Mittwoch, 28. September 2022

Vorbild Eurojackpot? Australien senkt Chancen auf Lotto-Hauptgewinne

Oz Lotto Australien Lottoschein Beim Oz Lotto in Australien stehen Neuerungen an (Quelle:mediacentre.thelott.com)

Anstehende Änderungen der Lotto-Ziehungen sorgen in Australien aktuell für Unmut. Die Regierung des Bundesstaates Victoria sprach sich in dieser Woche dafür aus, sowohl die Anzahl der Kugeln als auch die der zu tippenden Zusatzzahlen zu erhöhen.

Kritiker werfen den Verantwortlichen vor, mit den Änderungen mehr Geld in die Staatskasse spülen zu wollen. Ähnliche Änderungen traten zuletzt auch bei der europäischen Mehrstaaten-Lotterie Eurojackpot in Kraft.

Weniger Chancen auf mehr Geld

Geht es nach dem Willen der Regierung von Victoria, sollen in Australien ab dem 11. Mai neue Rahmenbedingungen beim landesweiten Oz Lotto von Betreiber Tatts geben. Die ausstehende Genehmigung durch die zuständige Glücksspielaufsicht gilt als sehr wahrscheinlich.

Aktuell tippen Spieler beim Oz Lotto auf sieben Richtige aus 45 und zwei Zusatzzahlen. Künftig, so der Plan, müssten für den Jackpot sieben aus 47 sowie drei Zusatzzahlen getroffen werden. Zudem werde der Basisjackpot von 2 auf 3 Mio. AUD erhöht. Der Preis für Lottoscheine erhöhe sich zugleich um 10 Cent.

Seit der vergangenen Woche laufen die Ziehungen der Mehrstaaten-Lotterie Eurojackpot nach neuen Spielregeln ab. Neben einer zweiten wöchentlichen Ziehung entschieden sich die Betreiber für die Erhöhung der maximal zu gewinnenden Summe von 90 auf 120 Mio. EUR.

Die Wahrscheinlichkeit, den Eurojackpot zu knacken, verringerte sich jedoch. Bislang waren neben 5 aus 50 Zahlen zwei sogenannte Eurozahlen aus 10 zu tippen. Seit dem 29. März müssen sich die Spieler nun für zwei aus 12 Zahlen entscheiden.

Die Chance auf den Hauptgewinn sank damit von 1:95 Mio. auf 1:140 Mio. Die Wahrscheinlichkeit, überhaupt einen geldwerten Treffer beim Eurojackpot zu landen, beträgt nun 1:32. Zuvor lag sie bei 1:26.

Die Regierung wirbt damit, dass so mehr potenzielle Gewinnkombinationen entstehen. Dadurch steige die Gesamtchance auf einen Gewinn von bislang 1:55 Mio. auf dann 1:50 Mio. Gleichzeitig bedeutet die Erhöhung der Anzahl der Kugeln und Zusatzzahlen jedoch auch, dass die Wahrscheinlichkeit, den Hauptgewinn zu knacken von 1:45 Mio. auf 1:63 Mio. sinkt.

Die Verantwortlichen sehen in der gesunkenen Quote und somit selteneren Auszahlung die Chance auf höhere Jackpot-Summen.

Lotto-Neuerungen für mehr Steuereinnahmen?

Kritiker hingegen werfen der Regierung von Victorias Premierminister Daniel Andrews vor [Seite auf Englisch], mit den Neuerungen lediglich die Staatskasse füllen zu wollen. So bezeichnete die Sprecherin der Opposition für Glücksspiel, Steph Ryan, die als „unverhohlene Geldmacherei“ und erklärte:

Indem die Regierung zusätzliche Zahlen zur Lotterie hinzufügt, stellt sie sicher, dass es schwieriger ist, zu gewinnen, was bedeutet, dass die Jackpots steigen, und größere Jackpots führen zu größeren Ticketverkäufen. Dies ist nur ein weiterer verzweifelter Griff nach Geld von der Andrews-Regierung, um zu versuchen, ihr Versagen bei der Verwaltung ihres eigenen Haushalts zu überbrücken.

Auch Spielerschützer kritisieren die geplanten Lotto-Änderungen. Tim Costello von der Alliance for Gambling Reform wirft der Regierung von Victoria vor, die Glücksspiel-Problematik im Land zu befeuern.

Seit Beginn der Pandemie sei die Teilnahme am Lotto bedenklich in die Höhe geschnellt. Anstatt jedoch „Schadensbegrenzung“ zu betreiben, habe sich die Politik für den „zynischen Versuch“ entschieden, ihre Einnahmen auf dem Rücken gefährdeter Spieler zu erhöhen.

Im Haushaltsjahr 2021/22 hat Victoria 599 Mio. AUD an Steuern durch öffentliche Lotterien eingenommen. Dies seien etwa 15 Mio. AUD mehr als ursprünglich prognostiziert. Es wird erwartet, dass diese Einnahmen im Haushaltsjahr 2022/23 auf 624 Mio. AUD und bis 2024/25 auf 658 Mio. AUD steigen werden.

Die so gescholtenen Entscheidungsträger zeigen sich von der Kritik jedoch eher unbeeindruckt. So erklärte Martin Pakula, Sportminister von Victoria, Journalisten gegenüber, selbst regelmäßig Lotto zu spielen. Die Neuerungen störten ihn keineswegs.

So habe er den Jackpot in 30 Jahren nie geknackt und gehe auch nicht davon aus, dass sich dies ändern werde. Generell sei er der Meinung, dass den gesunkenen Chancen auf den Hauptgewinn nur wenig Bedeutung zukomme.

Der Unterschied zwischen einer Gewinnwahrscheinlichkeit von 1:40 Mio. und der von 1:60 Mio. sei für die meisten Menschen ohnehin wohl nur „akademischer“ Natur, so der Minister.