, 08.04.2019

Becky „The Man“ Lynch (32) setzte sich in der Nacht auf Montag bei der WrestleMania 35 vor über 80.000 Fans im MetLife Stadium in New Jersey durch und darf sich nun Raw und SmackDown Championette nennen. Erstmals in der Geschichte der weltgrößten Wrestling-Show bildete ein Main-Event der Frauen den Höhepunkt der Veranstaltung.

 

WrestleMania schreibt Geschichte

 

WrestleMania 34

Die WrestleMania ist das Großereignis des Wrestlingjahres (Quelle:flickr.com, licensed under CC BY-SA 2.0)

Nach 34 Jahren, in denen das WrestleMania Main Event von Größen wie Hulk Hogan, The Rock oder dem Undertaker bestritten wurde, setzte das größte Spektakel des Wrestling-Jahres am Wochenende einen Meilenstein:

 

Erstmalig wurde der Hauptkampf allein von Frauen ausgetragen.

 

Nach offiziellen Angaben der gastgebenden World Wrestling Entertainment Inc. (WWE) verfolgten 82.265 Zuschauer im ausverkauften MetLife Stadium, wie Publikumsliebling Becky Lynch ihren Gegnerinnen Ronda Rousey und Charlotte Flair im Triple Thread-Kampf den Garaus machte.

 

Favoritin setzt sich durch

 

Zunächst war SmackDown-Damenchampion Flair, die sich mit dem Einfliegen per Helikopter einen großen Auftritt gesichert hatte, von Raw-Titelverteidigerin Rousey und Lynch im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Spiel geworfen worden:

 

Nachdem die Kontrahentinnen sie gemeinsam in einen Tisch schleuderten, war der Traum vom Titel für Flair ausgeträumt.

Becky Lynch (bürgerl. Rebecca Quin) stammt aus Dublin und steht seit 2002 als Wrestlerin im Ring. Ab 2004 bestritt Lynch, die die Beinamen „The Man“ und „The Irish Lasskicker“ trägt, ihre Kämpfe in Independent-Ligen, bis sie 2013 einen Vertrag bei der WWE unterschrieb.

 

Aufgrund einer schweren Verletzung musste die Sportlerin mehrere Jahre pausieren und arbeitete während ihrer Auszeit unter anderem als Schauspielerin und Flugbegleiterin.

Im folgenden Duell gelang Lynch ein Konter gegen Rousey, die ihre Widersacherin mit einem Spezialmanöver hatte ausschalten wollen. Lynch sicherte sich so beide Gürtel.

 

Damit erfüllte sie die Prognosen der amerikanischen Buchmacher, die Lynch bereits vor dem Kampf als sichere Bank betrachtet hatten: Mit Quoten von bis zu +1300 (Flair) und +430 (Rousey) konnten ihre Kontrahentinnen Lynch (-490) nicht das Wasser reichen.

 

Dass drei Frauen den Hauptkampf der prestigeträchtigen Show lieferten, trägt der Entwicklung im Wrestling der vergangenen Jahre Rechnung und hebt das Frauenwrestling auf ein neues Level, wie auch Champion Lynch bereits vor dem Kampf via Twitter klarmachte:

 

Becky Lynch Tweet

„Heute ist der Tag, an dem ihr und ich verändern, wie das Geschäft funktioniert, denkt und sich weiterentwickelt“ ((Quelle:twitter.com/@BeckyLynchWWE)

 

„BH- und Höschen-Wettbewerbe“

 

Lange galten weibliche Kämpfer vornehmlich als hübsche Dekoration der Männerwettkämpfe und durften sich dem Publikum meist im Kontext von Kissenschlachten und Bikini-Contests präsentieren, wie auch Emily Reed kritisiert.

 

Die Gründerin der Londoner Frauen-Wrestling-Schule Eve Academy (Link auf Englisch) erinnert sich noch gut an Zeiten, in denen Wrestlerinnen der Respekt der Industrie versagt blieb und Frauen sich bei sogenannten „BH- und Höschen-Contests“ bis auf die Unterwäsche entkleideten:

Man heuerte eine Schar von Models an und brachte ihnen die Grundzüge des Wrestlings bei. Eigentlich waren das nur Bikini- und Kostümwettbewerbe.

Auch Sportlerinnen mit ernsthaften sportlichen Ambitionen seien ähnlich behandelt und zu Pausenfüllern zwischen den Kämpfen der Männer degradiert worden, so Reed.

 

Schmutzige Phantasien

 

Auch im Privaten sehen sich Wrestlerinnen aufgrund des Sports immer wieder Schwierigkeiten ausgesetzt, mit denen ihre männlichen Kollegen weniger oft konfrontiert werden.

 

So berichtet beispielsweise Anna Dobbie, die unter dem Namen Goldyloxx in den Ring steigt, von unwillkommenen Angeboten:

In meinem Tinder-Profil steht, dass ich wrestle. Die Hälfte der Leute, die mich kontaktieren, fragt, ob wir mal wrestlen sollen. Das verärgert mich und bringt mich dazu, sie sofort zu blockieren.

Auch bei Wrestling-Events komme es immer wieder vor, dass männliche Zuschauer die Kämpferinnen aufforderten, sich auszuziehen.

 

Mit dem Sieg beim Main Event der WrestleMania hat Becky Lynch nicht nur ihre eigene Karriere auf ein neues Level gehoben.

 

Die Show, die sie und ihre Kontrahentinnen in New Jersey boten, hat der Wahrnehmung von Sportlerinnen in diesem bislang männlich dominierten Bereich eine erneute Aufwertung verschafft und dürfte so weiteren Frauen den Weg ins Profiwrestling ebnen.