, 28.04.2020

Die schwedische Branchenvereinigung für Glücksspiel, Branschföreningen för Onlinespel (BOS), hat die schwedische Regierung dafür kritisiert, legales Glücksspiel im Land zu stark regulieren zu wollen. Dies geht aus einer Mitteilung der BOS vom Sonntag hervor.

 

Mit der Kritik reagierte die BOS auf die neuesten Maßnahmen der schwedischen Regierung zur Eindämmung von Online-Glücksspiel.

 

Diese hatte am Donnerstag angekündigt, aufgrund der steigenden Online-Spielerzahlen der letzten Monate geltende Gesetze vorübergehend verschärfen zu wollen. Dazu zählten Einzahlungslimits und die Beschränkung von Bonus-Angeboten sowie Zeitbegrenzungen für Online-Casino-Besuche.

 

„Wilder Westen 2.0“

 

Der Generalsekretär der BOS, Gustaf Hoffstedt, beklagt, dass die Aktivitäten lizenzierter Glücksspielanbieter in Schweden bereits strengen Regeln unterlägen, darunter Beschränkungen von Bonus-Angeboten und Werbung sowie die Überprüfung von Kunden auf etwaiges problematisches Spielverhalten.

 

Ausländische Anbieter hingegen seien nicht von den schwedischen Gesetzen betroffen und könnten schwedischen Spielern daher entsprechende Angebote und Preise bieten.

 

Die Bemühungen der schwedischen Regierung zur Beschränkung von Online-Glücksspiel liefen daher ins Leere und trieben die Kunden stattdessen in die Arme der internationalen Konkurrenz. Der schwedische Glücksspielmarkt werde auf diese Weise in einen neuen „Wilden Westen“ verwandelt, so Hoffstedt.

Zu Beginn der Regulierung des schwedischen Glücksspielmarktes Anfang 2019 hatte es sich die schwedische Regierung zum Ziel gesetzt, dass 90 % der Online-Glücksspieler in Schweden lizenzierte Webseiten nutzen sollten.

 

Mitte letzten Jahres habe dieser Anteil bei 81 bis 85 % gelegen. Erhebungen der BOS zufolge liege die Rate aktuell nur noch bei 72 bis 78 %.

Die BOS sehe ein, dass die Herausforderungen der Corona-Krise gewisse Maßnahmen erforderten. Die aktuell vorgesehenen Beschränkungen seien jedoch nicht zielgerichtet.

 

Sorge um Spielerschutz auf unregulierten Märkten

 

Ebenfalls besorgt zeigt sich die Europäische Vereinigung für Glücksspiel und Wetten (EGBA) [Seite auf Englisch]. Während sie Maßnahmen für Spielerschutz befürworte, gebe sie zu bedenken, dass die neuesten Vorhaben eher schadeten als zu nutzen, so der Generalsekretär der Vereinigung Maarten Haijer:

Die Maßnahmen könnten tatsächlich mehr Kunden schaden als schützen, da Kunden leicht Schwarzmarkt-Webseiten finden können, auf denen die Beschränkungen und alle anderen sozialen Schutzmaßnahmen nicht gelten.

Die neuen Regelungen sollen zudem erst ab 1. Juni gelten. Es sei fragwürdig, inwiefern sie daher überhaupt Wirkung zeigen würden, so Haijer.