und erheblichen Gesichtsverletzungen in die Nacht.

 

Jugendliche Täter in Wuppertal

 

Dass Kriminalität keine Frage des Alters ist, zeigen Fälle aus dem Sommer: In Wuppertal überfielen zwei Vermummte am späten Abend des 29. Juli eine Spielhalle.

 

Nachdem sie den Angestellten mit vorgehaltener Pistole bedroht und Geld verlangt hatten, flüchteten sie. Kurz darauf konnte die Polizei einen der beiden Tatverdächtigen festnehmen. Es handelte sich um einen 15-Jährigen.

 

Sein 17-jähriger Komplize erschien kurz darauf in Begleitung seiner Mutter auf einer Polizeiwache und stellte sich freiwillig.

 

Zwei weitere Überfälle unter Beteiligung von laut Zeugenaussagen auffallend junger Täter ereigneten sich auch in den kommenden Wochen in Wuppertal. Wie die Ermittlungen ergaben, setzte sich hier eine Serie fort, die bereits 2017 begonnen hatte: Die Täter, drei 17-Jährige, konnten im September dank Auswertung einer DNA-Spur überführt werden.

 

Emanzipation in der Kriminalität

 

Einen weiteren Beitrag zum Thema Vielseitigkeit leistete ein Fall, der sich im Sommer in Gelsenkirchen-Schalke ereignete:

 

Mit Bildern einer Überwachungskamera suchte die Polizei nach einer Frau, die um Einlass in eine Spielhalle gebeten hatte und wenig später drei Maskierte eingeschleust haben soll. Nachdem sie eine Angestellte eingeschlossen und Spielautomaten aufgebrochen hatten, entkamen die Räuber unerkannt.

 

Fellmützen

Überfälle auf Spielhallen: Auch 2018 setzten skrupellose Täter in Spielhallen auf Gewalt statt auf Glück (Quelle:flickr.com/Marco Verch. licensed under CC BY 2.0)

Ganz ohne Komplizen kam eine Räuberin im Herbst in Berlin aus. Bekleidet mit einer auffällig hohen Fellmütze bedrohte sie die Angestellte einer Spielhalle mit einem Elektroschocker und forderte in starkem russischem Akzent die Tageseinnahmen.

 

Nach nur wenigen Sekunden floh sie mit der Beute. Ihre extravagante Kopfbedeckung dürfte wohl auch als Ablenkung gedient haben und unterdessen abgenommen worden sein: Trotz genauer Beschreibung konnte die Polizei die Täterin nicht dingfest machen.

 

Nicht ganz so durchdacht scheint ein Tathergang, der sich im September in Bergisch-Gladbach ereignete:

 

Ein mit einer Pistole bewaffneter Mann hatte gegen Mitternacht eine Spielhalle betreten und die Aufsicht mit einer Pistole bedroht. Er erbeutete nur wenig Kleingeld und flüchtete in einem Auto mit Kölner Kennzeichen.

 

Noch in der Nacht wurde der Mann in seiner Wohnung festgenommen. Er war bisher nicht polizeilich in Erscheinung getreten, bei der Waffe handelte es sich um eine Attrappe.

 

On echte Waffe oder nicht, macht möglicherweise bei der Strafzumessung einen Unterschied, die Wirkung auf die Opfer ist die gleiche. Oft zieht das Trauma, überfallen worden zu sein, langfristig eine Berufsunfähigkeit der Betroffenen nach sich. Und das für eine Beute von selten mehr als wenigen Hundert Euro.

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