, 27.01.2019

Sie haben alles, wovon Otto Normalverbraucher nur träumen kann: Einen tollen Job, Fans, und sehr viel Geld. Doch manchen Topsportlern reicht das nicht: Auf der Jagd nach noch mehr Geld und Nervenkitzel setzen sie nicht nur ihren Ruf, sondern auch ihre Karriere aufs Spiel.

 

Sportler und Glücksspiel: Kein Einzelfall

 

Immer wieder machen Spitzensportler Schlagzeilen, weil sie über die Strenge schlagen. Kein Wunder, stehen sie doch in der Blüte ihres Lebens und nicht selten gleichzeitig unter enormem Druck. Jahreseinkünfte im sechsstelligen Bereich, Lob und allgegenwärtige Bewunderung hinterlassen bei dem ein oder anderen das Gefühl, unbesiegbar zu sein und den Glauben, alles unter Kontrolle zu haben.

 

Dass Fortuna sich nicht um Kontostand und Ruhm ihres Herausforderers schert, mussten einige Spitzensportler mehr oder minder schmerzhaft erfahren.

 

Michael Jordan (Basketball)

 

Michael Jordan smiling

Großer Sportler, exzessiver Spieler: Basketball-Ikone Michael Jordan (Quelle:DOD photo by D. Myles Cullen, licensed by Defense.gov, public domain)

Michael Jordan gilt auch heute, anderthalb Jahrzehnte nach seinem Karriereende, als einer der talentiertesten Basketballer, die die Welt jemals gesehen hat. Die National Basketball Association (NBA) führt ihn sogar als den besten Spieler aller Zeiten. Im Jahr 2003 waren es in den Playoffs aber nicht seine sportlichen Leistungen, die dem 1,98 Meter-Hünen Schlagzeilen einbrachten.

 

Am Vorabend eines wichtigen Matches wurde Jordan beim Glücksspiel in Atlantic City gesehen worden und daraufhin heftig kritisiert. Kurze Zeit später gestand der Sportler öffentlich, 57.000 US-Dollar an Spielschulden angehäuft zu haben.

 

Im selben Jahr veröffentlichte der Autor Richard Esquinas das Enthüllungsbuch „Michael & Me: Our Gambling Addiction… My Cry for Help“, in dem er unter anderem berichtete, beim Golf 1,25 Millionen US-Dollar von Jordan gewonnen zu haben.

 

Gerüchten zufolge war Jordans Glücksspielleidenschaft so groß, dass er auch auf die absurdesten Dinge wettete. So soll er beim Rückflug von den olympischen Spielen 1992 in Barcelona mit seinen Mannschaftskameraden darum gewettet haben, bei der Ankunft in Portland als Erster sein Gepäck zu erhalten.

 

Mit Erfolg: 900 USD brachten ihm seine Koffer auf dem Rollband ein. Später gestand der Basketballer, das Flughafenpersonal bestochen zu haben, um die Wette zu gewinnen.

Experten sehen Profisportler durch ihre exponierte Stellung in besonderem Maße gefährdet, eine Spielsucht zu entwickeln. Gründe für die gefährliche Verbindung von Sportler und Glücksspiel sind unter anderem:

 

-> Hoher Erfolgsdruck/das Gefühl immer gewinnen zu müssen

 

-> Selbstüberschätzung

 

-> Überzogen gelebte Werte wie Siegermentalität und Wettkampfgeist

 

-> Kompensation einer inneren, durch ausbleibende Erfolge entstehenden Leere

Wayne Rooney (Fußball)

 

Wayne Rooney ist Rekordtorschütze der englischen Nationalmannschaft und gilt als „enfant terrible“ des internationalen Top-Fußballs. Erst vor wenigen Wochen wurde der 33-Jährige in Washington D.C. in den USA wegen Alkoholkonsums vorübergehend in polizeilichen Gewahrsam genommen.

 

Und auch dem Glücksspiel scheint Rooney gern zuzusprechen: 2017 berichteten Medien über einen Casinobesuch Rooneys in Manchester. Der Fußballer soll das „Manchester’s 235“ an einem Samstagabend allein betreten und biertrinkend innerhalb von zwei Stunden umgerechnet rund 600.000 Euro beim Roulette und Blackjack verloren haben.

 

Zudem wird Rooney ein Hang zu Pferdewetten nachgesagt. So soll er zu Beginn seiner Karriere rund 945.000 Euro Spielschulden bei seinem damaligen Nationalmannschaftskollegen Michael Owen angesammelt haben, der sich seinerseits einen Namen als Buchmacher gemacht hatte.

 

Floyd Mayweather (Boxen)

 

Uhr Floyd Mayweather

Man kann “Money” Mayweather viel nachsagen, Bescheidenheit aber nicht: Uhr für 18 Millionen Dollar (Quelle:twitter.com/floydmayweather)

US-Boxer Floyd Mayweather (41) ist nicht gerade bekannt für seine Bescheidenheit. So postet der Ex-WBC-Weltmeister im Superfeder-, Leicht-, Halbwelter-, Welter- und Halbmittelgewicht und ehemalige IBF-Weltmeister im Weltergewicht gern mal auf Twitter Bilder einer Uhr im Wert von 18 Millionen US-Dollar, die er sich leistet.

 

Doch die finanziellen Mittel für solche Luxus-Eskapaden stammen nicht allein aus seinen Wettkampfgeldern:

 

Mayweather ist passionierter Spieler und lässt seine Social-Media-Follower auch gern an seinen Erfolgen beim Glücksspiel teilhaben. So gewann der Ex-Boxer, der sich selbst mit dem Namen „Money“ versehen hat, 2012 eine Million US-Dollar bei einer Footballwette.

 

Er hatte 1,1 Millionen auf den Sieg von Oregon über Arizona gesetzt. Zwei Jahre später wettete er, dass die Denver Broncos die NY Jets mit mehr als 7.5 Punkten schlagen würden. Die Broncos gewannen mit 31:17 und Mayweather ging mit über 600.000 Euro Gewinn heim.

 

Immer wieder gibt es Gerüchte, der 44-Jährige, der 2017 zuletzt im Ring stand, plane, von seinem sportlichen Rücktritt zurückzutreten. Angeblich sollen Spielverluste in Höhe von insgesamt rund 50 Millionen Dollar neue Einkünfte nötig machen

 

John Daly (Golf)

 

Der US-amerikanische Profigolfer John Daly ist eine der schillerndsten Figuren des Rasensports und gilt als absoluter Publikumsliebling. In den 1990ern sorgte der 1966 in Kalifornien geborene Daly regelmäßig für Schlagzeilen.

 

So gewann er nicht nur die PGA Championship und die Open Championship, sondern sorgte mit als kettenrauchender und auf dem Court biertrinkender Profi auch für Staunen. 2016 gab John Daly in einer TV-Dokumentation an, im Laufe seines Lebens rund 45 Millionen Dollar beim Glücksspiel gewonnen zu haben. Beeindruckend, wären da nicht die weitaus höheren Verluste:

Wir haben ausgerechnet, dass ich beim Glücksspiel rund 98 Millionen Dollar verloren und ungefähr 45 Millionen gewonnen habe. Also ja, ich habe so um die 50 Millionen Dollar verspielt.

Dem gegenüber war der folgende Verlust für Daly wohl leicht zu verschmerzen: Als seine damalige Ehefrau sein Spielverhalten kritisierte, warf der Golfer das kurz zuvor gewonnene Bargeld in einem Wutanfall im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Fenster. 65.000 US-Dollar segelten von der Memphis–Arkansas Bridge in den Mississippi River.

 

Übrig bleibt, dass die Jagd nach dem Glück einen jeden erfassen kann und Ruhm und Reichtum nicht vor unüberlegten Handlungen schützen. Der einzige Unterschied zwischen einem Sport-Superstar zu einem ganz normalen Spieler: Der erste kann es sich leisten, mehr Geld zu verspielen, als der zweite in seinem ganzen Leben zu Gesicht bekommen wird.

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