, 28.09.2020

Im Fall eines spielsüchtigen Briten, der sich im Jahr 2017 das Leben genommen hat, gibt es neue Entwicklungen. Wie die Zeitung The Guardian [Seite auf Englisch] am Freitag berichtet hat, sei es den Eltern des damals 24-jährigen Jack Ritchie gelungen, eine umfangreiche Untersuchung zu erwirken. Diese soll ermitteln, inwieweit der britische Staat darin versagt hat, Spieler vor den Risiken der Spielsucht zu schützen.

 

Umfassende Untersuchung statt 15-minütiger Anhörung

 

Zuvor hätten die Anwälte der Regierung und der britischen Glücksspielaufsicht versucht, die Untersuchung auf eine knappe 15-minütige Prüfung zu begrenzen, welche mögliches Versagen seitens staatlicher Behörden vernachlässigt hätte. Der zuständige Coroner von Sheffield, David Urpeth, habe am Freitag jedoch eine vollständige Untersuchung angeordnet.

 

Die Mutter des Verstorbenen, Liz Ritchie, äußerte ihre Enttäuschung über die Versuche der Regierung, sich aus der Affäre zu ziehen:

Es ist so enttäuschend, dass der Staat sich damit nicht befassen will. Sie sagen, sie wollen nicht wissen, was einen vollkommen glücklichen und gesunden 24-Jährigen getötet hat, der sich mit staatlich lizenzierten Produkten beschäftigt.

Hat der Staat versagt?

 

Die angekündigte Untersuchung soll nun klären, wie es dazu kam, dass sich der spielsüchtige Jack Ritchie im November 2017 in Hanoi, Vietnam, das Leben genommen habe. Es soll zudem untersucht werden, wie seine Spielsucht in seiner Heimat Großbritannien behandelt und ob er ausreichend vor den Risiken des Glücksspiels gewarnt worden sei.

 

Weiterhin soll ermittelt werden, wie der Glücksspiel-Sektor reguliert war und welche medizinischen Behandlungsmöglichkeiten zu der Zeit verfügbar waren, als Ritchie als 17-Jähriger spielsüchtig geworden sei.

Im Jahr 2019 hatten die Eltern des Verstorbenen bereits eine gerichtliche Untersuchung über die Hintergründe des Suizids ihres Sohnes beim Coroner der Region South Yorkshire West beantragt. Der Leiter der Überprüfung, Christopher Dorries, hatte festgestellt, dass der britische Staat womöglich nicht genug getan habe, um Spielsüchtigen psychologische Unterstützung zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Untersuchung darüber, ob „systemische Störungen“ für die Defizite verantwortlich gewesen sein könnten, war angeraten worden.

Nicht untersucht werden sollen mögliche Versäumnisse der britischen Glücksspielaufsicht. Auch werde nicht näher beleuchtet, ob die Glücksspielgesetzgebung aus dem Jahr 2005 für die heutigen digitalen Zugangsmöglichkeiten zu Glücksspiel angemessen sei.

 

Die Untersuchung soll vierzehn Tage dauern und im Februar 2021 stattfinden.