, August 18, 2019

Der in der vergangenen Woche publizierte Suspicious Trends in Global Football 2019 Report beschreibt einen leichten Rückgang verdächtiger Wettaktivitäten im internationalen Fußball im Vergleich zum Vorjahr. Die Studie analysierte Daten von zehntausenden Fußballpartien aus dem Jahr 2018. Deutlich überrepräsentiert in Bezug auf den Verdacht des Match Fixings sind Europa und der Jugendfußball.

 

 „Für die Integrität des Fußballs“

 

Gemeinsam veröffentlichten (Seite auf Englisch) die sporttechnologischen Unternehmen Stats Perform, Starlizard und TXODDS zum zweiten Mal einen Bericht zu Trends in Bezug auf verdächtiges Wettgeschehen im internationalen Fußball.

Im Juli 2019 schlossen sich die beiden Unternehmen Stats und Perform zum Branchenführer Stats Perform zusammen. Der Sporttechnologie-Konzern bietet Lösungen in Bezug auf Daten und KI-Angebote für Unternehmen aus der Sport-, Medien- und Wettbranche an.

Als „verdächtig“ klassifizieren die Forscher Wettmärkte, deren Auffälligkeiten in Bezug zu vergleichbaren Bewegungen im Wettgeschäft nicht auf herkömmliche Weise erklärt werden können.

 

Hierzu können beispielsweise plötzliche Anstiege im Wettverhalten kurz Spielbeginn oder das vermehrte Wetten auf bestimmte Spielausgänge gehören.

 

0,6 Prozent aller Begegnungen „verdächtig“

 

Mit der Veröffentlichung der Zahlen wollen die Macher eigenen Angaben zufolge die Integrität des Fußballs unterstützen. So sollen Öffentlichkeit, Medien und Stakeholder ebenso wie die Verantwortlichen aus Sport- und Regierungskreisen über Trends in Bezug auf das Match Fixing aufgeklärt werden, wie Jake Marsh, Chef der zuständigen Integrity-Abteilung von Stats Perform, betont:

Mit diesem Bericht sollen Interessengruppen aus den Bereichen Fußball und Integrität einen aussagekräftigen Einblick in Spiele mit verdächtigen Wettmärkten auf globaler Ebene erhalten. Wir sind davon überzeugt, dass wir durch die Aufdeckung verdächtiger Aktivitäten in einem nicht anklagenden öffentlichen Forum das Verständnis für die neuesten Trends und Problembereiche der Integritätsakteure verbessern können.

Für den Bericht verglichen die Dienstleister die Daten von insgesamt 62.250 Begegnungen im Jahr 2018. 0,61 Prozent der begutachteten Spiele wurden als verdächtig als klassifiziert. Den Spitzenplatz mit 227 der insgesamt 377 als problematisch eingestuften Partien nehmen innereuropäische Spiele ein.

 

Es folgen innerasiatische Begegnungen (69), internationale (47) und südamerikanische Fußballspiele (24). Den letzten Platz nimmt Ozeanien mit nur einer verdächtigen Partie im Jahr 2018 ein. Den Wettdaten zufolge könnten fünf Spiele auf dem afrikanischen und vier auf dem nordamerikanischen Kontinent manipuliert gewesen sein.

 

Niedrigklassige Spiele im Fokus des Match Fixing

 

Für ihre Analyse teilten die Datenexperten die betrachteten Spiele je nach Bedeutung in eine Skala absteigend von 1 bis 8 ein. Besonders viele der als verdächtig eingestuften Spiele fanden auf den niedrigen Stufen 6 bis 8 statt.

 

Stats Perform Logo

Sporttechnologe Stats Perform analysierte Daten aus dem Jahr 2018 (Quelle:stats.com)

Auf Stufe 1, die unter anderem Weltmeisterschaftsspiele umfasst, zeigten sich den Analysten zufolge 2018 nur bei zwei Begegnungen auffällige Bewegungen auf dem Wettmarkt.

 

Besonders auffällig sei, dass zehn der 20 Fußballligen mit den höchsten Verdachtszahlen die höchsten Spielklassen ihrer Länder darstellten. Sechsmal seien europäische Topligen betroffen.

 

Explizit erwähnt der Bericht eine osteuropäische erste Liga, bei der 16 Spiele als verdächtigt eingestuft wurden. Des entspräche knapp sieben Prozent aller nationalen Spitzenbegegnungen.

 

Europäischer Jugendfußball besonders betroffen

 

Besonders auffällig, so der Suspicious Trends in Global Football 2019 Report, sei die Anzahl verdächtiger Begegnungen im Jugendfußball. Obwohl lediglich 5,6 Prozent der betrachteten Spiele den Junioren zugerechnet werden könnten, machten sie in der Verteilung aller verdächtigen Begegnungen 15 Prozent aus und seien damit deutlich überrepräsentiert.

 

Insbesondere die Jugendliga eines europäischen Landes habe mit 22 verdächtigen Spielen einen Negativrekord aufgestellt. Eines ihrer Teams sei in den vergangenen zwei Jahren an 13 als verdächtig eingestuften Partien beteiligt gewesen.

 

In der Betrachtung von 2.328 Begegnungen im Frauenfußball identifizierten die Datenexperten sechs verdächtige Spiele, davon drei Länderspiele.

 

Maßnahmen gegen Match Fixing zeigen Wirkung

 

Der Bericht schließt mit einem positiven Fazit: Im Frühjahr 2018 hätten gezielte Interventionen europäischer Strafverfolgungsbehörden einen deutlichen Einbruch bei als verdächtig geltenden Partien bewirkt. Nach diversen Festnahmen im Kontext eines mutmaßlichen Match-Fixing Rings in einem bestimmten europäischen Land sei die Anzahl dieser Spiele regional deutlich zurückgegangen.

 

Mit dem Suspicious Trends in Global Football 2019 Report erlauben die Datendienstleister einen interessanten Blick hinter die Kulissen ihrer Arbeit. Konkret werden sie in ihren Auskünften aber nicht.

 

Wer wissen möchte, welche europäische Liga besonders von Spielmanipulation betroffen sein könnte oder welches Topspiel zu ungewöhnlichen Bewegungen auf dem Wettmarkt sorgte, kommt nicht umher, die kostenpflichtigen Angebote der Analysten zu nutzen.