, 29.04.2021

Im Interview mit dem Talk-Format „Nachgefragt“ der österreichischen Kronen Zeitung spricht sich Raffaela Zillner, die Generalsekretärin der Österreichischen Vereinigung für Wetten und Glücksspiel (OVWG), vehement gegen ein Glücksspielmonopol in der Alpenrepublik aus. Stattdessen fordert sie, die die Interessen privater Online-Glücksspiel-Anbieter wie bet-at-home und bwin vertritt, die Einführung eines Lizenzsystems nach qualitativen Maßstäben.

 

„Online-Glücksspiel-Monopol nicht zeitgemäß“

 

In dem rund 20-minütigen Gespräch mit krone.tv-Moderator Gerhard Koller forderte OVWG-Vertreterin Zillner die Politik auf, Überlegungen, nach denen auch künftig nur der teilstaatliche Anbieter win2day eine österreichische Online-Glücksspiel-Lizenz erhalten könnte, aufzugeben.

 

Während der Verband sowohl die Pläne des zuständigen Finanzministers Gernot Blümel zur Einrichtung einer unabhängigen Spielaufsicht und der Ausweitung des Spielerschutzes begrüße, sei die mögliche Aufrechterhaltung eines Monopols nicht zeitgemäß:

Je früher man erkennt, dass ein Lizenzsystem eigentlich die Zukunft ist und ein Monopol eigentlich etwas ist, was völlig aus der Zeit gefallen ist, desto früher werden wir einen guten Spielerschutz und hohe Transparenz in Österreich erreichen.

Es sei notwendig, zwischen illegalen Online-Anbietern aus Übersee und Unternehmen mit EU-Lizenz zu unterscheiden. Letztere setzten hohe Standards an den Spielerschutz und seien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

 

So hingen an den in Österreich operierenden Verbandsmitgliedern wie bwin und interwetten aktuell rund 1.000 Arbeitsplätze. Zudem hätten die EU-lizenzierten Unternehmen allein im Jahr 2019 rund 170 Mio. Euro an Steuern gezahlt. Weitere 100 Mio. seien in die österreichische Sport- und Medienlandschaft geflossen.

 

Internetsperren als stumpfes Schwert

 

Pläne, nach denen das sogenannte DNS-Blocking (Domain Name System Blocking) den Markt künftig von illegalen Anbietern befreien soll, nannte Zillner „lebensfremd“. Aktuell spielten lediglich 30 % der Nutzer über den einzigen Inhaber einer österreichischen Lizenz, win2day. Es sei nicht davon auszugehen, dass die restlichen 70 % bei einer Sperre zu der Casag-Tochter wechselten.

Welche Auswirkungen eine Öffnung des Online-Glücksspiels für private Anbieter auf den Spielerschutz haben können, wird auch in Deutschland diskutiert. Während Politik und Branche auf positive Folgen einer Kanalisierung der Spieler zu lizenzierten Betreibern, die staatliche Vorgaben erfüllen, verweisen, sehen Spielsucht-Experten das Angebot kritisch.

 

So beschreibt Dr. Tobias Hayer im Interview mit CasinoOnline.de, dass die Konkurrenzsituation im Online-Glücksspiel die Bemühungen um weitergehenden Spielerschutz seitens der Anbieter voraussichtlich in den Hintergrund treten lasse wird. Nach Ansicht des Forschers der Universität Bremen wäre eine monopolartige Struktur mit hinreichend attraktivem Spielangebot auf einer einzigen legalen Plattform die bessere Alternative.

Vielmehr sei damit zu rechnen, dass der Schwarzmarkt „explodiere“, wenn Angebote EU-lizenzierter Betreiber geblockt würden. So hätten unseriöse Anbieter aus der Karibik und Asien „wenig zu verlieren“ und seien in der Lage, ihre Domains, wenn nötig, „täglich“ zu wechseln.

 

Auch deshalb, so Zillner, sei ein Lizenzierungsverfahren, das allein auf qualitativen Gesichtspunkten beruhe, der einzig gangbare Weg. Doch selbst wenn der mit Spannung erwartete Gesetzesentwurf den Ausschluss der privaten Anbieter vom österreichischen Online-Glücksspiel-Markt vorsehe, sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. In diesem Fall stehe noch ein Begutachtungsverfahren an, in dem der Verband seine Argumente einbringen werde. Zudem müsse das Gesetz auch auf europäischer Ebene Bestand haben.

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