Donnerstag, 06. Oktober 2022

Vier Taten in fünf Tagen: Überfälle auf Spielhallen im Norden und Westen

Zwei Polizeieinsatzwagen bei Nacht mit Blaulicht In den vergangenen Tagen riefen mehrere Überfälle auf Spielhallen die Polizei auf den Plan (Symbolbild, Quelle: (ots))

Mit gefallenen Corona-Vorgaben und steigenden Temperaturen scheint nicht nur die allgemeine, sondern auch die kriminelle Energie einen Aufschwung zu erleben. Allein in den vergangenen fünf Tagen gab es vier Überfälle auf Spielhallen, zu deren Aufklärung die Polizei die Öffentlichkeit um Mithilfe bittet.

Überfälle auf Spielhallen: Serientäter im Norden?

In Schleswig-Holstein suchen Ermittler aktuell nach einem Täter, der am frühen Samstagmorgen in einer Spielhalle im schleswig-holsteinischen Stockelsdorf zugeschlagen hat.

Laut gestern veröffentlichter Polizeimeldung habe der als etwa 30 Jahre alt beschriebene Mann sich zu Geschäftsschluss Zugang zu einer „Admiral“-Spielhalle verschafft. Unter Anwendung von Pfefferspray sei es ihm gelungen, der anwesenden Angestellten den Kassenschlüssel zu entreißen. Neben dem Inhalt der Kasse habe er auch das Portemonnaie der 63-Jährigen an sich gebracht, bevor er zu Fuß geflüchtet sei.

Die alarmierte Polizei habe umgehend umfangreiche Suchmaßnahmen eingeleitet. Jedoch habe auch der Einsatz eines Suchhundes keinen Erfolg gebracht.

Nun sucht die Kriminalpolizei Bad Schwartau wegen des Verdachts des schweren Raubs öffentlich nach dem Täter, der als ca. 175 cm groß, untersetzt und mit einem „rundlichen Gesicht“ beschrieben wird.

Das Bundeskriminalamt hat 2021 im gesamten Bundesgebiet 94 Raubstrafen gegen Spielhallen registriert. Runtergerechnet würde dies durchschnittlich rund 7,8 Überfälle auf Spielhallen im Monat und 1,8 pro Woche bedeuten.

Wären sie repräsentativ, ließen sich allein die nun aufgrund der Öffentlichkeitsfahndungen bekanntgewordenen Überfälle der letzten Tage auf 456 Taten im Jahr hochrechnen. Dies würde einen Anstieg von fast 400 % im Vergleich zum Vorjahr bedeuten.

Nur wenige Tage später kam es im rund 30 km entfernten Eutin zu einem ähnlich gelagerten Raub. Laut Meldung prüfe die Polizei einen möglichen Zusammenhang mit der Tat vom Wochenende. Auch in diesem Fall wartete der Täter offenbar das Ende des Spielbetriebs ab, bevor er in der Nacht zum Dienstag die Spielothek „Spielstübchen“ in der Eutiner Innenstadt betrat.

Mit einer Schusswaffe habe der Mann auf die Mitarbeiterin gezielt und sie zur Herausgabe von Bargeld aufgefordert. Der Plan sei jedoch gescheitert, da die Bestände bereits gesichert verschlossen gewesen seien. Daraufhin habe er der Frau Schmuck entrissen und sei mit ihrer Handtasche geflüchtet. Zeugen beschrieben den Mann als ca. 170 cm groß und sportlich.

Überfall am helllichten Tag

Ebenfalls am Dienstag, jedoch am Nachmittag, wurde ein Angestellter einer Spielhalle in Neubrandenburg Opfer eines Überfalls. Gegen 16 Uhr, so die Ermittler, hätten ein Mann und eine Frau die Spielstätte im sogenannten Reitbahnviertel betreten.

 Paar hält Händchen

Bei den Neubrandenburger Spielhallenräubern könnte es sich um ein Paar handeln (Quelle: unsplash.com/Tibor Pápai)

Unter einem Vorwand habe der männliche Part den Mitarbeiter zur Toilette gelockt und ihm dort „unter Vorhalt eines waffenähnlichen Gegenstands“ unter anderem den Kassenschlüssel abgenommen. Nachdem der Angestellte eingesperrt worden sei, habe das Duo rund 2.000 EUR aus der Kasse entwendet und sei geflüchtet.

Spielhallen-Überfall vor laufender Kamera

Zu einer besonders schnellen Öffentlichkeitsfahndung entschied sich derweil die Polizei im nordrhein-westfälischen Hagen. Nur wenige Stunden, nachdem es in der Nacht zum Mittwoch im Stadtteil Mittelstadt zu einem Spielhallen-Überfall gekommen war, suchten die Ermittler bereits medial nach den drei Tätern.

Diese hatten sich zu Geschäftsschluss Zugang zu der Spielstätte verschafft, indem sie die 19-jährige Angestellte sowie ihren ebenfalls 19-jährigen Freund, der sie abgeholt hatte, unter Androhung von Waffengewalt zwangen, das Lokal erneut aufzuschließen. Hier nahmen die Männer die Tageseinnahmen an sich und suchten nach weiterer Beute.

Offenbar nicht bewusst war ihnen jedoch, dass sie bei der Tat beobachtet wurden. So schreibt die Polizei Hagen in ihrer Meldung:

Währenddessen konnte der Spielhallenbesitzer die Geschehnisse in der Spielothek über die Videoüberwachung beobachten und informierte die Polizei. Als die Räuber das Gebäude verließen, sahen sie die herannahenden Polizisten und ergriffen hastig die Flucht in verschiedene Richtungen (…).

Die Ermittler suchen nun nach den etwa 20 Jahre alten Räubern, von denen einer als auffällig schlank, ein anderer als „massig“ beschrieben wird. Markant am dritten Mann sei ein sehr starker Akzent gewesen, der seine Aussprache so gut wie unverständlich gemacht habe.