, 19.10.2021

Ehemalige Armeesoldaten in Großbritannien leiden elfmal häufiger unter Spielsucht als die Allgemeinbevölkerung. Dies ist das Ergebnis einer am Montag im Fachjournal BMJ Military Health veröffentlichten Studie [Seite auf Englisch]. Die Studie wurde von der psychologischen Fakultät der Universität Swansea durchgeführt.

 

Teilgenommen haben insgesamt 5.147 Personen, von denen knapp die Hälfte (2.535) Veteranen sind. Wie die Autoren zur Methodik erklären, seien den Teilnehmern soziodemographische sowie glücksspiel- und gesundheitsspezifische Fragen gestellt worden.

 

Veteranen spielten häufiger und suchtgefährdendere Spiele

Die Frage, ob die Teilnehmer innerhalb der letzten zwölf Monate an einem Glücksspiel jedweder Art teilgenommen hätten, hätten 91,5 % der Veteranen bejaht. Von den Nicht-Veteranen hätten insgesamt 71 % angegeben, Glücksspiele gespielt zu haben. In beiden Gruppen habe Lotto zu den am häufigsten gespielten Glücksspielen gezählt (63,3 % der Veteranen, 71,2 % der Nicht-Veteranen).

 

Bei Spielen, die für gewöhnlich als „besonders suchtgefährdend“ gälten, habe sich ein starkes Ungleichgewicht gezeigt. So hätten 29,8 % der Veteranen erklärt, Spielautomaten zu spielen. Unter den Nicht-Veteranen seien es 10,2 % gewesen. Ähnlich sehe es bei Online-Slots aus (21,6 % der Veteranen, 8,6 % der Nicht-Veteranen).

 

Den selbsterklärten Glücksspielern seien dann die Fragen des offiziellen Problem Gambling Severity Index (PGSI) gestellt worden.

Der PGSI gilt in Großbritannien als Standard-Methode für eine Ersteinschätzung von Glücksspiel-Verhaltensweisen. Er besteht aus neun Fragen, die mit „nie“, „selten“, „manchmal“, „häufig“ und „immer“ beantwortet werden, wobei für „nie“ null Punkte und für „immer“ drei Punkte vergeben werden. Insgesamt sind also 27 Punkte möglich. Bei einem Ergebnis von null bis zwei Punkten gilt der Teilnehmer als nicht oder minimal spielsuchtgefährdet. Bei drei bis sieben Punkten besteht ein mäßiges Spielsuchtrisiko. Ab acht Punkten wird von einem problematischen Spielverhalten gesprochen.

Das Ergebnis habe die Forscher überrascht. Insgesamt 43,1 % der am Glücksspiel teilnehmenden Veteranen fielen gemäß des PSGI in den Bereich der Problemspieler. Unter den Nicht-Veteranen seien es nur 6,5 % gewesen. Die Veteranen seien damit knapp elfmal häufiger von Spielsucht betroffen.

 

Traumata als Treiber von Glücksspielsucht

Auch bei den gesundheits- und sozialspezifischen Fragen hätten die Veteranen durchweg „schlechter“ abgeschnitten. Sie seien häufiger in stationärer oder ambulanter medizinischer Behandlung, nähmen häufiger psychologische Dienste in Anspruch und seien häufiger auf Medikamente angewiesen.

 

Darüber hinaus seien sie häufiger auch von Alkohol- und Drogensucht betroffen. Sie hätten häufiger sowie höhere Schulden, erhielten häufiger Arbeitslosengeld und Zuschüsse und würden häufiger straffällig.

 

Laut den Autoren der Studie seien diese Korrelationen nicht überraschend. Veteranen erlebten in ihrer Soldatenlaufbahn oft traumatische Erlebnisse, die sich später als eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) manifestieren könnten. Diese wiederum werde mit allen der genannten negativen sozialen und gesundheitlichen Folgen in Verbindung gebracht.

Auch in Deutschland leiden ehemalige Soldaten oft unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Wie der NDR vor wenigen Monaten berichtete, steige die Zahl der bei der Bundeswehr registrierten Fälle von Jahr zu Jahr an. Im Jahr 2020 habe es 213 neue Diagnosen gegeben, 2019 seien es 183 gewesen. Der Combat Veteranenverband gehe allerdings davon aus, dass die Dunkelziffer um einiges höher liegen könnte, weil viele der Betroffenen sich nicht behandeln ließen.

Die oft gemeinsam auftretenden Probleme wie Spielsucht, Alkoholsucht, Schulden und Kriminalität bedingten sich dann wechselseitig. Die Betroffenen seien in einem Teufelskreis gefangen, der nur schwer zu durchbrechen sei.

 

Die Autoren der Studie schlussfolgern, dass dem Thema der Spielsucht unter Veteranen daher mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste.