, 11.12.2019

Das US-Veteranenministerium hat eine Einrichtung für spielsüchtige Ex-Soldaten in der Zocker-Metropole Las Vegas eröffnet. Wie das Nachrichtenportal MilitaryTimes berichtet, werde das Las Vegas VA Residential Recovery and Renewal Center 30- und 45-tägige Programme gegen Glücksspielsucht und Substanzmissbrauch anbieten.

 

Ein salutierender Soldat

Viele Soldaten stehen mit ihrem Spielproblem alleine da. (Quelle: Pixabay)

In den Vereinigten Staaten ist die Einrichtung die zweite ihrer Art. Bereits im Jahre 1972 eröffnete das US-Veteranenministerium eine Therapieklinik für suchtkranke Veteranen in Brecksville, Ohio.

 

Spielsucht bei Armee- und Ex-Armee-Angehörigen ist in den USA ein verbreitetes Problem, welches zunehmend an Bedeutung gewinnt. Erst im Juli dieses Jahres hatte eine parteiübergreifende Initiative von Republikanern und Demokraten die Verordnung mit dem Titel Gambling Addiction Prevention (GAP) Act of 2019 erlassen, in deren Zusammenhang das Ausmaß von Spielsucht unter US-Soldaten untersucht werden soll.

 

Die Experten des National Council on Problem Gambling (NCPG) schätzen die Zahl der US-Soldaten mit krankhaftem Spielverhalten auf 56.000. Viele kämpften auch nach dem Ausscheiden aus dem Militär mit der Sucht.

Wieso zocken die US-Veteranen?

Forscher des Edith Nourse Rogers Memorial Veteranen-Krankenhauses in Bedford, Massachusetts, haben nach den Ursachen des problematischen und krankhaften Spielens bei Veteranen geforscht. Dabei haben sie beobachtet, dass eine Vielzahl der Patienten unter Angststörungen und Depressionen leidet. Die NCPG beziffert die Depressionsraten unter spielkranken Veteranen auf bis zu 76 %.

Suchtklinik in Las Vegas dringend notwendig

 

Für Suchtexperten ist die Eröffnung der Spezialeinrichtung in Las Vegas längst überfällig. Laut Roxanne Untal, der Managerin des Projekts, sei die Klinik dringend notwendig:

 „Hier in Las Vegas besteht definitiv ein großer Bedarf (…). Der Missbrauch von Glücksspielen und Substanzen existiert bereits. Das größte Ziel besteht darin, Veteranen eine stationäre Therapie zu bieten, wenn eine intensivere Versorgung erforderlich ist als dies bei einer ambulanten Behandlung der Fall wäre (…). Auch wenn Sie noch nicht als Veteran registriert sind, das Thema aber etwas ist, über das sie sprechen wollen, können Sie zu uns kommen.“

Suchtforscher vermuten, dass das pathologische Spielen der Veteranen ein Symptom anderer psychischer Erkrankungen sein könnte. Die Ex-Soldaten spielten, um der Wirklichkeit zu entfliehen oder um die Behandlung anderer psychischer Krankheiten zu vermeiden.

 

Häufig werde das Spielproblem erst dann bemerkt, wenn die Patienten in die Kliniken kämen. Laut dem NCPG (Link auf Englisch) wurden 28 % der Veteranen, die schon einmal in einem psychiatrischen Krankenhaus behandelt wurden, als Problemspieler klassifiziert. 12 % hätten sogar Symptome pathologischen Spielens aufgezeigt.

 

Wie die Organisation in einem Positionspapier zum problematischen Spielverhalten unter US-Veteranen mitteilte, seien vor allem ethnische Minderheiten nach dem Militärdienst von der Spielsucht betroffen.

 

Während zwischen 1,6 % und 3,4 % der US-Gesamtbevölkerung im Laufe ihres Lebens ein Problem mit dem Glücksspiel entwickelten, läge diese Zahl bei hispano-amerikanischen Veteranen bei 4,3 % und bei Veteranen indianischer Abstammung sogar bei 9,9 %.

 

Trägt das US-Militär eine Mitschuld an den Suchterkrankungen?

 

Es stellt sich die Frage, ob das US-Militär zumindest eine Mitschuld an den hohen Suchtzahlen tragen könnte. Spielautomaten lassen sich nämlich auch auf Militärstützpunkten der US-Armee finden. An insgesamt 3.100 Maschinen soll das Verteidigungsministerium zwischen 2011 und 2015 knapp 500 Millionen USD (ca. 451 Millionen Euro) eingenommen haben.

 

Kommen die Soldaten aus dem Einsatz zurück oder gehen in den Ruhestand, endet das Spielen häufig nicht. Eine Untersuchung an 260 US-Veteranen, die zwischen November 2017 und September 2018 im US-Bundesstaat Massachusetts durchgeführt wurde, förderte zutage, dass 32,7 % der untersuchten Veteranen innerhalb eines Jahres an Glücksspielen teilgenommen hatten. Bei 5,9 % der Untersuchten wurde eine Spielstörung attestiert.

 

Bei den Veteranen seien Rubbellose (31 %), Lotterien (25 %) und Kartenspiele (10 %) die populärsten Formen des Glücksspiels.

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