, 24.10.2020

Im australischen Bundesstaat New South Wales hat gestern die Testphase für ein neues Online-Programm für Spielsucht-Therapie begonnen. Wie die Universität Sydney [Seite auf Englisch] berichtet, beinhalte das Angebot einen neuen Ansatz, problematisches Spielverhalten zu betrachten.

 

Ein neuer Ansatz in der Spielsucht-Therapie

 

Das Angebot sei vom stellvertretenden Direktor der hauseigenen Klinik für Spielsucht-Therapie und -Forschung (GTRC) Dr. Fadi Anjoul in Zusammenarbeit dem Brain and Mind Centre der Uni entwickelt worden. Es handle sich um eine neue Herangehensweise an die Therapie von Spielsucht und basiere auf dem von ihm entwickelten Spielsucht-Therapie-Programm.

 

Dieses lehne die bisherige Auffassung von Spielsucht als „Krankheit des Gehirns“, wie Anjoul es nennt, ab. Stattdessen helfe es Betroffenen dabei, ihre eigenen Gedankenmuster zu erkennen. Weniger zu spielen, könne dem Ansatz zufolge erlernt werden. Es gehe nicht darum, einen Drang zu unterdrücken, sondern zu verstehen, wie das Auftreten dieses Dranges verhindert werden könne, so Anjoul.

 

Für den klinischen Leiter der GTRC Dr. Christopher Hunt sei es insbesondere im Zuge der Herausforderungen der Corona-Pandemie nötig, die bisherige Herangehensweise zu überdenken:

Die Pandemie hatte eine Reihe von Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Menschen, und der Bereich des problematischen Glücksspiels war nicht davon ausgeschlossen. (…) COVID-19 hat deutlich gemacht, dass Psychologen die Art und Weise, wie wir über problematisches Glücksspiel nachdenken, ändern und die Arbeitsweise, mit der wir unsere Dienste anbieten, überarbeiten müssen.

Das Angebot richte sich insbesondere an solche Spieler, die gerade erst begonnen hätten, problematisches Spielverhalten bei sich zu erkennen. Für Spieler mit komplexen Spielproblemen stünden weiterhin persönliche Hilfsangebote vor Ort zur Verfügung, so Dr. Anjoul.

Das Programm bestehe aus fünf Abschnitten und beinhalte Videos, Tests und Simulationen. Ein Spieler benötige etwa vier bis sechs Wochen, um alle Abschnitte zu durchlaufen. Vorgesehen sei ein Zeitaufwand von einer Stunde pro Woche. Zur Unterstützung sollen regelmäßig telefonische Gespräche mit Psychologen stattfinden.

Im Anschluss an die Testphase soll das Angebot im nächsten Jahr in vollem Umfang an den Start gehen.