, 04.03.2021

Ungarns liberale Oppositionspartei Momentum hat angekündigt, rechtliche Schritte gegen das Las Vegas Casino im Budapester Stadtteil Corvin einzuleiten. Auslöser ist ein vor wenigen Tagen veröffentlichtes Video, das massive Verstöße gegen die COVID-Vorgaben in dem Glücksspieltempel protokolliert haben soll. Die Casinos in Ungarn haben trotz landesweitem Lockdown geöffnet und gelten als von der Regierung besonders protegiert.

 

Lockdown mit Ausnahme

 

Während sich Ungarn bis mindestens zum 15. März in seinem zweiten harten Lockdown befindet, gelten für die Casinos des Landes Sonderregeln. Im Gegensatz zu Gastronomie und sonstigen Gewerben dürfen die Betreiber ihre Pforten weiterhin für Besucher geöffnet halten. Die einzigen Vorgaben sind der Geschäftsschluss um 19 Uhr und das Tragen von Masken für Angestellte und Besucher.

 

Letzteres, so belegen es am 1. März veröffentlichte Aufnahmen aus dem Inneren des Las Vegas Casino Corvin, scheint von den Verantwortlichen jedoch mit wenig Nachdruck umgesetzt zu werden. So zeigt das rund 40-sekündige Video, wie sich Besucher um Spieltische drängen, ohne dabei einen Mund-Nasenschutz zu tragen.

 

Angaben des unabhängigen ungarischen Nachrichtenportals Telex zufolge sollen sich in dem rund 150 m2 großen Raum bis zu 120 Personen befunden haben. Wie in dem Casino üblich, seien kostenlos auch alkoholische Getränke serviert worden.

In Deutschland sind seit dem 2. November 2020 alle Spielbanken und Casinos geschlossen. Wann mit einer Wiedereröffnung zu rechnen sein könnte, ist bislang unklar. So hatten sich Bund und Länder bei einem Treffen am 3. März auf ein mehrstufiges System zur Lockerung der Maßnahmen abhängig von Inzidenzwerten geeinigt. „Über die Perspektiven für weitere Bereiche wie Gastronomie, Kultur, Veranstaltungen, Reisen und Hotels“ werde voraussichtlich bei der nächsten Sitzung am 24. März beraten.

Als Reaktion auf die Verstöße kündigte der Präsident der Oppositionspartei Momentum András Fekete-Győr rechtliche Schritte gegen das Casino an. Auch die grüne LMP zeigte sich von den Aufnahmen entsetzt.

 

Nähe zwischen ungarischer Regierung und Glücksspiel

 

Die Tatsache, dass Casinos weiterhin operieren dürfen, während sich der Rest Ungarns im Lockdown befindet, sorgt bereits seit langem für Kritik. Laut Telex stehe der Verdacht im Raum, dass einzig enge Verbindungen zwischen Casinobetreibern und der regierenden Fidesz-Partei von Premierminister Viktor Orbán für die Fortführung der Geschäfte verantwortlich seien.

 

So sieht es auch Oppositionspolitiker Fekete-Győr. Er erklärte Telex gegenüber:

Für sie geht es auch hier tatsächlich um Geld und Macht: Die Casinos gehören dem NER [Orbáns System der nationalen Kooperation], um Fidesz-Freunde reich zu machen, und überwiegen alle epidemiologischen Überlegungen. So lassen sich alle wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung zusammenfassen: Wir helfen unseren Freunden, alles andere kann zu Grunde gehen.

Ursprünglich hatten sich die fünf Las Vegas Casinos der Hauptstadt im Besitz des ungarischen Hollywood-Produzenten (u.a. „Evita“ und „Total Recall“) und Orbán-Vertrauten Andrew G. Vajna befunden.

 

Nach Vajnas Tod im Jahr 2019 waren sie Telex zufolge an den regierungsnahen Milliardär István Garancsi und den Ehemann von Fidesz-Regierungssprecherin Alexandra Szalay-Bobrovniczky, Kristóf Szalay-Bobrovniczky, gegangen.

 

Auf Anfrage hätten die für die Casino-Sonderregelung zuständigen Stellen in der Vergangenheit wiederholt darauf hingewiesen, keine epidemiologischen Schwierigkeiten zu sehen, so lange sich die Casinos an die geltenden Vorgaben hielten. Zu den jüngsten Veröffentlichungen liegen bislang keine offiziellen Stellungnahmen seitens der Regierung oder Betreiber vor.