, 01.11.2019

Am vergangenen Montag nahmen Polizeibeamte im Parx Casino in Bensalem im US-Bundesstaat Pennsylvania den 50-jährigen Todd Steven W. fest. Er wird verdächtigt, seine Eltern tags zuvor in ihrem Haus in New Jersey brutal ermordet zu haben. Nun warten die Behörden auf die Überstellung des Verdächtigen.

 

Durch Casinotechnik überführt

 

Als die Beamten der Pennsylvania State Police Todd Steven W. in dieser Woche festnahmen, dürfte er durchaus überrascht gewesen sein:

 

Der per Haftbefehl gesuchte Sohn des ermordeten Ehepaars Joyanne und Frank W. (beide †73) vergnügte sich gerade an einem Blackjack-Tisch im Parx Casino, als der Zugriff erfolgte. US-amerikanischen Medienberichten zufolge sollen sich der Gesuchte im Spiel befunden haben, als die Ermittler in rücklings überwältigten.

Das Parx Casino und Racing liegt nordöstlich von Philadelphia im US-Bundesstaat Pennsylvania. Der Glücksspielkomplex, der insbesondere für seine Pferderennbahn bekannt ist, wird von Greenwood Gaming and Entertainment betrieben. Mit einem 24-Stunden-Betrieb und unter anderem über 3.300 Spielautomaten, 180 Casinotischen und einem Poker Raum mit 48 Pokertischen bietet das Parx das größte Glücksspielangebot des Bundesstaates.

Auf den 50-Jährigen aufmerksam geworden waren die Fahnder durch die Überwachungstechnik des Casinos. Ein Beamter der staatlichen Glücksspielaufsicht vor Ort hatte Meldung erhalten, dass gegen den Besucher ein Haftbefehl vorliegen könne.

 

Über einen Livestream aus dem Casino in Pennsylvania, so die Gerichtsakten, hätten die Beamten von Polizei und Staatsanwaltschaft in New Jersey Bilder des Spielers mit denen von Todd Steven W. verglichen. Dabei seien sie zu dem Schluss gekommen, dass es sich tatsächlich um den Gesuchten handelte. Weil der Verdächtige als bewaffnet und gefährlich eingeschätzt wurde, erfolgte der Zugriff durch die Beamten vor Ort ohne Verzögerung noch am Blackjack-Tisch.

 

Täter oder Zeuge?

 

Blackjack Tisch Nahaufnahme

Der Gesuchte wurde beim Blackjack überrascht (Quelle:wikimedia commons,gemeinfrei)

Ein Familienmitglied hatte Joyanne und Frank W. nur 14 Stunden zuvor blutüberströmt in ihrem Haus in Washington, New Jersey vorgefunden. Der hinzugerufene Notarzt konnte nur noch den Tod des Ehepaars bescheinigen.

 

Während die Autopsieergebnisse noch ausstehen, bestätigte der ermittelnde Staatsanwalt von Warren County, dass es Hinweise auf stumpfe Gewaltanwendung gegeben habe. Zudem sollen am Tatort ein Baseballschläger und ein Messer gefunden worden sein.

 

Der Sohn des Ehepaares, so die Gerichtsakten, sei am Sonntag nicht auffindbar gewesen. Mutmaßlich mit ihm verschwunden seien das Auto und die Kreditkarten der Eltern. Zu diesem Zeitpunkt habe die Polizei weder Tatablauf noch Spuren- oder Motivlagelage endgültig klären können. Deshalb habe sie entschieden, den Haftbefehl vorerst nur in Bezug auf den angenommenen Diebstahl auszustellen.

 

Tatsächlich fanden die Fahnder den vermissten Wagen nach der Festnahme von Todd Steven W. auf dem Parkplatz des Parx Casinos. Zuvor soll es bereits in der Nähe des Wind Creek Casinos in Bethlehem, Pennsylvania gesichtet worden sein.

 

Mord kurz vor dem Ruhestand

 

Was genau hinter dem mutmaßlichen Elternmord stecken könnte, liegt bislang im Dunkeln. Medienvertretern gegenüber beschrieben Anwohner Joyanne und Frank W. als „Traumnachbarn“:

Sie waren wundervolle, wundervolle Menschen. Sie lächelten immer und sprachen stets mit einem. Wenn es Probleme gegeben haben sollte, waren diese nicht ersichtlich.

Über die Jahre hatten es Frank und Joyanne W. mit mehreren Beauty- und Friseursalons zu Wohlstand gebracht. Für den kommenden Dezember soll das reiselustige Ehepaar geplant haben, sich endgültig aus dem Geschäftsleben zurückzuziehen.

 

Angaben lokaler Quellen zufolge (Seite auf Englisch) scheint das Leben ihres Sohnes Todd weniger geradlinig verlaufen zu sein. Zu High School-Zeiten noch ein gefeierter Football-Star, habe der geschiedene Vater von zwei Söhnen im Jahr 2014 Privatinsolvenz angemeldet.

 

Das Gehalt, das er als angestellter Manager in einem der Salons seiner Eltern erhalten habe, habe nicht ausgereicht, um seine größtenteils durch Kreditkarten getätigten Ausgaben zu decken. Später sei er dann zu seinen Eltern gezogen. Details zu seinem Privatleben sind nicht bekannt.

 

Prozess in New Jersey

 

Ob Todd Steven W. tatsächlich für den brutalen Tod seiner Eltern verantwortlich ist, wird erst nach seiner Überstellung nach New Jersey geklärt werden können. Dort erwartet ihn ein Prozess wegen Mordes. Bei Verurteilung ist mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu rechnen.

 

Vor Gericht wird er sich dann vermutlich auch die Frage gefallen lassen müssen, warum es ihn, ob schuldig oder nicht, nach dem Tod seiner Eltern ausgerechnet in ein Casino verschlagen habe.

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